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Alles Wissenswerte über den Braunbären aus Garmisch-Patenkirchen

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In Garmisch-Patenkirchen ist ein Braunbär aufgetaucht (Symbolbild).
In Garmisch-Patenkirchen ist ein Braunbär aufgetaucht (Symbolbild). © Bodo Schackow, dpa

In Bayern wurde ein Bär entdeckt. Eigentlich wurden die Tiere vor Jahrzehnten ausgerottet. So sollen sich Wanderer verhalten, wenn sie auf ein Exemplar treffen.

München/Garmisch-Patenkirchen - Im Landkreis Garmisch-Patenkirchen ist ein Braunbär gesichtet worden. Doch Ausflügler aus München müssen sich keine Sorgen machen. „Der Bär verhält sich im Endeffekt genauso, wie man das gerne hätte: Er meidet alles, was mit Zivilisation zu tun hat“, sagt Christian Scheuerer, Bürgermeister von Ohlstadt, wo der Bär in die Fotofalle tappte. Auch das Landesamt für Umwelt (LfU) unterstreicht, der Bär sei bisher unauffällig.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Das steht auf dem Speiseplan der Bären

Bären sind Allesfresser. Zu 75 Prozent ernähren sie sich aber von Pflanzen - und haben somit nicht so oft Appetit auf Schafe, Ziegen oder Hühner. Und solange sie nicht lernen, dass es bei Menschen etwas zu fressen gibt, bleiben sie fern.

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Dass ein Bär sich dennoch nicht nur wie ein netter Teddy benimmt, hat der Bär Bruno vor 16 Jahren gezeigt. Er fraß Schafe, stahl Honig, plünderte Hühnerställe, lief durch Orte - und drohte damit Menschen gefährlich zu werden. Das begründete die Abschussgenehmigung für das geschützte Raubtier.

Tipps für die Begegnung mit einem Bären

Sollten Wanderer oder Ausflügler dennoch auf einen Bären treffen, empfiehlt das Landesamt für Umwelt (LfU): „Bleiben Sie stehen und machen Sie den Bären durch ruhiges Sprechen und langsame Armbewegungen auf sich aufmerksam.“ Man solle nicht wegrennen und auch nicht versuchen, ihn zu vertreiben. „Behalten Sie den Bären im Auge und treten Sie langsam und kontrolliert den Rückzug an. Lassen Sie dem Bären in jedem Fall eine Ausweichmöglichkeit.“

Eine Fotofalle hielt den Besuch des Braunbären fest.
Eine Fotofalle hielt den Besuch des Braunbären fest. © picture alliance/dpa/Privat

Und wenn der Bär tatsächlich angreift: „Legen Sie sich bäuchlings flach auf den Boden oder kauern Sie sich auf den Boden, die Hände im Nacken. Wenn vorhanden, schützt so Ihr Rucksack den Rücken. Der Bär wird in der Regel von Ihnen ablassen oder Sie nur beschnuppern. Verharren Sie in Ihrer Position und warten Sie ab, bis sich der Bär weit genug entfernt hat.“

Das Landesamt für Umwelt ruft Wanderer auf, keine Essensreste in der Natur zurückzulassen und auch nicht auf die Suche nach dem neuen Bären zu gehen.

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Bären in Deutschland seit 1835 ausgerottet

In Deutschland hatten die Menschen Bären und Wölfe schon vor langer Zeit ausgerottet. 1835 wurde in Ruhpolding der letzte Braunbär in Deutschland erschossen, wenig später ging es dem letzten Wolf ans Fell. Wölfe sind inzwischen wieder in Deutschland heimisch.

Eine große Population von mehr als 900 Bären, aber auch Wölfe und Luchse, leben laut der Umweltstiftung WWF in Slowenien. Die zu Deutschland nächste größere Bärenpopulation lebt im italienischen Trentino etwa 120 Kilometer von Bayern entfernt. Dort gibt es derzeit etwa 60 Bären.

Wiederansiedelung in Österreich scheiterte

Ein Wiederansiedelungsversuch von Bären Anfang der 1990er Jahre im Osten Österreichs scheiterte. Die Population umfasste zwar zeitweise sogar mehr als 20 Tiere. Vor gut zehn Jahren war sie dann spurlos verschwunden. Inzwischen leben in der Gegend wieder ein paar eingewanderte Tiere.

Einzelne Bären aus Italien oder Österreich könnten auch nach oder durch Bayern wandern, sagt ein LfU-Sprecher. Aber: „Anders als beim Wolf ist aufgrund fehlender Weibchen nicht davon auszugehen, dass sich ein dauerhaftes Bärenvorkommen in Bayern etablieren wird.“ Zudem seien die Lebensräume, die in Bayern für Bären in Frage kämen, deutlich eingeschränkter.

Skigebiete, Straßen und Schienen begrenzen Rückzugsräume für Bären

Auch der WWF-Experte Moritz Klose sagt: „Wenn es viele Siedlungen und Straßen oder auch Skigebiete gibt, sind das Faktoren, dass sich Bären eher nicht niederlassen.“ Sie brauchen Rückzugsräume vor allem für die Winterruhe. Auch Flüsse wie der Inn, Autobahnen und Schienen mögen beigetragen haben, dass nach JJ1 - der wissenschaftliche Name von Bruno als Erstgeborener von Vater Jose und Mutter Jurka - nur selten Bären nach Bayern gelangt sind.

Zuletzt war vor etwa zwei Jahren ein Braunbär in Bayern unterwegs. Ob er derselbe ist, der nun fotografiert wurde, ist offen. Noch suchen LfU-Experten in der Region nach Kot und Fellspuren des „Neuen“. Per DNA-Analyse ließe sich damit konkret bestimmen, woher das Tier stammt - und ob es doch schon einmal auffällig geworden ist. Unklar ist bisher auch, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Meist wandern jedoch die halbwüchsigen Männchen.

dpa

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