Nazi-Party in Obermenzing geplatzt

Polizei nimmt Neonazi Wiese in Gewahrsam

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Der frühere Nazi-Terrorist Martin Wiese stürmte auf die Gegendemonstranten um CSU-OB-Kandidat Josef Schmid zu – dann griff die Polizei ein.

München - Die Polizei hat den verurteilten Rechtsextremisten Martin Wiese am Rande einer Halloween-Party in München kurzfristig in Gewahrsam genommen. Offenbar handelte es sich um eine angemeldete Neonazi-Versammlung.

Er sollte wohl der Star des Abends werden: Martin Wiese (37), der wegen eines geplanten Bomben-Attentats auf das Jüdische Gemeindezentrum zu sieben Jahren Knast verurteilt worden war, marschierte zu einer gespenstischen Neonazi-Party in Obermenzing. Doch ehe er die berüchtigte Wohngemeinschaft an der Carl-Hanser-Straße erreichte, zog ihn die Polizei aus dem Verkehr! Den wenigen anwesenden Rechtsextremisten sagten die Veranstaltung ab.

In dem Haus mit vergitterten Fenstern und Alarmanlage auf dem Dach geben sich Nazi-Größen die Klinke in die Hand. Auch einer der Angeklagten im NSU-Prozess, André E. (34), hat hier Unterschlupf gefunden. Zoff gab es bereits im Juli, als Nazi-Größen vom „Freien Netz Süd“ ein Grillfest veranstalteten. Seither steht ein Partyzelt im Garten. Vor dem eisernen Gartentor warteten zwei Typen – einer mit Werwolf-Fratze, der andere mit zugepflasterter Nase – auf ihre Gäste für das angekündigte „Samhain-Fest der Toten und der Anderswelt“.

Der Spuk blieb jedoch aus. Das lag erstens an der Polizei, die mit rund 50 Beamten vor den Zuwegen strenge Kontrollen durchführte. Zweitens mussten die Nazis an einem Spalier schweigender Gegendemonstranten vorbei. Richard Roth, SPD-Fraktionssperecher im Bezirksausschuss, hatte die Demo kurzfristig angemeldet. Etwa 50 Bürger und Politiker aller Parteien, darunter auch der OB-Kandidat der CSU, Josef Schmid, reihten sich ein.

Etwa 35 Antifa-Aktivisten versuchten unterdessen lautstark, die im Garten vorbeihuschenden Nazis über den Zaun hinweg zu provozieren. Neonazi Martin Wiese stieg aus dem Auto und stürmte auf die Gruppe zu. Zu einer Schlägerei kam es aber nicht, dafür sorgte die Polizei. Diese nahm den 37-Jährigen in „Schutzgewahrsam“. Polizeisprecher Werner Kraus: „Als sich gegen 21 Uhr alle Personen aus dem linken Spektrum von dem Anwesen entfernt hatten, wurde er wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Er ging nicht mehr auf die Veranstaltung, sondern entfernte sich ebenfalls.“

Ein Nachbar zur tz: „Wir haben die Nase voll von den Nazis. Ich hoffe, dass die bald wieder wegziehen.“

Eberhard Unfried

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