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Hammer reißt sich die Schranne unter den Nagel

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Hans Hammer.

München - Im Kampf um die Schrannenhalle ist aus dem Nichts ein Investor aufgetaucht: Der Münchner Immobilien-Unternehmer Hans Hammer hat das Erbbaurecht erworben. Baulöwe Günther Karl ist entsetzt: Er wollte selbst Schrannen-Inhaber werden – und ist entschlossen, zu kämpfen.

Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche: Wer übernimmt die Schrannenhalle? Wer riskiert es, das bisherige Pleite-Unternehmen ganz neu aufzuziehen? Jetzt erfuhr die tz: Es ist der Münchner Bauingenieur Hans Hammer. Seine Firma – die Hammer AG – hat am Donnerstag über Tochterfirmen das Erbbaurecht an der Halle im Herzen der Stadt erworben.

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Die Schrannenhalle – sie hat also endlich neue Chefs. Klaus Thannhuber, dessen Firma „Schrannenhalle KG“ zuvor das Erbbaurecht besaß, spielt somit keine Rolle mehr. Und schon nächstes Jahr soll in dem riesigen Bau ein frischer Wind wehen. „Das ehemalige Vorzeigeprojekt Schrannenhalle ist leider deutlich angeschlagen“, sagt Hans Hammer (37). „Aufgrund ihrer Geschichte und ihres Standorts verdient und braucht sie aber einen erfolgreichen Neubeginn. Nichts weniger als das wollen wir 2010 erreichen.“ Was sich im Inneren der Halle verändern soll – dazu haben die Geschäftsleute auch schon ihre Konzepte. „Erstmal wollen wir aber erreichen, dass etwas Ruhe einkehrt und wir unsere Arbeit machen können“, so Wolfgang Müller, Vorstand der Hammer AG. „Vorab sei nur soviel gesagt: eine Partyhalle ist nicht geplant.“ Zudem ginge es ja auch darum, dass das neue Konzept allen gefalle – den Münchnern, den Anwohnern und auch der Stadtspitze.

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Daher müsse man noch einige Gespräche mit Beteiligten führen. Unter anderem natürlich auch mit den Gläubigern der Pleitehalle – vor allem mit dem niederbayerischen Bauunternehmer Günther Karl. „Wir müssen eine Lösung für deren berechtige Forderungen finden“, erklärt Hans Hammer, der an der TU München Bauingenieur studierte. Karl ist jedoch geschockt von der neuen Entwicklung. „Das ist eine Hiobsbotschaft“, sagte er unserer Zeitung. Der Verkauf des Erbbaurechts sei gelaufen, ohne dass man ihn informiert habe. Dabei ist er inzwischen Hauptgläubiger der Schrannenhalle, wie er nun offiziell bestätigt. „Ich habe sämtliche Forderungen, die die Deutsche Bank an die Schrannenhalle hatte, aufgekauft.“ Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach um einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Forderungen hatten sich angehäuft, nachdem die Schrannenhalle KG Bankkredite nicht mehr bedienen konnte.

Eine Investition, die Karl nicht ohne Grund tätigte: „Ich wollte Inhaber der Schrannenhalle werden.“ Und der Bauunternehmer will sich auch jetzt nicht so leicht geschlagen geben. „Ich werde umgehend einen Insolvenzantrag gegen die Schrannenhalle KG stellen.“ Mit diesem Schritt gegen Thannhuber will er verhindern, dass dessen Vertrag mit Hans Hammer zur Geltung kommt. „Die können sich auf einen langen Streit gefasst machen!“ Sollte Hammer sich durchsetzen, würde allerdings ein waschechter Münchner Chef der Schrannenhalle.

Seit über 50 Jahren ist die Familie Hammer nun schon im Immobiliengeschäft tätig – mit mittlerweile rund 80 Mitarbeitern. Doch Hammers Interessen und Beschäftigungen sind vielfältig: Er ist zudem Schatzmeister der Münchner CSU und kandidierte bereits für den Stadtrat. Obendrein ist Hammer laut Homepage der Hammer AG Honorarkonsul der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka für Bayern.

Für den Kauf der Schranne wurde sogar eine eigene Firma gegründet – die Hammer Hallen GmbH. Hans Hammer ist davon überzeugt: „Mit viel Fleiß und Ruhe bekommen wir das Ding wieder zum Laufen. Leider ist schon sehr viel kaputt gegangen. Bisher stand die Schranne immer für Chaos. Das werden wir ändern.“

Armin Geier

Die Geschichte der Schranenhalle

Die Schrannenhalle in München (der offizielle Name war Maximilians-Getreide-Halle) wurde von 1851 bis 1853 von Karl Muffat als Getreidehalle erbaut – am Rande des Viktualienmarktes.

Mit Schranne bezeichnete man damals einen Getreidemarkt.

Die Halle war der erste Bau in Eisenkonstruktion in München. Ihr Ende konnte das aber auch nicht verhindern: Zwischen 1914 und 1927 wurden Teile der Halle demontiert. 1932 ging ein weiterer Teil durch einen Brand verloren.

Ab Juli 2003 wurde die Schranne – nach langer Diskussion über Form und Farbe – wieder aufgebaut und am 5. September 2005 wiedereröffnet – mit vielen kleinen Geschäften im Inneren. Doch der Laden lief nicht. Immer mehr Unternehmer machten pleite, zudem wurde dem Hallen-Chef Klaus Thannhuber ein „Kulturverfall“ vorgeworfen. Dazu kamen noch Anklagen wegen Betrugs. 2009 wurde dann eine Zwangsversteigerung der Halle angeordnet.

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