Das Hass-Haus Am Hart

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Das Mehrfamilienhaus Am Hart, in dem die beiden Streithähne lebten

München - Laute Schreie im Hausflur. Als Nazmi T. die Tür öffnet, ist es zu spät: Werner L. (66), der ein Stockwerk ­höher wohnt, liegt blutüberströmt auf dem Boden. In seinem Bauch steckt ein 32 Zentimeter langes Messer.

Bei diesem Anblick fällt Nazmis Frau in Ohnmacht. In Panik ruft T. seine Tochter an, sie holt die Polizei. In diesen Minuten verblutet Werner L. auf dem Gang. Der Mord, der sich am 9. September vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus am Hart ereignete, war das traurige Ende eines jahrelang schwelendes Streits zwischen Nachbarn.

Ab Montag steht der mutmaßliche Mörder vor dem Münchner Schwurgericht. Es ist ein 70-jähriger Rentner. Die Wahnsinns-Tat im Hausflur bahnte sich im Sommer 2008 an: Der Angeschuldigte entwickelte die krankhafte Vorstellung, sein Nachbar Werner L., der direkt unter ihm wohnt, würde Insektenspray über den Balkon und die Wohnungstür spritzen, um ihn zu vergiften. Freilich alles Einbildung – tatsächlich aber war Werner L. zu diesem Zeitpunkt kein unauffälliger Hausbewohner.

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

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Der Ort der Messer-Attacke im September 2010: Neben den Briefkästen verblutete Werner L.

Die ganze Siedlung kannte den Mann, der jeden Tag wie ein Aufpasser vor dem Haus stand. „Er hatte immer die Hände in die Hüften gestemmt“, erinnert sich ein Anwohner. „Er meckerte den ganzen Tag rum: weil ein Papier auf dem Boden lag, weil der Müll nicht korrekt getrennt wurde oder ein Automotor lief. Die Kinder hatten Angst, weil er sie anschrie, wenn sie spielten.“ Bei seinem späteren Mörder war es der zu ihm ziehende Essensgeruch, der ihn störte. Einmal beschwerte sich Werner L. auch deshalb bei der Hausverwaltung. Im Oktober 2008 die erste Eskalation nach einem Streit um ein gelüftetes Fenster im Treppenhaus: Der angeschuldigte Wahnkranke ging mit einem Knüppel auf Werner L. los. Im Jahr 2009 verschlechterte sich der Zustand des mutmaßlichen Mörders, er rief einen Arzt, erzählte diesem, dass eine Bande um sein Haus schleichen und ihn töten wolle – angeblich angestachelt vom Nachbarn Werner L.

Der Rentner ging kaum mehr aus dem Haus, die Wohnung vermüllte, er trank. Am Vormittag des Mordes hatte er über ein Promille. Das lange Küchenmesser lag wie immer hinter der Tür. Als Werner L. von seinem Kontrollgang an der Tür des Rentners ­vorbeikam, hatte er keine Chance. Sein Nachbar stach 20 Mal zu, traf die Körperhauptschlagader. Eine Nachbarin zur tz: „Er wirkte immer merkwürdig. Als ich damals die Polizei­autos vor dem Haus gesehen habe, wusste ich sofort, dass er dem L. etwas angetan hat.“

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Unterbringung in einer Psychatrie. Die direkten Nachbarn des mutmaßlichen Mörders, Nazmi T. und seine Frau, werden weiterhin ihre Tür von innen versperren. „Das Blut, das Messer in seinem Bauch, seine Geräusche: Es war so schreck­­lich.“ 

nba./ebu.

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