Harlaching: Mieter müssen raus

Hier wird ein Haus geräumt

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Marion Stein und Michael Bauer schauen zu, wie ihr Hab und Gut in den Umzugslaster geräumt wird.

München - Es ist das traurige Ende eines jahrelangen Wohnstreits: Marion Stein und Michael Bauer (beide 46) aus Harlaching mussten am Mittwoch aus ihrem Haus ausziehen.

Die Polizei passt auf

Es ist 8 Uhr, als in der Stilfer-Joch-Straße (Harlaching) der Umzugswagen und ein Polizeiauto vor einer Doppelhaushälfte halten. Die Gerichtsvollzieherin ist schon da, genauso wie Marion Stein und Michael Bauer (beide 46). Sie wechseln das Schloss aus, das sie 2002 selbst eingebaut haben, als sie als Mieter eingezogen sind. Heute werden sie zwangsgeräumt, weil sie wegen Schadstoffen im Parkett die Miete gekürzt haben. Trauriges Ende eines jahrelangen Wohnstreits!

Das Ehepaar Bauer/Stein hat ein Gerichtsverfahren verloren, in dem es um eine Belastung des Parkettbodens mit PAK (krebserregende, polycyclischen aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ging. Ein von ihnen bestellter Gutachter hielt 2010 den Austausch des Parketts für nötig, der von der Vermieterin bestellte Gutachter nicht. Das Ehepaar minderte aber die Miete um 90 Prozent, ab 2011 um 100 Prozent. Das Amtsgericht bestellte einen dritten Gutachter, der zwar erhöhte Schadstoff-Werte feststellte, diese aber auf mangelndes Lüften zurückführte. Das Paar verlor auch, als sie in die nächste Instanz zogen: Das Landgericht München verdonnerte sie im Dezember zum Auszug, weil nur eine Mietminderung von 10 bis 15 Prozent gerechtfertigt gewesen wäre und somit mehr als zwei Monate im Verzug seien.

Auch die Vermieterin, eine Rentnerin aus Unterhaching, sowie ihr Sohn sind da. Für die Polizei gibt es nichts zu tun, Stein und Bauer schauen tatenlos zu, wie ihre Habseligkeiten in den Laster geräumt werden.

„Die Sachen kommen jetzt in ein Lager, wo wir sie abholen können“, so Bauer. Ob er sie noch braucht? „Vor allem die Holzmöbel sind mit den Schadstoffen belastet.“ Die Zwangsräumung wird sie voraussichtlich über 6000 Euro kosten, sie wird dem Ehepaar in Rechnung gestellt. Das Gericht hat das Paar zudem zur Zahlung von über 13 000 Euro an Mietrückstand verdonnert. Stein: „Die Vermieterin fordert weitere 9000 Euro ein, die seit dem Urteil aufgelaufen sein sollen.“ Ob sie das Geld je sehen wird?

Bauer: „Wir sind 2010 wegen der Schadstoffbelastung in die Ferienwohnung meiner Schwiegermutter nach Burghausen gezogen.“ Ihrer Tätigkeit als Volkshochschuldozenten in München hätten sie nicht mehr nachgehen können. Bauer: „Dadurch haben wir unsere Lebensgrundlage verloren, bei uns ist nichts zu holen!“

Johannes Welte

 

Im Bereich des Münchner Amtsgerichtes (Stadt München und Nachbarlandkreise) kam es 2011 zu 934 Zwangsräumungen von Mietwohnungen. Wie kommt es dazu und wie kann man das vermeiden? Die Antworten lesen Sie hier.

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