Sozialer Brennpunkt?

Hasenbergl

U-Bahnhof Hasenbergl in München
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U-Bahnhof Hasenbergl in München

Lange galt das Hasenbergl in München als sozialer Brennpunkt, doch Projekte wie die „Soziale Stadt“ haben den Stadtteil aufgewertet.

München – Der Stadtteil Hasenbergl, der lange als sozialer Brennpunkt und „Ghetto“ galt, ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Wohnviertel geworden. Diese Aufwertung verdankt er nicht zuletzt verschiedenen gezielten Projekten und beliebten Erholungsmöglichkeiten wie dem Fasaneriesee, dem Lerchenauer See und der Panzerwiese. Das Hasenbergl erreicht man am besten mit der U2, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte.

Zusammen mit Feldmoching bildet das Hasenbergl den Münchner Stadtbezirk 24. Hier leben über 61.000 Einwohner auf einer Fläche von knapp 2900 Hektar (Zahlen: Statistisches Amt 2019). Im Norden des Hasenbergls liegt die Panzerwiese, im Osten begrenzt es die Schleißheimer Straße zum Nachbar-Stadtteil „Am Hart“. Im Westen ist der Stadtteil Feldmoching benachbart. Im Süden bildet der Rangierbahnhof der Deutschen Bahn die Grenze des Viertels.

Hasenbergl: Die Geschichte

Der Name Hasenbergl, der seit ca. 1900 bekannt ist, ist nicht zufällig entstanden. Hier gingen die bayerischen Kurfürsten tatsächlich auf Kaninchenjagd und es wurden ab dem 18. Jahrhundert auch Kaninchen zu diesem Zweck gehegt.

Im nördlich des Hasenbergls gelegenen Wald Hartelholz entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts zu Zeiten des Ersten Weltkrieges Kriegsgefangengenlager und Truppenunterkünfte, die nach Kriegsende als Notunterkünfte von etwa 4000 Menschen genutzt wurden. Daraus und aus dem in der Nähe gelegenen Harthof gingen um 1950 die ersten Eigenheimsiedlungen hervor. In der ab 1957 entstandenen Siedlung „Neu-Hasenbergl“ errichteten beinahe alle unter großen Entbehrungen leidenden Einwohner ihr Haus noch selbst. 1960 folgte die „Siedlung am Hasenbergl“ für 18.000 Menschen. 1964 wurde die Diakonie Hasenbergl gegründet und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften wie Südhausbau und das Evangelische Siedlungswerk Bayern bauten Sozialwohnungen und auch Eigentumswohnungen.

Hasenbergl: Vom Münchner „Ghetto“ zum Wohngebiet

Wichtige Infrastruktur wie Schulen, Kirche oder Gewerbe fehlten bis in die 1970er Jahre im Hasenbergl. Auch die Verkehrsanbindung war mangelhaft. Die Plattenbauten, der hohe Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund und negative Berichterstattung trugen ihr Übriges dazu bei, dass das Hasenbergl den Ruf eines Ghettos bekam. Auch wenn die Blocks bis heute geblieben sind, so haben verschiedene Bauprojekte die Mängel in der Infrastruktur im Laufe der Zeit behoben.

Das Handlungskonzept „Soziale Stadt“ sorgte für eine Erneuerung des Stadtteils und mehr Lebensqualität. Auch wenn sicherlich noch einiges zu tun ist, so haben die Maßnahmen dennoch dazu beigetragen, aus dem sozialen Brennpunkt Hasenbergl im Laufe der Zeit ein recht beliebtes Wohnviertel mit einem hohem Anteil an Grünflächen zu machen.

Soziale Projekte im Hasenbergl

Die Diakonie im Hasenbergl ist inzwischen auf über 500 Mitarbeiter und 160 Ehrenamtliche angewachsen, die die Menschen mit Angeboten wie Kindertageseinrichtungen, Jugendhilfe, Beratungsstellen, Senioren- und Stadtteilarbeit und Sozialpsychiatrischem Dienst unterstützen. Weiterhin gibt es eine Vielzahl von Angeboten, um junge Menschen vor einem Leben in Arbeitslosigkeit zu bewahren und Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben zu integrieren.

Auch weitere Organisationen bemühen sich, Unterstützung für Anwohner aus dem Hasenbergl anzubieten. So betreut die „Stiftung Lichtblick“ mit dem Projekt „Lichtblick Hasenbergl“ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus sozial belasteten und benachteiligten Familien. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie herrscht hier Vollbetrieb: Es werden Schülerinnen und Schülern PC-Plätze für das komplette Homeschooling zur Verfügung gestellt, da es Familien gibt, die ihren Kindern die Möglichkeit, am digitalen Unterricht teilzunehmen, nicht bieten können, weil sie sich entweder keinen Laptop oder PC leisten können oder selbst nicht in der Lage sind, ein solches Gerät zu bedienen.

Freizeitangebote und Sehenswürdigkeiten im Hasenbergl

Erholungsmöglichkeiten gibt es im Hasenbergl genug: Beliebte Badeseen, an denen sich die Anwohner zum Schwimmen und Grillen treffen, sind der Fasaneriesee und der Lerchenauer See direkt neben dem Hasenbergl. Zwischen Hasenbergl und Harthof liegt die fast 200 Hektar große Panzerwiese, die sowohl Pflanzenfreunde mit ihren über 180 verschiedenen Pflanzenarten erfreut als auch von Kindern zum Spielen und Toben genutzt wird.

Ein Highlight für Kinder ist neben anderen zahlreichen Spielplätzen vor allem der über 12000 Quadratmeter große ABIX-Abenteuer-Spielplatz.

Weitere interessante Freizeitangebote und Sehenswürdigkeiten:

  • Hofflohmärkte
  • Kulturgeschichtspfad
  • Pfarrkirche St. Nikolaus
  • Die pyramidenförmige Kirche Mariä Sieben Schmerzen
  • Goldschmiedplatz, an dem früher die Trambahn wendete

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