UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

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Prozess am Münchner Oberlandesgericht

Harun P. spricht über sein Training für den Terror

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Vor Gericht gibt Harun P. sich brav.

München - Am dritten Tag des Völkermord-Prozesses gibt Harun P. (27) am Freitag erstmals Einblicke, was er wirklich in Syrien erlebt hat. Ruhig und überlegt erklärt er sein Leben in den Terrorcamps – und wie er sich auf den Krieg vorbereitet hat.

"Mit einem Floß überquerte ich die türkisch-syrische Grenze. Ein Geländewagen holte mich ab, die Männer trugen Gewehre und Granaten. Ich wusste, jetzt beginnt für mich der Heilige Krieg."

Am dritten Tag des Völkermord-Prozesses gibt Harun P. (27) am Freitag erstmals Einblicke, was er wirklich in Syrien erlebt hat. Ruhig und überlegt erklärt er sein Leben in den Terrorcamps – und wie er sich auf den Krieg vorbereitet hat. „Wir fuhren stundenlang und hielten auf einem Berg. Vor dem verlassenen Haus standen 20 Männer in Tarnkleidung. Vier Wochen teilte ich mit einem das Zimmer.“ Waffen putzen, Arabisch lernen, kochen, schlafen: So sieht sein Tagesablauf aus. „Ich wollte so hart sein wie die anderen“, sagt P. „Aber das viele Warten schlauchte.“

Eines Nachts schicken ihn seine Anführer in ein härteres Camp. „Wir trainierten stundenlang: Dauerlauf, beten und Waffen zerlegen.“ P. bewährt sich: „Nach einer Woche bekam ich meine erste Kalaschnikow.“ Die Kämpfer erzählen ihm, in Dörfern hätten syrische Regierungstruppen Mädchen vergewaltigt – so wollen sie seine Wut für den Krieg schüren, dem Harun P. immer näher kommt. „Mehrmals wurde unser Lager angegriffen“, erzählt er. „Ich hörte Explosionen und sah zerfetzte Menschen.“ Regelmäßig muss P. jetzt Wachdienste mit Waffe schieben. Von München überwacht die Polizei auch in dieser Zeit sein Handy!

So hören die Ermittler, wie P. zu einem Mord anstiften will. „Das Mädchen hat zu viel gesehen, ich erschieße sie“, sagt er über die 16-jährige Fatma. Sie soll einen Terrorkämpfer heiraten, hatte P. aber ohne Vermummung gesehen. Die Junud al-Sham („Soldaten Syriens“) lassen das Mädchen aber gehen.

Er habe „nur Spaß gemacht“, sagt Harun P. gestern aus. Aber Richter Manfred Dauster glaubt ihm nicht: „Wir wissen, dass Sie in Stresssituationen schnell die Beherrschung verlieren.“ Mehrfach warnt er P., dessen nette Fassade nun immer mehr bröckelt. „Ohne Vorstellung“ sei er im Herbst 2013 nach Syrien gegangen. Dauster erzürnt: „Ihnen muss klar gewesen sein, dort sterben Menschen wie Schmeißfliegen.“

A. Thieme

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