OB Ude holt scheidenden Sparkassenchef

Klinik: Jetzt legt Strötgen Hand an

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Hilft Pleite-Kliniken: Sparkassen-Boss Harald Strötgen (r.) mit OB Christian Ude

München - Der Ruhestand naht, aber die Arbeit geht weiter: Harald Strötgen (67) hört Ende des Jahres als Boss der Stadtsparkasse auf – und wird zum Klinik-Retter.

Strötgen steigt beim Lenkungskreis zur Sanierung der fünf städtischen Krankenhäuser ein. Das gab OB Christian Ude (SPD) am Mittwoch im Stadtrat bekannt. Strötgen sagt der tz: „Ich bin bereit, mich ab 2. Januar 2014 einzubringen. Die Einzelheiten sind aber noch zu besprechen.“

Ude würdigte Strötgen als „besten Banker der Stadt“. Der Sparkassen-Chef habe Erfahrung mit pleitebedrohten Unternehmen und wisse, was Banken erwarten. Die Expertise wird nötig sein: Denn dem Städtischen Klinikum geht es immer schlechter. Nach einem internen Sanierungsbericht, der am Mittwoch im Stadtrat beraten wurde und der tz vorliegt, mussten die erwarteten Miese heuer von 38,2 auf 41,4 Millionen Euro erhöht werden! „Die unbefriedigende Leistungsentwicklung versperrt endgültig den Weg zu einer Aufnahme von Darlehen zur Finanzierung der Baumaßnahmen“, berichtet die Geschäftsführung. Die Kliniken sind derzeit nicht kreditwürdig!

Viel Arbeit für den Lenkungskreis, mit dem Ude die Klinik-Chefs entmachtete. Einmal wöchentlich treffen sich OB, Stadtminister, Klinik-Geschäftsführung samt Berater. Mit einer Sanierung wird es laut Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) nicht getan sein: Er will ein ganz „neues Geschäftsmodell“.

David Costanzo

„Warum erst jetzt, Herr Ude?“

Klinik-Debatte im Rathaus: Hat OB Christian Ude (SPD) wirklich erst jetzt von der neuen Pleite-Gefahr des Städtischen Klinikums erfahren? Hat er die nicht kommen sehen? Das fragt die Opposition. Warum macht er die Kliniken jetzt zur Chefsache – so kurz vor der Stadtratswahl?

„Ich habe herzlichst gelacht“, sagte FDP-Fraktionschef Michael Mattar über die Aussage Udes, erst im Oktober habe sich eine völlig neue Situation ergeben. Mattar zählte auf: 127 Millionen Euro Zuschüsse vor vier Jahren, Revisionsberichte über eine chaotische Bau-Abteilung, fehlendes Controlling, überforderte Chefs. Die letzten 200 Millionen Euro der Stadt seien nur ein Ausgleich der ständigen Miesen. „Das kannten oder ahnten wir schon alle“, sagte Mattar. Dazu führe der aktuelle Sanierungsbericht Skurrilitäten wie einen Tag der offenen Tür auf, der Einnahmen von vier Millionen Euro bringen soll. „Warum haben Sie drei Jahre zugeschaut?“ Mattar unkte: wohl um vorzuführen, dass die mit den Kliniken betrauten Grünen es nicht könnten. Aufsichtsratschef Hep Monatzeder (Grüne)? Ude übernimmt! Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) als zuständiger Stadtminister? Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) macht jetzt die Finanzen!

CSU-Fraktionschef Josef Schmid verwies auf alte Forderungen: Der OB hätte schon vor Jahren zum Skalpell greifen sollen! Udes Äußerungen seien „halbehrlich“, er verschleiere die Wahrheit. „Ich hoffe, dass es nicht zu spät ist.“ Die Kliniken verlören durch „Schönwettergerede“ Kompetenz. Chefarzt und Wirbelsäulenspezialist Prof. Hans Hertlein verlässt Harlaching.

Der OB verteidigte sich: Die Geschäftsführung habe erst im Oktober selbst eingeräumt, dass ihr eigenes Sanierungsprogramm gescheitert sei – durch mehr Einnahmen zu gesunden –, und dass mehr Geld von der Stadt nötig sei, um die Pleite abzuwenden. Er selbst habe schon davor „schmerzhafte Einschnitte“ angekündigt, die jetzt nötig würden. Auch die CSU habe keinen konkreten Vorschlag gemacht. Das sei auch gar nicht ihre Aufgabe, genau so wenig wie seine – dafür seien die Bosse mit Jahresgehältern bis 300 000 Euro da. „Es ist die Sache der Geschäftsführung, die Geschäfte zu führen.“ Schon bei einer ersten Sparmaßnahme seien auch CSU-Leute Sturm gelaufen.

David Costanzo

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