Hasenbergl

Kampf um Tempo 30 vor der Haustür

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Wollen Tempo 30 auf der Weitlstraße: Die Anwohner (v.li.) Gerda und Ralf-Michael Scholz, Rudolf Herrmann und Christoph Färber. 

Die Weitlstraße im Hasenbergl animiert zum Rasen. Die Stadt jedoch stemmt sich gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung – sehr zum Ärger vieler Anwohner. Denn in den benachbarten Straßen gelten Tempo-Limits. Widersprüchliche Angaben vom Kreisverwaltungs- und dem Planungsreferat lassen die Bürger nun erst recht zweifeln.

München - Schon 2010 forderten Anwohner Tempo 30 für den östlichen Teil der Weitlstraße im Hasenbergl. Dem Antrag wurde nicht entsprochen. 2016 starteten sie einen neuen Versuch: Knapp 60 Bürger unterzeichneten eine Petition und schickten sie an den Stadtrat. Wieder ohne Erfolg. Dennoch landete das Thema nun erneut auf der Tagesordnung. Anlass dazu gab das Kreisverwaltungsreferat (KVR). In einer Beschlussvorlage der Behörde, die dem Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl (BA 24) zugesandt wurde, heißt es: Eine Tempo-30-Zone sei nur zulässig, „wenn in der betreffenden Straße kein nennenswerter Durchgangsverkehr besteht“. Die Weitlstraße stelle jedoch eine Ost-West-Verbindung dar. Der Anteil an Durchgangsverkehr sei erheblich.

Das empörte den BA-Vorsitzenden, Markus Auerbach (SPD). Und das, obwohl sich der BA selbst gegen Tempo 30 dort ausgesprochen hatte. Das Argument: Man könne an der Stelle ohnehin nicht schneller fahren. Auerbach jedoch ärgert etwas anderes: „Die Begründung mit der Durchgangsstraße ist unmöglich“, sagt er. „Es kann ja nicht das Ziel sein, auf kleinen Straßen mitten im Wohngebiet Durchgangsverkehr zu haben.“

Die Anwohner der Weitlstraße sehen das ähnlich. Zumal der rege Verkehr mit zahlreichen Lastwagen viele Gefahren birgt. Ralf-Michael Scholz lebt in dem Abschnitt zwischen Reschreiter- und Schleißheimer Straße. Dort ist die Weitlstraße nur in einer Richtung befahrbar. Und genau dort wünschen sich die Menschen Tempo 30. Denn die Fahrbahn ist an dieser Stelle sehr eng. Auf der Nordseite wird geparkt. Große Transporter und Laster haben dadurch zu wenig Platz und müssen beim Durchfahren teils auf den südlichen Gehweg ausweichen. „Neulich donnerte ein Sprinter mit rund 60 Sachen und seinen beiden rechten Rädern über den Bürgersteig“, berichtet Scholz. Für Fußgänger ein Albtraum. Denn auch der Gehweg ist eng an der Stelle. Die Spiegel der vorbeifahrenden Wagen ragen zum Teil weit hinein. „Man muss ständig aufpassen, wenn man auf dem Weg unterwegs ist.“

Dass die Autos am östlichen Ende der Weitlstraße besonders gerne rasen, liegt laut Scholz an der Ampel zur Schleißheimer Straße. „Wenn die Fahrer von hier aus sehen, dass Grün ist, dann geben sie richtig Gas und fahren schon mal 80 Stundenkilometer.“ Die Weitlstraße animiert offenbar zum Rasen. Wohl auch, weil ein Großteil der umliegenden Straßen in der Siedlung verkehrsberuhigt ist. So gilt in der parallel zur Weitlstraße verlaufenden Gundermann- und der Caracciolastraße Tempo 30. Dort fährt allerdings kein Bus. In der Weitlstraße schon. Laut KVR würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung die Reisezeit der Fahrgäste verlängern.

Um das Problem mit der Durchgangsstraße zu klären, lud BA-Chef Auerbach nun Vertreter der Stadtverwaltung in die jüngste Bezirksausschusssitzung. Der Vertreter des KVR sagte kurzfristig ab, nur das Planungsreferat kam. Und dessen Sachverständige konnten die Frage, warum die Straßen unterschiedlich behandelt werden, auch nicht beantworten. „Von mir aus wäre eine Tempo-30-Zone in der Weitlstraße möglich, und mit der Meinung bin ich nicht allein“, sagte Stadtentwickler Robert Adam. „Alles andere kann nur das KVR selbst beantworten.“ Das Thema wird im Hasenbergl also wohl in die nächste Runde gehen.

von Katrin Hildebrand

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