Handys, USB-Sticks, Drogen in Stadelheim

Dieser Wachtmeister schmuggelte für Knackis

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Der Justizvollzugsbeamte Thomas L. auf dem Weg zur Anklagebank: Ihn erwartet eine hohe Haftstrafe, aus dem Staatsdienst wird er nach dem Urteil gefeuert

München - In Stadelheim gab’s für Häftlinge alles, was verboten ist: Handys, USB-Sticks für den Computer, Drogen. Ein Wachtmeister machte mit den Knackis gemeinsame Sache. Jetzt steht er vor Gericht.

In Stadelheim gab’s für Häftlinge alles, was verboten ist: Handys, USB-Sticks für den Computer, Drogen. Eine Clique türkischer Rauschgift-Gangster konnte damit Geschäfte hinter Gittern weiterführen. Und: Der Justizvollzugsbeamte Thomas L. (37) machte mit den Knackis gemeinsame Sache, er schmuggelte Ware gegen Schmiergeld in den Knast! Dafür muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Dem kriminellen Beamten waren die Ermittler über Umwege auf die Schliche gekommen: Bei einer Telefonüberwachung (es ging um einen Totschlag) wunderten sich die Polizisten, dass ein bereits inhaftierter Verdächtiger von seiner Zelle aus telefonieren konnte. Bei einer Razzia im Untersuchungsgefängnis staunten die Beamten: Sie fanden reihenweise Handys und Laptops mit Internet-Verbindung. Bestens ausgerüstet war auch ein türkischer Drogenbaron, der jetzt in Straubing eine siebenjährige Haftstrafe absitzt.

Die Ermittlungen konzentrierten sich auf vier JVA-Beamte, gegen die derzeit ein Strafverfahren läuft. Der schlimmste Fall, so Staatsanwalt Andreas Franck, ist der von Thomas L.

Der Beamte war bei der Polizei gewesen, entschied sich dann für eine Offizierslaufbahn. Nach acht Jahren Bundeswehr ging er dann zur Justiz.

Seine finanziellen Verhältnisse seien ein Desaster gewesen, sagt er: Autos, Reisen und angeblich eine Freundin, die das Geld mit vollen Händen ausgab. „Sie hat sich um die finanziellen Dinge gekümmert“, sagt er vor Gericht. Und: „Das Geld ist in irgendwelche Kanäle geflossen.“

Dass er klamm war, hätten auch die Gefangenen mitgekriegt. Einer von ihnen habe ihm einen Kredit von 50 000 Euro versprochen. In seiner Not habe er sich ködern lassen. Erst waren es nur zwei Handys, die er von einem Komplizen des Gefangenen entgegennahm und dann in den Knast brachte. Das war erst der Anfang. „Jedesmal wurde ich hingehalten, das ging ständig so weiter.“

Dass er für jeden Schmuggel auch Geld erhielt, erwähnt L. am Rande. Mal 150 Euro, mal auch ein Tausender. Er schaute auch nie genau hin, was in den Tüten, die er von den Komplizen erhielt, wirklich drin war. Richter Peter Noll entssetzt: „Es hätten auch Dinge sein können, die Leib und Leben Ihrer Kollegen gefährden.“

Verhaftet wurde L. am 14. Dezember. Trotz hoher Schulden hatte er kurz zuvor noch einen Audi A4 Avant für 31 450 Euro bestellt. Der Prozess geht weiter.

ebu

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