Sanierung wird noch komplizierter

Haus in Pilotystraße jetzt unter Denkmalschutz

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Das Anwesen in der Pilotystraße ist jetzt ein Baudenkmal, Umbauten sind nicht mehr ohne Weiteres möglich .

München - Schon lang gibt’s Zoff um Leerstand und Sanierung des Anwesens in der Pilotystraße 8, und jetzt wird alles noch komplizierter. Denn: Das Haus steht seit Neuestem unter Denkmalschutz!

Im Lehel spotten die Nachbarn über das „Geisterhaus“ – das von der Stadt verwaltete Anwesen Pilotystraße 8 aus dem 19. Jahrhundert, in dem, als Letzte verblieben, nur eine ältere Dame wohnt. Schon lang gibt’s Zoff um Leerstand und Sanierung, und jetzt wird alles noch komplizierter. Denn: Das Haus steht seit Neuestem unter Denkmalschutz!

Die Aktivisten der Satire-Aktion Goldgrund hatten im Oktober für einen Tag an der Piotystraße herumgespukt, unter ihnen Fußball-Legende Mehmet Scholl (43) und Kabarett-Urgestein Gerhard Polt (72). Nach der Aktion versprach die Stadt, schnell etwas gegen den Leerstand zu tun – und das Sozialreferat schlug einen Umbau vor, den man als Luxussanierung bezeichnen muss. Anbau von Balkonen, Ausbau des Dachgeschosses, Einbau eines Lifts, neue Türen, Fenster, neuer Isolier-Putz, neue sanitäre Anlagen. Ende Februar ließ sich das Sozialreferat diesee auf 2,9 Millionen geschätzte Sanierung von der damaligen rot-grünen Rathaus-Koalition genehmigen – gegen den Widerstand der CSU, die eine Billig-Variante für 790 000 Euro vorschlug, um die Mieten günstig zu halten. Die CSU konnte nur durchsetzen, dass sich das Sozialreferat den Umbau nach Abschluss der Planungen nochmals genehmigen lassen muss.

Nun macht das Landesamt für Denkmalpflege den Luxus-Sanierern einen Strich durch die Rechnung: Die Pilotystraße 8 wurde vor einigen Wochen vom Landesamt für Denkmalpflege zum Baudenkmal erklärt. Auf wessen Antrag, ist der tz bisher nicht bekannt. Das Sozialreferat ist dadurch in seinen Planungen jedenfalls zurückgeworfen. „Der Sozialausschuss wird auf der Grundlage einer Entwurfsplanung mit der Kostenrechnung erneut befasst, sobald die denkmalschutzrechtlichen Belange abgeklärt sind“, heißt es im Leerstandsbericht, der morgen dem Stadtrat vorgelegt wird. Was das heißt? Das Sozialreferat wollte sich gestern nicht festlegen, welche Auswirkungen der Denkmalschutz für die Sanierung hat. Ein Insider berichtet der tz allerdings, schon die geplante Gebäudedämmung sei bei einem Baudenkmal schwierig, da sich so das Erscheinungsbild ändere. „Das gilt erst recht für den Anbau von Balkonen oder eines Liftes und natürlich für den Dachgeschoss-Ausbau.“ Kommt jetzt die billige CSU-Variante durch die Hintertür? Der Insider ist nicht sicher. Er sagt: „Es werden auch schon mal neue Balkone an geschützten Altbauten genehmigt.“

Das Rückgebäude im Innenhof wird übrigens demnächst wieder bis zur endgültigen Sanierung bewohnt: Hier ziehen ein Ehepaar und eine Familie ein – alle sind bisher wohnungslos.

Westend: Werden Mieter wegsaniert?

Seit bis zu 14 Jahre stehen in einem städtischen Anwesen in der Gollierstraße 19 Wohnungen leer. Vier Wohnungen sind noch belegt, diese Mieter müssen aber jetzt auch ausziehen, weil die städtische GWG nun hier saniert. „Die verbliebenen Mietparteien, die ausquartiert werden, sind stinksauer“, so Max Heisler vom Bündnis bezahlbares Wohnen. Einer der Mieter berichtet, er habe persönlich den damaligen OB Christian Ude auf Leerstand und Verfall des Hauses hingewiesen. „Und, was hat er gemacht? Nix! Das ist alles Udes Schuld“, so der Mieter. Ein anderer erzählt, dass er für seine 60 Quadratmeter derzeit 400 Euro zahle. Nach der Modernisierung solle die Miete doppelt so hoch sein, das könne er dann nicht mehr bezahlen.

Johannes Welte

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