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„Kraftwerk Westend“: Pfarrer Berger über Umbau der Auferstehungskirche ‒ Wie die Kirche künftig genutzt wird

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Auferstehungskirche im Westend wird umgebaut.
Die Auferstehungskirche im Westend wird umgebaut. © Daniela Borsutzky

Die Auferstehungskirche im Münchner Westend will sich neu erfinden. Pfarrer Bernd Berger spricht über den geplanten Umbau und die Nutzung der Kirche.

München / Westend ‒ „Willkommen in unserer protestantischen Trutzburg“, empfängt Pfarrer Bernd Berger Hallo lächelnd mit ausgebreiteten Armen.

Vor viereinhalb Jahren wechselte der gebürtige Lübecker zur evangelisch-lutherischen Gemeinde ins Westend. Seitdem blickt er stetig in die Zukunft und arbeitet an der „Vision Auferstehung 2025“, die inzwischen „Kraftwerk Westend“ heißt. Und mit der auch bauliche Veränderungen einhergehen.

Umbau der Auferstehungskirche im München - Pfarrer Berger über „Kraftwerk Westend“

Denn aus der Kirche soll ein vielseitig nutzbarer Raum werden: als Gemeinde- und Veranstaltungszentrum für das Viertel, als Raum für Kunst, Kultur, Theater, Konzerte, Tagungen und Großveranstaltungen, aber auch weiterhin für Gottesdienste. „Ein charismatischer kirchlich-diakonischer, multikultureller, stadtteilorientierter Kraftort für die unterschiedlichen Menschen und Communities im Westend“, fasst Berger zusammen.

Pfarrer Bernd Berger
Pfarrer Bernd Berger © Daniela Borsutzky

Die Konzertreihe „Westend Vibes“ sei schon jetzt eine Vorstufe von dem, was Berger für später vorschwebt. „Die Bar Gabányi hatte vor eineinhalb Jahren wegen Corona bei uns um Asyl gebeten“, erklärt der Pfarrer und zeigt ein Video eines gut besuchten Tangoabends mitten in der Auferstehungskirche.

Auch das Projekt „Westend kocht“, das heute schon bis zu 80 Gäste anzieht, könnte ausgeweitet werden. „Da kommen Geflüchtete aus Sierre Leone und Menschen, die was im Geldbeutel haben, zusammen, kochen und essen gemeinsam“, berichtet Berger, der über sich selbst sagt, dass Predigen und Kochen seine Leidenschaften sind.

Da ist es nicht verwunderlich, dass am 22. Oktober das nächste Format Premiere feiert: der Mahlzeit-Gottesdienst „Zsamm samma“, mit einem Tischlein-Deck-dich-Buffet, Musik und munterem Beisammensein.

Mehr Gruppen und Projekte nach Umbau in der Auferstehungskirche im Westend

Mehr Platz für Bestehendes und Neues wird es im „Kraftwerk“ geben: Neben der Kirche, dort wo jetzt das Gemeinde- und Pfarrhaus steht, soll ein neues Gebäude entstehen. Ein sechsstöckiger Hochbau, der mit einem zweigeschossigen Zwischenbau mit der Kirche verbunden wird. Mit Arbeits- und Wohnflächen für die verschiedenen kirchlich-diakonischen Einrichtungen.

Denn auch weitere Projekte sollen ins neue Zentrum mit einziehen (siehe Kasten). Es ist geplant, mindestens in den ersten zwei Etagen Arbeits- und Versammlungsräume zur öffentlichen Nutzung für die beteiligten Akteure und Gruppen zu schaffen. Auch ein öffentliches Café soll dort untergebracht werden.

Mehrere Projekte und Gruppen sollen in der neuen Auferstehungskirche Platz finden.
Mehrere Projekte und Gruppen sollen in der neuen Auferstehungskirche Platz finden. © Visualisierungen: Volker Staab Architekten

Beauftragt für die Umsetzung ist das Architekturbüro Volker Staa aus Heidelberg, welches auch das neue Naturkundemuseum Biotopia plant. Die Bauvoranfrage ist bereits positiv beschieden. „Im Juli wurde der Vorentwurf vorgestellt. Die Kostenschätzung beträgt rund 20 Millionen Euro.

Es wäre wunderbar, wenn sich ein Sponsor finden würde. Es wäre sicher eine gut angelegte Investition“, bemerkt Berger. Aktuell befasse man sich vor allem mit der Finanzierungsplanung, bevor der Bauantrag gestellt werden kann. „Ich hoffe, wir können Ende 2024 mit dem Bauen anfangen.“

Vermutlich ein Jahr lang werde die Kirche selbst geschlossen sein. „Wir gehen dann zu den Katholiken nach St. Rupert, aber auch ins Viertel. Es ist eine interessante Herausforderung und bietet die Möglichkeit, rauszugehen.“

Die Bauzeit betrage eineinhalb bis zwei Jahre. Dass Berger das Endergebnis als angestellter Pfarrer der Gemeinde erleben wird, ist aber unwahrscheinlich. Eigentlich würde er 2024 mit 66 Jahren in den Ruhestand gehen. Doch: „Wir haben ihn bis Sommer 2025 rausgezögert“, verrät der Pfarrer.

Wer außerdem beteiligt ist

Mehrere Partner und Projekte bringen sich im „Kraftwerk Westend“ ein und sollen zum Teil auch künftig einziehen:

• Die ambulante Pflegeeinrichtung „Diakoniestation Westend“ unter Trägerschaft des Evangelischen Vereins Westend.

• Das Familienzentrum „Treffam“ (Treffpunkt Familie International), das seinen Sitz bislang an der Tübinger Straße 11 hat. Dort werden speziell Familien mit kleinen Kindern nach ihrer Ankunft in München beraten und unterstützt.

• Mehrere Institutionen aus dem Griechischen Haus an der Bergmannstraße 46: das Bistro des „Cafe Philoxenos“ aus dem Migrationszentrum. Außerdem die „Stiftung Wings of Hope“, die mit von Krieg traumatisierten Menschen arbeitet. Ebenso der „Verein für kindliche Mehrsprachigkeit“ mit seinem Programm „Kikus“.

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