Baupläne auf Eis

Hasenbergl: Denkmalschützer bremsen Pfarrer aus

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Die mächtige Evangeliumskirche im Hasenbergl von ­außen. Der Entwurf unten zeigt mögliche Einbauten, die allen helfen würden. Bloß: Der Denkmalschutz ist ­dagegen…

Die Evangeliumskirche im Hasenbergl hat ein Problem: Die Gemeinde schrumpft, viele Plätz bleiben am Sonntag leer. Die Heizkosten der Kirchen sind immens. Der Pfarrer hatte einen Umbauplan, doch der liegt nun auf Eis.

München - Zwei Institutionen geraten hier aneinander, die eigentlich vieles gemeinsam haben. Denn auch im Selbstverständnis der Kirche steht das Bewahren weit oben. Doch sie blickt eben auch nach vorn, und da knirscht es, wie Dekanats-Baureferent Stefan Neukamm in der jüngsten Sitzung der Dekanatssynode erläuterte, als er die Prioritätenliste für Bau- und Renovierungsmaßnahmen vorstellte.

Die Heizung für die Kirche ist zu teuer

Auf Platz 11, mit fünf Millionen Euro einer der dicksten Brocken, steht die Evangeliumskirche im Hasenbergl, wo man ein strukturelles Problem beispielhaft lösen will: Die Kirche ist der schrumpfenden Gemeinde zu groß geworden. Die meisten der 450 Plätze bleiben sonntags leer. „Im Winter feiern wir den Gottesdienst im Gemeindehaus, weil wir es uns gar nicht leisten können, die Kirche zu heizen“, berichtet Pfarrer Rolf Hartmann.

Die Lösung, erarbeitet in enger Abstimmung mit der Landeskirche: Die Gemeinde will sich das große Kirchenschiff mit der benachbarten Diakonie teilen, die dringend mehr Platz braucht. Ein dreistöckiger Einbau im hinteren Teil soll den Sakralraum verkleinern, ohne den Blick nach vorn zum Altarraum zu verändern.

 „Das hat den Charme, dass die Kirche ein Ort für das ganze Viertel wird“, wirbt Hartmann für die Idee. Die Kirchengemeinde bekäme einen potenten Partner, mit dem sie sich Heiz- und Unterhaltskosten teilen kann. „Mit einem solchen innovativen Konzept könnte der Standort und das Kirchengebäude gesichert und der kirchliche und diakonische Auftrag in synergetischer Weise zusammengeführt werden“, sagt der Sprecher der Landeskirche, Johannes Minkus. Er erwartet, dass es solche Überlegungen auch in anderen Gemeinden mit sinkenden Mitgliederzahlen geben wird. Für 2018 sei zu diesem Thema ein Fachsymposium mit dem Landesamt für Denkmalpflege geplant.

Pfarrer Rolf Hartmann in der Evangeliumskirche im Hasenbergl. Zu viel Platz – aber Umbauen ist verboten.

Kirchengemeinde schrumpft

Im Kirchenvorstand der Evangeliumsgemeinde, die seit den 60er-Jahren von 7500 auf knapp 2100 Mitglieder geschrumpft ist, habe das Projekt neue Energien freigesetzt, hat Hartmann bereits vor einem Jahr berichtet. Ein Entwurf des Architekturbüros Brechensbauer Weinhart und Partner stieß auf breite Zustimmung – auch in der Synode, die seit mehreren Jahren ihren Immobilienbestand neu ordnet.

Aber nicht beim Denkmalschutz. Die vorliegende Machbarkeitsstudie sei „aus Sicht des Denkmalschutzes nicht vorstellbar“, ließ Neukamm die enttäuschten Synodalen wissen. „Die ursprüngliche Idee ist erst mal vom Tisch. Dabei wäre es ein tolles Projekt gewesen.“ Dem Denkmalschutz sei der Eingriff in den Kirchenraum zu schwerwiegend, teilte Neukamm mit.

„Man muss jetzt um Lösungen ringen“, sagte der Baureferent im Gespräch mit unserer Zeitung. Er will die Hoffnung nicht aufgeben, denn er sieht keine Alternative. Die Kirchengemeinde allein könne das Gebäude auf Dauer nicht halten. „Die wird irgendwann das Licht ausmachen. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Wir können ja kein Museum draus machen.“

Das sieht auch Stadtdekanin Barbara Kittelberger so. „Der Denkmalschutz ist eine wunderbare Einrichtung“, sagte sie in der Synode. „Wir wollen ja bewahren.“ Das dürfe aber nicht bedeuten, nur noch rückwärts gewandt zu handeln. Man müsse auch nach vorn blicken. Und sie versprach: „Wir geben nicht auf.“

Umbaupläne: Evangeliumskirche im Hasenbergl.

Das gilt auch für das zweite Fünf-Millionen-Projekt auf der Liste, St. Lukas an der Isar. Der Dom mit der mächtigen Kuppel am Mariannenplatz sei zwar groß, habe aber für die Gemeinde wenig Platz. Der Gemeindesaal im Eckhaus vis-à-vis sei schlecht nutzbar, referierte Baureferent Neukamm. Deswegen habe es „einen tollen Wettbewerb“ gegeben, als dessen Ergebnis ein Saal-Neubau südwestlich der Kirche angestrebt wird. „Das wäre die Befreiung gewesen, denn dann könnte man das Gemeindehaus neu sortieren.“

Das Problem: Auch hier hat der Denkmalschutz Vorbehalte, will aber, so Neukamm, noch einmal neu Stellung beziehen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass der optimale Bauplatz blockiert ist: Hier verläuft eine unterirdische Hochspannungsleitung der Stadtwerke. „Die zu verlegen, würde allein zwei Millionen Euro kosten“, so der Baureferent. Also müsse man mit dem Gebäude ausweichen, was dem Ensemble nicht zuträglich sei.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Feldmoching/Hasenbergl“.

Von Peter T. Schmidt

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