Terror-Prozess

Harun P.: Er hatte schon sein Testament gemacht

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Harun P. (27) ist wegen Mordes angeklagt.

München - Harun P. (27) bleibt ein Mysterium. Vor Gericht ein netter, junger Mann – im syrischen Bürgerkrieg aber ein Mörder? Bislang bestreitet der Islamist, am Überfall auf das Gefängnis in Aleppo (29 Tote) beteiligt gewesen zu sein.

Seit Donnerstag ist aber klar: Er nahm seinen Tod in Kauf! Vor dem Attentat am 7. Februar 2014 hatte er sein Testament gesprochen. „Vater, Mutter, seid nicht traurig, wenn ich sterbe. Es ist meine Pflicht, die Gefangenen zu befreien“, heißt es in der Aufnahme, die im Gerichtssaal abgespielt wird. Im Hintergrund hört man Schüsse!

„Mit meinem Geld soll das Grab meiner Tochter erhalten werden“, so der letzte Wille des Islamisten. „Ich ging davon aus, dass ich in den Kampf geschickt werde.“ Im Prozess erzählt P. eine andere Version: Mit 300 Terror-Kämpfern habe er zwei Wochen lang in einer verlassenen Fabrik gehaust, 500 Meter vom Gefängnis entfernt. Die Kämpfer hatten Maschinengewehre und Granaten, „ich selbst eine Kalaschnikow mit sechs Magazinen“. Nur einmal habe er geschossen. „Zu Trainingszwecken, auf eine Mauer. Sofort wurde auf mich gefeuert. Die Kugeln zischten am Kopf vorbei.“ Auch eine Mörsergranate habe P. abgefeuert – in der Nähe von Zivilisten. „Ich wollte den Kick spüren.“ An militärischen Aktionen habe er sich nicht beteiligt: „Ich hielt nur Wache.“ Und wenn ein Panzer auf ihn zugefahren wäre? Hätte er dann nicht geschossen? Auf die Frage des Richters sagte Harun P.: „Ich hätte mir in die Hosen gemacht.“

Seine Antworten: verdächtig harmlos. Verteidiger Adam Ahmed sagt aber: „Mein Mandant gibt wichtige Einblicke in die Terror-Organisation, von der er sich klar distanziert.“ Fortsetzung am 17. März.

A. Thieme

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