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Bilanz des Projekts „Sichere Wiesn“ in München ‒ Mehr Frauen und Mädchen suchen Hilfe auf

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Von: Kristina Beck

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Zwei Frauen im Regen auf der Wiesn
„Sichere Wiesn“: Projekt bietet Frauen in Notlagen eine sichere Anlaufstelle. © Sebastian Gollnow/dpa

Wie sicher ist das Oktoberfest für Mädchen und Frauen? Das Projekt „Sichere Wiesn“ zieht Bilanz: Mehr Besucherinnen suchten das Safe Space auf. Das sind die Gründe...

Fast drei Wochen lang die düstere Welt hinter sich lassen: Die Wiesn ist für viele das Jahresereignis. Während der Besuch für die meisten an positive Erinnerungen geknüpft ist, werden ihn nicht wenige Mädchen und Frauen wohl nicht mehr so leicht vergessen. Sie sind alle in eine Notlage geraten und haben das Safe Space des Projektes „Sichere Wiesn“ aufgesucht.

In diesem Jahre wollten sogar 43 Prozent mehr Wiesn-Besucherinnen Unterstützung als 2019. Die gestiegene Nachfrage für die Organisatorinnen AMYNA e.V., IMMA e.V. und die Beratungsstelle Frauennotruf München nach eigenen Angaben vor allem auf die intensive Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit im Vorfeld und während der Wiesn zurück.

„Sichere Wiesn“ in München: Anlaufstelle für Mädchen und Frauen

40 von der insgesamt 426 Frauen (2019: 299 Personen) waren von sexueller oder körperlicher Gewalt auf der Festwiese betroffen. 30 Mädchen suchten die Räumlichkeiten auf, weil sie sexualisierte Gewalt erlebt hatten. Dazu zählten Grapschereien, Fotografieren unter Röcken oder Kleidern, unerwünschte Küsse und sogar schwere sexuelle Übergriffe.  

+++ Sexuelle Belästigung ist Alltag für viele Frauen – das belegen auch die gestiegenen Zahlen in München. Fast ein Drittel ist unter 18 Jahren. +++

In 32 Fälle benötigten die Betroffenen Unterstützung, weil bei ihnen andere psychische Krisen Auslöser für den Beratungskontakt waren. Hierbei handelte es sich zum Beispiel um erlebte sexuelle Gewalt in der Vergangenheit, sexuellen Missbrauch in der Kindheit oder psychiatrische Vorerkrankungen.

Frauen auf dem Oktoberfest ‒ Wie sicher ist der Heimweg?

Viele haben die Hilfe bei einem sicheren Nach-Hause-Weg beansprucht. Fast ein Drittel suchte die Notstelle auf, weil sie ihre Begleitung verloren hatte.

Auch Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch war ein Grund für das Aufsuchen des Safe Space. In sechs Fällen bestand der Verdacht auf die unwissentliche Einnahme von K.-O.- Tropfen.

Fast die Hälfte kam aus anderen Gründen auf die Hilfskräfte zu: zum Beispiel aus Überforderung wegen der Größe der Veranstaltung und der Menschenmenge oder Miterleben von Gewalt.

Frauen auf der Wiesn: Wer beansprucht die Hilfe?

Auffällig ist, dass rund 45 Prozent der Betroffenen aus München und dem Umland kamen, wie die Betreiber des Safe Space berichten. Touristinnen aus dem Ausland, die in der Vergangenheit meist etwa die Hälfte aller Klientinnen stellten, waren dieses Jahr zu nur 28 Prozent vertreten. Die übrigen Hilfesuchenden stammten aus anderen Teilen Deutschlands. Etwa 80 Prozent der Klientinnen waren unter 30 Jahre alt – die älteste Frau war 70, das jüngste Mädchen 14 Jahre alt.

Die Aktion „Sichere Wiesn“ gibt es bereits seit 2003. Das Projekt setzt sich gegen Opferbeschuldigung und sexualisierte Gewalt ein und bietet Betroffenen eine Anlaufstelle. Im Vordergrund steht dabei die, von Fachberatern und Ehrenamtlichen geleistete, erste Unterstützung vor Ort.

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