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Ein Hauch von Anarchie

Darum gab es eine Hausbesetzung im Westend!

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Aktivisten hatten das Schnitzelhaus besetzt. Die Polizei rückte an.

Es liegt ein Hauch von Anarchie in der Luft! In der Nacht von Freitag auf Samstag haben Aktivisten das alte Schnitzelhaus an der Holzapfelstraße im Westend besetzt.

München - Per Mail und auf ihrer Internetseite hatte die anonyme Gruppe die Öffentlichkeit über die Protest-Aktion gegen Leerstand informiert. Am Samstagvormittag rückte die Polizei an. Doch da war die Hausbesetzung auch schon wieder vorbei. Bei Anwohnern und Kommunalpolitikern kommt die Aktion gut an.

„Wenn jemand jahrelang seine Häuser in einer Stadt wie München verfallen lässt, hat das keinerlei Konsequenzen“, sagt Sibylle Stöhr vom Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe. Für sie sei es kein Wunder, dass es Menschen gibt, die darauf mit derartigen Aktionen reagieren. Das Schnitzelhaus an der Holzapfelstraße ist in den vergangenen Jahren zum Symbol für Verwahrlosung und Leerstand geworden. Der Hauseigentümer lasse das Gebäude, in dem es früher ein Wirtshaus und Wohnraum für viele Familien gab, verrotten, so die Vorwürfe. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden „Döner-macht-Schöner-Haus“ ist der „Schandfleck“, wie ihn die Aktivisten nennen, Dauerthema im Bezirksausschuss und auf Bürgerversammlungen.

Das Schnitzelhaus an der Holzapfelstraße ist in den vergangenen Jahren zum Symbol für Verwahrlosung und Leerstand geworden.

Weil sich an den Zuständen nichts ändert, haben die Aktivisten in der Nacht auf Samstag zu öffentlichkeitswirksameren Mitteln gegriffen. Sie sind in das verbarrikadierte und baufällige Haus eingedrungen und haben dort einen Umsonstladen eingerichtet – aus dem Schnitzelhaus wurde das Für-Lau-Haus.

Hintergrund: Neben dem Leerstands-Wahnsinn prangern die Aktivisten auch einen gesellschaftlichen Missstand an. Während in Kellern und Garagen Dinge gehortet und nicht benutzt würden, seien andere Menschen dringend auf diese Sachen angewiesen. Das Für-Lau-Haus hätte eine Art Tauschbörse für unbenutzte Gegenstände sein sollen. Die Aktivisten erklären: „Das Für-Lau-Haus versteht sich nicht nur als Umsonstladen, sondern auch als Anlaufstelle für Menschen, die dieses Haus gestalten und weiteren Menschen zugänglich machen wollen.“

Daniel Günthör und Sarah Seeßlen vom Bezirksausschuss vor dem Schnitzelhaus.

Auch Sarah Seeßlen und Daniel Günthör gehören dem Bezirksausschuss an und haben Verständnis für die Aktion. „Es ist doch offensichtlich, dass es sich bei den beiden Häusern um reine Spekulationsobjekte handelt. Bald eröffnet hier gegenüber das Einkaufszentrum. Dann sind die Grundstücke wohl noch mehr wert. An bezahlbaren Wohnraum wird hier nicht gedacht“, sagt Seeßlen.

Und wenn die Aktion auch noch so sinnvoll sein mag: Die Polizei ermittelt jetzt gegen die Aktivisten wegen Hausfriedensbruch.

Schande für das Viertel

Stefan Gottwald.

Stefan Gottwald lebt seit fünf Jahren auf der Schwanthaler Höhe. Der 32-Jährige fühlt sich im Westend wohl – eigentlich. Wären da nicht die beiden verfallenen Häuser am Eingang zur Straße. Gottwald schimpft: „Es ist schon traurig, dass zwei Häuser ein ganzes Viertel zum Schandfleck machen.“ Er wünscht sich, dass die Stadt etwas gegen die baufälligen Gebäude unternimmt. „Man muss Angst haben, dass sich Teile der Fassade lösen und Menschen verletzen. Ich möchte gar nicht wissen, welch giftiger Schimmel dort an den Mauern klebt“, sagt Gottwald.

Die Dönerruine und das Schnitzelhaus

Sie sind in den vergangenen Jahren zum traurigen Symbol für den Leerstand in der Stadt geworden. Die Fassaden des Döner-macht-schöner-Hauses auf der Schwanthaler Höhe und des gegenüberliegenden Schnitzelhauses an der Holzapfelstraße rotten vor sich hin. Im Inneren der Gebäude sieht es nicht besser aus. Dreck, morsche Balken und Ungeziefer machen eine Revitalisierung und damit bezahlbaren Wohnraum derzeit undenkbar. Immerhin: Im Schnitzelhaus sollen bald wieder Menschen einziehen. Erst Anfang des Jahres haben sich die Hausbesitzer, eine Erbengemeinschaft, in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet. Ein Sprecher erklärte, man wolle die Wohnungen schon 2018 an die Mieter übergeben. Den Besitzern sei es besonders wichtig, klarzustellen, dass es sich um keine Luxussanierung handeln würde.

Die alte Stadtvilla an der Neuburger Straße (Laim) soll nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Das hat der Eigentümer im Gespräch mit unserer Zeitung versichert.

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