Letzter Tag in vielen Münchner Schlecker-Filialen

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Leere Regale in einer Münchner Schlecker-Filiale

Hannover - Für 2200 Schlecker-Filialen war dieser Samstag der letzte Tag. Auch in München sind viele Läden betroffen: die Liste der geschlossenen Filialen und die Bilder der vom Räumungsverkauf leergefegten Regale.

Rund 2.200 Schlecker-Filialen in ganz Deutschland hatten am Samstag zum letzten Mal ihre Türen geöffnet. Nach der Insolvenz der Drogeriemarktkette erwartet damit nun unmittelbar 9.500 Angestellte aus den Geschäften die Kündigung. Weitere Mitarbeiter aus den Warenlagern werden dann im April ihren Job verlieren. Insgesamt werden rund 11.200 Stellen abgebaut.

Letzter Tag in Tausenden Schlecker-Filialen

Letzter Tag in Tausenden Schlecker-Filialen: Räumungsverkauf sorgt für leere Regale

Die Kündigungsschreiben werden allerdings nicht vor Mitte kommender Woche verschickt. “Wir werden abwarten, bis der Finanz- und Wirtschaftsausschuss des baden-württembergischen Landtags getagt hat“, sagte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz. Der Ausschuss kommt am Mittwoch zusammen und soll über eine Lösung entscheiden, mit der die Länder einen Kredit der Förderbank KfW für die Gründung von Transfergesellschaften absichern sollen.

An ihrem letzten Arbeitstag sortiert Schlecker-Mitarbeiterin Angelika Elbershausen (54) an diesem Samstag in Hannover immer noch die Produkte in den Regalen. Kurz bevor die Filiale schließt, stehen da fünf Deodorants fein säuberlich aneinandergereiht, im Fach für Katzenstreu liegen drei Beutel gestapelt. Von jedem Produkt ist nur noch ein kläglicher Restbestand übrig. Elbershausen will nichts mehr sagen. Sie erlebt bereits die zweite Filial-Schließung bei Schlecker mit. “Wir machen unsere Arbeit hier bis zum Ende“, sagt ihre 58-jährige Kollegin Birgit Strahl. “Wie der Kapitän, der bis zum Schluss an Bord bleibt.“

Angelika Elbershausen und Birgit Strahl sind zwei der insgesamt 11.000 Schlecker-Beschäftigten, die vor der Entlassung stehen. In 2200 von 5400 Märkten gehen an diesem Samstag endgültig die Lichter aus. Genau wie die beiden Frauen hoffen nun viele Schlecker-Beschäftigte auf eine Transfergesellschaft, die sie für die nächsten Monate auffangen wird. Dort hätten sie die Chance, bis zu einem Jahr qualifiziert und in neue Jobs vermittelt zu werden. Doch die Entscheidung darüber soll erst in der kommenden Woche fallen.

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“Niemand hier weiß, wie es weitergehen wird“, sagt Zorica Konschack. Zehn Jahre lang habe sie bei Schlecker gearbeitet und die Arbeit gemocht. Am Ende habe sie gar kein Gefühl mehr gehabt. “Von unseren Stammkunden haben wir Blumensträuße bekommen“, erzählt sie. “Und von Schlecker wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Mittlerweile könne sie über die Situation nur noch lachen - anders sei sie nicht zu ertragen. Kurz vor ihrem letzten Ladenschluss schabt die 38-Jährige die Schlecker-Schilder von den Schaufensterscheiben. Danach verklebt sie die Fenster mit Geschenkpapier.

In dem Markt, in dem Tatjana Kofman (45) seit zwölf Jahren arbeitet, sind die Regale nach der letzten Rabatt-Aktion so gut wie leer gekauft. “Wie eine Beerdigung fühlt sich das an“, sagt sie und hat Tränen in den Augen. Ihr Sohn studiere, zusätzlich müsse sie ihr Haus abbezahlen. Als in den letzten Monaten immer weniger Ware geliefert worden sei, habe sie bereits geahnt, was ihr bevorstehe. “Von der Schlecker-Insolvenz hat mir dann mein Sohn erzählt. Es war ein Schock.“ Einige Kunden machten sich daraufhin lustig über sie, andere bekundeten Mitgefühl. Zwar werde sie sich sofort um eine neue Stelle bemühen, wisse derzeit aber nicht, wie es weitergehen solle.

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass die Entscheidung der Bundesländer über eine Bürgschaft für Transfergesellschaftenerneut vertagt wurde. “Jetzt bleibt abzuwarten, ob Baden-Württemberg allein in Vorleistung tritt“, meint ein Verdi-Sprecher. Zu den Schließungen am Samstag waren keine Protestaktionen geplant.

Protest bringe jetzt auch nichts mehr, findet eine 58-jährige Verkäuferin, die ihren Namen nicht nennen will. Nach fast zehn Jahren kenne sie viele der Kunden. Gerade die Älteren seien oft gekommen, um ein bisschen zu plaudern. “Das wird mir fehlen“, sagt sie. Auch deshalb tue es so weh, die Regale auszuräumen. Sie bezweifle, so kurz vor der Rente einen neuen Job zu finden. Eine Schlecker-Filiale werde sie jedenfalls nicht mehr betreten, auch nicht als Kundin. “Ich werde damit abschließen und dann ist für mich der Name Schlecker für immer gestorben.“

Auch viele Filialen in München und Oberbayern betroffen

Nach aktuellen Informationen sind 21 Filialen in München betroffen. Eine endgültige Liste wurde zunächst nicht bekannt. Nach dem Stand von vergangener Woche sollten folgende Läden in München und Oberbayern betroffen sein, möglicherweise wurden aber noch andere/weitere geschlossen.

Diese Filialen in München sollten (Stand vergangene Woche) geschlossen werden:

HERMANN-LINGG-STRASSE

WENDL-DIETRICH-STRASSE

SCHLEIßHEIMER STRASSE

KORBINIANSTRASSE

BLUTENBURGSTRASSE

GRILLPARZERSTRASSE

TEGERNSEER LANDSTRASSE

ALBERT-ROßHAUPTER-STRASSE

VIKTORIASTRASSE

FÜRSTENRIEDER STRASSE

SCHLIERSEESTRASSE

RIESENFELDSTRASSE

AM HARRAS

GIESINGER BAHNHOFSTRASSE

BAYERSTRASSE

LINA-HÄHNLE-STRASSE

ERZGIEßEREISTRASSE

JEAN-PAUL-RICHTER-STRASSE

ROSENTAL MÜNCHEN ZIELSTATTSTRASSE

Diese Filialen in Oberbayern sollten (Stand vergangene Woche) geschlossen werden:

Amerang Bahnhofstraße

Aschau im Chiemgau Kampenwandstraße

Aschheim Erdinger Straße

Baar-Ebenhausen Ingolstädter Straße

Bad Aibling Marienplatz

Bad Endorf (Markt) Bahnhofstraße

Bad Endorf (Markt) Gewerbegebiet

Bad Reichenhall Reichenbacherstraße

Bergen (Chiemgau) Bahnhofstraße

Dorfen Haager Straße

Eching, Kr. Freising Obere Hauptstraße

Feldkirchen-Westerham Ludwig-Erhard-Straße

Forstinning Mühldorfer Straße

Fürstenfeldbruck Theodor-Heuss-Straße

Geretsried Karl-Lederer-Platz

Gmund am Tegernsee Tegernseer Straße

Grabenstätt Marktstraße

Haar Am See

Haimhausen Hauptstraße

Hengersberg (Markt) Passauer Straße

Ismaning Münchner Straße

Karlsfeld Rathausstraße

Kiefersfelden Kufsteiner Straße

Kipfenberg (Markt) Bahnhofstraße

Kolbermoor Rosenheimer Straße

Kraiburg am Inn (Markt) Bahnhofstraße

Lenggries Bahnhofstraße

Miesbach Stadtplatz

Moosburg a. d. Isar Thalbacherstraße

Moosburg a. d. Isar Münchner Straße

Mühldorf a. Inn Stadtplatz

Neufahrn (Freising) Christl-Kranz- Straße

Neufahrn (Freising) Marktplatz

Neuötting Ludwigstraße

Ottobrunn Karl-Stieler-Straße

Penzberg Karlstraße

Planegg Münchner Straße

Prutting Rosenheimer Straße

Puchheim Lochhauser Straße

Reichertshofen (Markt) Marktstraße

Reit im Winkl Dorfstraße

Sauerlach Münchner Straße

Schliersee (Markt) Karl-Haider-Straße

Schongau Marienplatz

Schwallungen Hilderser Straße

Töging am Inn Wolfgang-Leeb-Straße

Unterhaching Münchner Straße

Unterschleißheim Bezirksstraße

Unterschleißheim Raiffeisenstraße

Wasserburg am Inn Ledererzeile

Zolling Am Sägewerk

Zorneding Birkenstraße

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