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Uhrmacherhäusl in München: Gerichtsurteil wegen Abriss ist da - wie teuer es für den Käufer wird

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Von: Marco Litzlbauer

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Autos parken vor einer Häuserlücke, in der bis 2017 das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl gestanden hat.
Seit dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls 2017 klafft in Giesing eine Lücke. © Matthias Balk/dpa

München: Der Fall des illegal abgerissenen Uhrmacherhäusls in Giesing steht seit Jahren symbolisch für die Gentrifizierung in der Stadt. Jetzt ist ein weiteres Urteil in dem Fall ergangen...

Im Fall des illegalen Abriss des denkmalgeschützten Münchner Uhrmacherhäusls ist jetzt ein weiteres Urteil gefallen. Auch OB Dieter Reiter hat sich schon zu Wort gemeldet.

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Urteil im Fall des illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls: Käufer muss über 130.000 Euro zahlen

Der Käufer des Hauses ist zu einer Geldstrafe von 132 500 Euro verurteilt worden. Am Freitag, 29. Juli 2022, verhängte das Amtsgericht 250 Tagessätze zu je 530 Euro wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Nötigung. Zusammengerechnet also 132.500 Euro.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er einen Bauunternehmer damit beauftragte, das Haus 2017 mit einem Bagger absichtlich zu zerstören, damit es danach abgerissen werden kann. So berichtet es die Nachrichtenagentur dpa.

Auch den Vorwurf der Nötigung sah das Gericht bestätigt. Laut Anklage soll er die Mieter des Uhrmacherhäusls rausgeekelt haben, indem das Wasser abgedreht, der Strom abgeschaltet, die Haustür ausgehängt und Dachziegel entfernt wurden, damit es hineinregnet.

Urteil im Fall des illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls: Auch Bauunternehmer wurde verurteilt

Der Bauunternehmer wurde wegen Beihilfe zur gemeinschädlichen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 40 Euro verurteilt.

Der angeklagte Käufer des Hauses hatte vor Gericht von einem Versehen gesprochen und eine Abriss-Absicht zu Beginn des Verfahrens über seine Anwälte bestritten: „Es hat keinen Auftrag zum Abriss gegeben.“ Der Mann werde „zum Sündenbock“ für die Gentrifizierung in München gemacht, sagte sein Verteidiger. „Er ist eben kein Immobilienhai, sondern erwarb das Uhrmacherhäusl, um nach Sanierung selbst einzuziehen.“ Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht.

Urteil im Fall des illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls: Das sagt OB Dieter Reiter

Das Uhrmacherhäusl beschäftigt Anwohner, Denkmalschützer und die Politik schon seit Jahren. Es gehört zum Ensemble Feldmüllersiedlung im Stadtteil Giesing, das zwischen 1840 und 1845 erbaut wurde, und stand unter Denkmalschutz - bis im Herbst 2017 der Bagger kam, um den es nun im Prozess ging.

In einem Statement, das Hallo München vorliegt, äußerte sich auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schon zu dem Urteil: „Nachdem der Eigentümer des Uhrmacherhäusls schon zum Wiederaufbau verdonnert wurde, hat das Amtsgericht München jetzt auch festgestellt, dass er sich wegen Nötigung und Sachbeschädigung strafbar gemacht hat. Über die Höhe der Strafe kann man streiten, aber feststeht: Wer Mieter raus ekelt und denkmalgeschützte Häuser illegal abreißt kommt damit nicht durch!“

Das Urteil ist nicht die erste Niederlage des Hausbesitzers vor Gericht. Im Jahr 2021 hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass der Käufer das Uhrmacherhäuschen mit seinen historischen Gebäudemaßen wieder aufbauen muss.

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