Neubauprojekt einer Baugenossenschaft

Diskussion in Pasing: Wohnraum versus Heimatgefühl

Christian Schilling, Gabriele Wagner-Schilling (Mitte) und Hannelore Hölscher wollen ihre Idylle an der Benendikterstraße in Pasing erhalten.
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Christian Schilling, Gabriele Wagner-Schilling (Mitte) und Hannelore Hölscher wollen ihre Idylle an der Benendikterstraße in Pasing erhalten.

Um 70 neue Wohnungen zu bauen, sollen zwei alte Häuser an der Benedikterstraße in Pasing weichen. Der BA will Ensembleschutz prüfen. Welche Argumente Gegner und Befürworter haben 

Pasing - Die Wohnungsnot in München lindern oder ein historisches Ensemble erhalten – darum dreht sich eine Diskussion in Pasing. Die Heimstättenbaugenossenschaft will zwei Häuser mit sieben Parteien an der Benedikterstraße im Osten Pasings abreißen und durch einen Gebäudekomplex mit 60 bis 70 Wohnungen ersetzen. Dagegen wehren sich nun die derzeitigen Bewohner.

Erhalt der Gartenstadt Pasing oder Schaffung von Wohnraum

Ein grünes Paradies haben sich die Bewohner der Benedikterstraße in Pasing geschaffen.

Die Häuser stehen in einem idyllischen Garten mit Nistmöglichkeiten für Vögel und Insektenhotels. Auf der Wiese hat Christian Schilling für die Bienen Stauden und Wildblumen eingepflanzt. „Wir versuchen seit Jahren, den Garten ökologisch zu gestalten“, sagt er. Die Neubauten würden das Ende für ihr „Paradies“ bedeuten, kritisieren er und seine Frau Gabriele Wagner-Schilling.

Christian Schilling und Gabriele Wagner-Schilling haben sich zwei Enten gekauft, die in ihrem Garten herumlaufen.

„Wir sind außerdem der Meinung, dass die Häuser eine historische Bedeutung haben“, ergänzt Wagner-Schilling. Sie seien vor fast 100 Jahren gebaut worden und mit ihren großen Gärten charakteristisch für die Gartenstadt Pasing. „Wir sind der Meinung, dass die Stadt mehr braucht als immer neue Betonbauten. Auch das alte Pasing muss sichtbar bleiben.“

Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Tobias Mösmang, meint dagegen: „Es besteht eine große Nachfrage nach zeitgemäßem und günstigem Wohnraum. Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder vorrangig durch eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung.“ Das Grundstück an der Benedikterstraße biete Potenzial für ein Vielfaches an modernen Wohnungen.

Sanierung der Häuser an der Benedikterstraße in Pasing unwirtschaftlich

Ein Gutachten habe zudem gezeigt, dass die Bestandsgebäude an der Benedikterstraße „am Ende ihrer Lebenszeit“ angekommen seien. Eine Sanierung sei unwirtschaftlich. Deshalb habe sich die Genossenschaft entschieden, einen neuen Gebäudekomplex mit 60 bis 70 barrierefreien Wohnungen zu bauen. Den derzeitigen Mietern würden für die Bauzeit Ersatzwohnungen angeboten.

Hoffnung auf Ensembleschutz für Häuser an der Benedikterstraße

Doch davon wollen die Bewohner nichts wissen. Edeltraut Rösler (89) wohnt seit 64 Jahre an der Benedikterstraße. „Pünktlich zum 90. Geburtstag soll sie jetzt ausziehen“, kritisiert ihre Tochter Hannelore Hölscher.

Die Nachbarn hoffen nun, dass die Gebäude wie beispielsweise der Dorfkern Aubing unter Ensembleschutz gestellt werden. Mösmnag wendet zwar ein, dass ein Denkmalschutz bereits 2016 abgelehnt worden sei, dennoch forderte der Bezirksausschuss bei acht Gegenstimmen eine erneute Prüfung.

Preisgünstige Wohnungen oder Erhalt der Heimat

Einigkeit bestand darüber im Gremium allerdings nicht. „Die preiswerten Wohnungen, die dort entstehen würden, sind notwendig“, meinte Christian Müller (SPD). Winfried Kaum (CSU) sagte: „Ich bin ohne Wenn und Aber für dieses Bauvorhaben. Doch wenn die Häuser unter Ensembleschutz gestellt werden, entstehen dort keine preisgünstigen, behindertengerechten Wohnungen. Wir alle haben im Wahlkampf gesagt, wir wollen bezahlbaren Wohnraum.“

Maria Osterhuber-Völkl (CSU) sprach sich für den Erhalt aus: „Für mich ist das Pasing. Wir haben so viele seelenlose Bauten in den vergangenen Jahren dazubekommen. Natürlich brauchen wir Wohnraum, aber wir brauchen auch Identität, Heimat und Lebensgefühl.“ Auch Hans-Joachim Kilian (Freie Wähler/ÖDP) mahnte, dass bei einem Abriss ein „schützenswertes und unwiederbringliches Stück“ Pasings verloren ginge.

Kompromiss: Ensembleschutz und Neubau an der Benedikterstraße

Constanze Söllner-Schaar (SPD), Andreas Bergmann (Grüne) und Sven Wackermann (CSU) plädierten ebenfalls dafür, den Ensembleschutz prüfen zu lassen. Sie können sich aber auch unabhängig vom Ergebnis einen Neubau im Osten vorstellen. „Man kann auch in einem geschützten Ensemble nachverdichten“, erklärte Bergmann. Nun ist die Stadt am Zug.

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