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Nassauskiesung am Hochbirket genehmigt - Umweltschützer bangen um das Grundwasser und die Verfüllung der Grube

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Die Nassauskiesung in der Grube „Im Hochbirket“ ist schon deutlich sichtbar.
Die Nassauskiesung in der Grube „Im Hochbirket“ ist schon deutlich sichtbar. © Bund Naturschutz

Im Forst Kasten im Würmtal wird nass ausgekiest. Der Bund Naturschutz befürchtet, dass dadurch das Grundwasser bedroht sein könnte. Die Antwort der Gemeinde:

PLANEGG/NEURIED Türkisblau schimmert das Wasser. Die Rede ist aber nicht von der Südsee, sondern von der Grube „Im Hochbirket“ im Forst Kasten, in der seit Kurzem nass ausgekiest wird. Heißt konkret: Seitdem fördert das Gräfelfinger Unternehmen Glück den Rohstoff auch im Bereich des Grundwassers. „Insgesamt können dadurch zusätzlich circa 166 000 Kubikmeter wertvoller Rohkies für die Aufbereitung gewonnen werden“, teilt die Firma mit.

Die zusätzliche Tieferlegung der seit 1991 bestehenden Kiesgrube hat das Landratsamt am 6. Oktober genehmigt. Der Bauausschuss der Gemeinde Planegg hatte dem Vorhaben bereits im April 2021 einstimmig zugestimmt. Die „vollständige Ausnutzung einer bereits bestehenden Grube“ sei einer Neuanlage vorzuziehen, heißt es im damaligen Beschluss. Außerdem war ein hydrogeologisches Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass es zu keiner nachteiligen Veränderung der Grundwasserreinheit führen würde.

Kiesabbau im Forst Kasten: BN äußert Zweifel am Gutachten

Das zweifeln Umweltschützer aber an: „Die Firma Glück hat das Gutachten selbst beauftragt“, sagt Malwina Andrassy von der Würmtal-Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN). „Eigentlich sollte eine Gemeinde ihre Entscheidungen auf Basis neutraler Informationen treffen“, fordert sie. So sei in dem Gutachten nicht berücksichtigt, ob Grundwasser in benachbarte, bereits wiederverfüllte Gruben eindringen und dort verunreinigt werden könnte, mahnen der BN und das Grünzug-Netzwerk Würmtal in einem gemeinsamen Schreiben. Man werde das Gutachten aber noch genauer prüfen, verspricht Andrassy.

Eine weitere Sorge: dass die Grube nie wieder verfüllt wird. Einst sollte dort bis 2008 Kies abgebaut werden. Das ist längst Geschichte. Nun teilt das Unternehmen Glück mit: „Die Kiesgewinnung wird bis zum 30. September 2024 und die gesamte Verfüllung, Rekultivierung und Aufforstung bis zum 30. September 2030 abgeschlossen sein.“ Verfüllt werde gemäß den Auflagen „im Nassbereich mit unbedenklichem Bodenaushub sowie im Trockenbereich mit einem Gemisch aus Boden und Bauschutt“.

Unbedenklicher Bodenaushub sei aber nur schwer zu bekommen, betonen die Kritiker und verweisen auf die „Richtlinien für Anlagen zur Gewinnung von Kies, Sand, Steinen und Erden“ der Bayerischen Staatskanzlei. Dort heißt es: „Da geeignetes Verfüllmaterial in der Regel in ausreichender Menge nicht zur Verfügung steht, sollen entstandene Seen belassen werden.“ Daher bezweifeln die Naturschützer, dass die Auflage überhaupt eingehalten werden kann.

BN-Neuwahlen

Die Würmtal-Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) hat einen neuen Vorstand gewählt: Die bisher kommissarische Leiterin Malwina Andrassy aus Neuried wurde jetzt offiziell zur Vorsitzenden bestellt. Ihre Stellvertreterin ist die Planeggerin Astrid Pfeiffer. Die Neuwahl war nötig geworden, nachdem im November 2021 zwei Vorstandsmitglieder im Streit um die Erweiterung des Gewerbegebiets Steinkirchen zurückgetreten waren (Hallo berichtete).

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