Alt-OB leidet an Parkinson

Hans-Jochen Vogel: So wünsche ich mir den Tod

+
Hans-Jochen Vogel

München - Hans-Jochen Vogel, beliebter Münchner Alt-OB und SPD-Legende, hat Parkinson! Lesen Sie hier die wichtigsten Auszüge aus dem Stern-Interview, in dem er sich über seine Krankheit äußerte.

Hans-Jochen Vogel, beliebter Münchner Alt-OB und SPD-Legende, hat Parkinson! Schon seit zwei Jahren leidet der 88-Jährige an der unheilbaren Schüttellähmung. Seine engsten Freunde und die Familie wussten davon, jetzt hat er in einem äußerst bewegenden Stern-Interview erstmals öffentlich darüber geredet.

Offen und ehrlich spricht er darin über die Nervenkrankheit, den Tod, das Leben, Sterbehilfe und seine Frau Liselotte (87). Mit ihr lebt der ehemalige Bundesjustizminister seit acht Jahren im Altersheim Augustinum am Stiftsbogen – seine letzte Station auf Erden, wie er es selbst sieht. Das sagt Hans-Jochen Vogel …

… über Parkinson: „Das Zittern habe ich noch unter Kontrolle, aber es wird wohl unvermeidlich stärker werden.“ Andere Symptome zeigten sich schon deutlicher: „Ich fühle permanent eine leichte Benommenheit. Beim Gehen fällt es mir schwer, die Richtung zu halten.“ Er stolpere häufiger, sein Namensgedächtnis sei nicht mehr so gut wie früher, seine Schrift werde kleiner und unvollständiger. Wenn ihm ein Name nicht einfalle, helfe ihm seine Frau.

Vogel redet sehr sachlich über seine Krankheit: „Warum soll ich klagen? Es würde ja doch nichts ändern.“ Er wolle anderen Erkrankten Mut machen, „indem ich ihnen zeige, dass man auch in diesem Zustand noch geraume Zeit ein selbstbestimmtes Leben führen kann“.

Er habe seine ganz eigene Art gefunden, mit der Krankheit umzugehen. „Park in der Sonne“ nennt er sie. Das klinge schöner.

… über den Tod: Beim Einschlafen habe Vogel zuletzt an den Tod gedacht. „Plötzlich schoss mir der Gedanke durch den Kopf: ‚Na, wie oft wirst Du wohl noch aufwachen?’“ Er wünsche sich „kurz, plötzlich und schmerzlos“ zu sterben. „Einfach nicht wieder aufwachen.“

Angst vor dem Ende habe er aber nicht. „Angst ändert ja nichts am Lauf der Dinge. Der Tod kommt trotzdem.“ Er habe nur „Angst vor einem schmerzhaften Sterbeprozess.“ Er habe gelernt, den Tod als einen selbstverständlichen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren. „Ich habe ein erfülltes Leben hinter mir,“ erzählt der Alt-OB, der München von 1960 bis 1972 regierte. Er zitiert den Bibelausdruck „lebenssatt’“: „Vom Leben gesättigt. So empfinde ich es auch.“ Für ihn gebe es ein Leben nach dem Tod. „Ich glaube daran, dass der Tod nicht der endgültige Schlusspunkt des menschlichen Lebens ist.“ Es gebe eine Art Gericht. „Man hat sich vor Gott zu verantworten.“ Ob er Angst vor diesem letzten Gespräch habe? Da zeigt Vogel seinen trockenen Humor: „Also, dem Herrgott gegenüber zu treten, ist ja wirklich kein alltägliches Ereignis.“

… über Selbstmord und Sterbehilfe: Sich selbst das Leben zu nehmen, komme für ihn nicht infrage. „Ich will dem Herrgott nicht vorgreifen. Das ist nicht meine Zuständigkeit.“ Jeder müsse „selbst entscheiden, ob er sein Leben, das ihm geschenkt worden ist, dahingeben will.“ Er sei auch gegen ärztliche Sterbehilfe. „Ein Arzt soll heilen, nicht töten. (...) Es entspricht meiner christlichen Überzeugung, dass das Leben in Gottes Hand liegt.“

… über seine Frau: Er habe keine Angst, vor seiner Frau gehen zu müssen, sagt Vogel. „Es ist genau umgekehrt. Ich habe Angst, dass meine Frau vor mir geht. Mir würde ein Stück meines eigenen Lebens fehlen.“ Als es um seine Gattin geht, steigen ihm beim Interview Tränen in die Augen. Ob er sich vor Einsamkeit fürchte? „Ja. Mein Gott, wir sind seit 42 Jahren verheiratet.“

nba

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare