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Hat der Tierpark kein Herz für Tiere?

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Mischling Aaron hat einen dicken Verband: Am Eingang des Tierparks hatte Herrchen Udo S. (50) um Hilfe für seinen blutenden Hund gebeten – vergeblich
Mischling Aaron hat einen dicken Verband: Am Eingang des Tierparks hatte Herrchen Udo S. (50) um Hilfe für seinen blutenden Hund gebeten – vergeblich © Privat / Kruse

Einen Tierfreund in Not hat der Münchner Zoo einfach im Stich gelassen: Als Udo S. (50) mit seinem blutenden Hund vor den Toren des Tierparks Hellabrunn um Hilfe bat, hatten die Zoo-Angestellten nicht einmal Verbandszeug übrig.

„Unsere Tierärzte kümmern sich nur um Tiere im Zoo“, habe die Antwort an der Kasse gelautet.

Udo S., Regisseur und Intendant aus Ettlingen bei Karlsruhe, war mit Freund und Hund Aaron kürzlich an der Isar spazieren. Beim Herumtollen zog sich Mischling Aaron an achtlos ins Wasser geworfenen Scherben eine klaffende Wunde zu. „Ein großer und tiefer Schnitt ließ seinen Ballen am linken Vorderlauf so weit auseinanderklaffen, dass das Blut nur so spritzte“, berichtet Udo S. Notdürftig versuchte er, die Blutung zu stillen – seine zwei Taschentücher waren aber schnell durchgeblutet. Weil der Tierpark ganz in der Nähe war, hoffte Udo S. dort Hilfe für seinen verletzten Hund zu finden.

Nachdem er an der ersten Kasse barsch abgewiesen worden war, habe die Angestellte an einer Kasse nebenan wenigstens versucht, ihre Kollegen auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. „Sie beschrieb den Mitarbeitern, dass ich inzwischen von oben bis unten voll Blut war“, sagt Udo S. Hilfe sei jedoch weiter ausgeblieben. „Das hat die Frau an der Kasse sichtlich geärgert.“ Sie habe die Tierrettung angerufen, die allerdings nicht erreichbar gewesen sei.

Dass Aaron am Ende geholfen wurde, verdankt Udo S. dem Engagement zweier Frauen, die mit ihren Familien an der Kasse warteten. Sie hatten Verbandszeug dabei und riefen ein Taxi. In der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität wurde Aaron operiert.

Über den Tierpark Hellabrunn kann Udo. S. nur noch den Kopf schütteln: „Fast möchte man meinen, dass dort keine Tierliebe zuhause ist, wenn einem da im Notfall jede Hilfe vorenthalten wird.“

Reinhard Zenau, einer von zwei Hellabrunner Zoo-Inspektoren, entschuldigt sich für den Vorfall: „Es ist für uns eigentlich überhaupt kein Problem, in solchen Notfällen zu helfen.“ Die Verantwortlichen würden der Sache nun nachgehen. „Das tut uns sehr leid“, sagt Zenau, betont aber, dass der Zoo die Tierrettung nicht ersetzen könne.

René Seebacher

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Quelle: tz

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