CSU-Politiker sagt servus

Uhl macht nach 40 Jahren Schluss: So biss der schwarze Löwe zu

+
Verabschiedet sich nach vier Jahrzehnten aus der Politik: Der Münchner CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl hat viel erlebt.

Nach 40 Jahren in Politik ist für Hans-Peter Uhl in diesem Jahr Schluss. Der CSU-Abgeordnete hat so einige Reibereien erlebt, kann seinen Widersachern aber in die Augen schauen.

München - Er hat es weder sich noch seinen politischen Widersachern leicht gemacht. Jetzt hört der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (72) nach 40 Jahren mit der Politik auf. Die tz hat mit dem schwarzen Löwen über ein bewegtes Politikerleben gesprochen.

Seine Streitlust ist berühmt-berüchtigt. Sein Entschluss, in die CSU einzutreten, war auch eine Art Protest. „Ich wollte dem Protest der 68er etwas entgegensetzen“, erinnert sich Uhl. „Deren elitäre Arroganz hat mich furchtbar geärgert.“

Ude eine schwere Niederlage beigebracht

Ein besonderes Verhältnis pflegt Uhl zu Alt-OB Christian Ude. Dem hatte Uhl eine schwere Niederlage beigebracht, als er sich gegen ihn in der Wahl zum KVR-Chef durchsetzen konnte - obwohl SPD und Grüne damals eine Mehrheit hatten. „Wir begegnen uns immer freundlich und höflich“, sagt Uhl.

Mit Wohlwollen registriert er die neuen Töne des Alt-OB. „Ich lese mit Genuss, dass mein bester Freund Christian Ude ein Buch mit typischen Uhl-Inhalten geschrieben hat“, lacht der CSU-Mann.

Lesen Sie hier: Alt-OB Ude im Interview zu seinem neuen Buch: „Ich erlebe, wie enttäuscht Bürger von Parteien sind“ 

„Bei mir hätte es keine Seitentransparente als Sichtschutz für Kriminelle gegeben“

Elf Jahre lang stand Uhl an der Spitze des KVR - und galt als schwarzer Sheriff. „Bei mir gab es klare Regeln. Seitentransparente als Sichtschutz für Kriminelle bei Demos wie jetzt in Hamburg hätte ich nicht erlaubt.“

Nach 20 Jahren in München ging es 1998 nach Berlin. „Da habe ich mich erstmal unbeliebt gemacht in der Unionsfraktion.“ Denn bei der Vorstellung der Neuen in der Fraktion sagte er, dass der Einzug in den Bundestag nach elf Jahren an der Spitze des KVR eine Art sozialer Abstieg sei. „Die Anderen waren beflügelt davon, im Bundestag zu sein, und ich redete vom sozialen Abstieg“, schmunzelt er.

Lesen Sie hier: „Ehe für alle“: Unions-Politiker prüfen Verfassungs-Klage

„Musste nicht auf Teufel komm raus Karriere machen“

Tatsächlich gab ihm seine frühere Position und Erfahrung die nötige Gelassenheit, um in Berlin die eigene Meinung zu vertreten, auch wenn sie nicht auf Regierungslinie lag. „Ich hatte die Insignien der Macht elf Jahre lang inne, da müsste ein Bundestagsabgeordneter lange drauf hinarbeiten“, so Uhl. „Für mich war das ein Stück Freiheit, ich musste nicht auf Teufel komm raus Karriere machen.“

Jetzt will sich Uhl stärker auf seine Anwalttätigkeit konzentrieren - und endlich mal die Golfschläger benutzen, die er als Student in den 60ern gekauft hat. Was er seinem Nachfolger mit geben möchte? „Gar nichts. Er wird seinen eigenen Weg gehen. Wer glaubt, dass die nächste Generation auf Ratschläge wartet, macht sich lächerlich!“

Die Partei: Der Münchner Intrigantenstadl

Feind, Todfeind, Parteifreund - auf die Münchner CSU der späten 90er trifft diese sarkastische Steigerung durchaus zu. „Das war damals wirklich schlimm“, erinnert sich Hans-Peter Uhl - etwa an den OB-Wahlkampf, in dem der CSU binnen vier Monaten drei Kandidaten abhanden gekommen waren. „Dabei ging es überhaupt nicht um die Sache, keine politischen Lager, die sich bekämpft haben, sondern nur um persönliche Intrigen. Damals war die Partei gegenüber dem politischen Gegner handlungsunfähig, sie war ja ausschließlich mit sich selbst beschäftigt.“

Die großen Kontrahenten von einst kommen heute übrigens blendend miteinander aus. „Zu Peter Gauweiler habe ich heute ein völlig entspanntes Verhältnis“, sagt Uhl. Im Bundestag saßen die Beiden gar nebeneinander. „Wir waren da ein Duo wie Waldorf und Statler aus der Muppet Show und haben gegrantelt, wenn am Rednerpult junge Kollegen willfährig der Führung ihre Dienste angeboten haben um Karriere zu machen.“

Die Zeit im Bundestag: Querdenker und harter Hund

Im Bundestag hatte sich der CSU-Politiker schnell einen Namen als Querdenker gemacht. ­Einer, der zur Not auch die eigene Regierung nicht schont. Verschwindet dieser unabhängige Abgeordneten-Typ jetzt mit der Generation Gauweiler/Uhl aus dem Parlament? Uhl hat Hoffnung: „Natürlich gibt es gerade bei den jungen Kollegen den Typ, der schon mit dem Diplomatenkoffer auf die Welt gekommen ist. Aber auf der anderen Seite gibt es aber auch bei den Jungen Typen, die blitzgescheit und politisch wach sind und auch bereit sind, einmal nein zu sagen.“

Voraussetzung für diese politische Freiheit: „Wichtig ist es, einen bürgerlichen Beruf erlernt und ausgeübt zu haben. Denn nur dann hat man die Freiheit zu sagen: Freunde, ich kann auch was anderes machen und bin nicht abhängig von euch.“

Der Fall Mehmet: „Ich würde es wieder genauso machen“

Dieser Fall bewegte die Republik - und machte den damaligen KVR-Chef Hans-Peter Uhl bundesweit bekannt. 1998 war Uhl für die Ausweisung des Serienstraftäters „Mehmet“ verantwortlich. „Das würde ich immer wieder so machen - und ich würde heute viel schneller Recht bekommen“, meint Uhl. Dafür hat er selber im Bundestag die Grundlagen gelegt. „Die Erfahrung im Fall Mehmet hat dafür gesorgt, dass ich mich für erhebliche Gesetzesverschärfungen eingesetzt habe“, so Uhl. Als KVR-Chef wollte er auch die Eltern Mehmets in die Türkei ausweisen - das Verwaltungsgericht untersagte dies. „Ich habe damals schon gesagt, dass kein Mensch kriminell auf die Welt kommt“, so Uhl, deshalb wollte er die Eltern des damals 13-Jährigen in die Verantwortung nehmen. „Damals war das undenkbar“, erinnert sich Uhl.

Die Wiesn: Die Angst vor der Masse

Ein Privileg Uhls aus seiner Zeit als KVR-Chef: ein eigenes Wiesn-Büro. Doch das Oktoberfest war schon damals für das KVR auch heikel: „Die berühmte Zaundiskussion habe ich ja angestoßen“, erinnert sich Uhl. 1996 strömten acht Millionen Menschen aufs Volksfest. „Jetzt muss die Bremse gezogen werden“, forderte Uhl seinerzeit. „Überfüllung ist per se ein Sicherheitsrisiko - egal bei welcher Veranstaltung“, sagt Uhl heute. „Wie ist man da über mich hergefallen - und heute ist der Zaun Realität.“

Die größte Sorge bleibt eine mögliche Panik: „Stellen Sie sich bloß mal ein paar Drohnen vor, die an einem Samstag über die Wiesn fliegen und aus denen dann weißes Pulver gestreut wird. Selbst wenn es nur Mehl ist, bricht Panik aus.“

Eingezäunte Wiesn: Diese Neuerung hatte bereits Hans-Peter Uhl angeregt.

Marc Kniepkamp

Auch interessant

Meistgelesen

Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare