Hansastraße: Deutschlands größte Spielhölle geplant

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In dieser Halle, neben der bereits ein Casino Center betrieben wird, sollen auf 2000 Quadratmetern Spielautomaten aufgestellt werden.

München - Spielhallen auf 2000 Quadratmetern: Im Münchner Westen soll ein riesiges Spielerparadies entstehen. Anwohner fürchten das Megaprojekt an der Hansastraße.

Diese Frau ist die pure Gier: Blond und blauäugig, mit schönen Wimpern, starrt sie von einem überlebensgroßen Werbeplakat Passanten in der Hansastraße an und knabbert dabei an einem Spiel-Jeton. Hungrig wirkt das. Unersättlich. Und auch ein bisschen süchtig. Die Frau auf dem Plakat steht nicht zufällig dort. In einem Umkreis von 500 Metern stehen drei große Hallen voller Automaten – zwei in der Hansa-, eine in der Westendstraße. „Spielend gewinnen“ steht auf den abgeklebten Fenstern des Magic Casinos in der Hansastraße 18 – der Konkurrent Casino Center schräg gegenüber wirbt mit „23 Stunden geöffnet“.

Der Laden ist so groß wie sonst Supermärkte im Gewerbegebiet, darin verzocken Hunderte ihr Geld – manche wenig, manche alles. Jetzt will der Betreiber des Casino Center, die VGL GmbH aus Bochum, gleich nebenan einen vierten Zocker-Palast eröffnen; das berichtet Hallo München. Sollte die 2000 Quadratmeter große Halle genehmigt werden, stünde in Sendling-Westpark der größte Spielhallen-Komplex Deutschlands.

Die Menschen aus dem Viertel haben Angst vor diesen Plänen: „Die Spielhallen nutzen jeden kleinen Raum“, sagt Gerhard Bieder (55), „sobald ein Lokal frei wird, nisten die sich ein.“ Eine Passantin: „Die Hallen sind schrecklich. Die jungen Leute verzocken hier doch ihr ganzes Leben.“

Seit Jahren breiten sich Spielhallen in ganz München aus. Peter Seidel, Leiter der zuständigen Bezirksinspektion im Kreisverwaltungsreferat, zählt 201 Hallen – und es werden immermehr: „Es gibt pausenlos Interessenten“, sagt Seidel zu Hallo München. „In Sendling-Westpark ist die neue Halle derzeit der einzige Interessent, doch das kann sich stündlich ändern“, so Seidel.

Der geplante Standort in der Hansastraße beeindruckt selbst Seidel: „Das wäre ein Riesending“, sagt er – mahnt aber auch: „Da ist noch nichts entschieden, das Projekt ist politisch und juristisch sehr umstritten.“ Die Nutzungsänderung sei nicht erteilt, auch das KVR habe Bedenken, wegen der „bloßen Anzahl der Automaten, die hier stehen würden“.

Für die neue Halle spricht dagegen die Gewerbemischung in der Hansastraße: Hier stehen Büros, ein Bordell, das Sozialbürgerhaus und nur wenige Wohnungen – an solchen Orten werden leichter Spielhallen genehmigt.

Von Thomas Gautier

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