Kämmerer legt vorläufige Zahlen offen

Haushalt: Darum gibt es doch ein Plus für München

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Die Kammerspiele wird von der Stadt mitfinanziert.

München - Das kommt aber ein wenig überraschend. Der Münchner Stadtkämmerer Ernst Wolowicz hat bekannt gegeben, dass die Stadt doch kein Minus in der Bilanz hat.

Butterbrezn gibt es beinahe schon traditionell bei Pressekonferenzen der Stadt. Auch bei der Kämmerei. Gestern nicht. Da hatte man sich zumindest die Butter gespart. Ob das nun ein Anzeichen dafür sein mag, dass die Verwaltung den Gürtel enger schnallen muss, würde Kämmerer Ernst Wolowicz vermutlich verneinen. Denn fast schon im Gegenteil geht es den städtischen Finanzen besser, als es so mancher erwartet hatte. Gar der Kämmerer selbst.

„Ich war im November noch skeptisch, dass wir die veranschlagten Gewerbesteuereinnahmen von 2,5 Milliarden erreichen.“ Doch es kam so – unter anderem deshalb, weil Anfang Dezember allein in einer Woche von drei Unternehmen rund 115 Millionen Euro Nachzahlungen eingegangen sind. „Aber so etwas weiß man natürlich im Vorfeld nicht.“

Was Wolowicz aber weiß: Die Stadt wird 2016 ein leichtes Plus im Haushalt haben. Die Rede ist von einem unteren zweistelligen Millionenbereich. „Das kann aber noch variieren.“ So stünden beispielsweise noch Rechnungen für Dienstleistungen aus, die erst im neuen Jahr beglichen werden können.

Kein „negativer Cashflow“

Dennoch bleibt unter dem Strich ein positives Ergebnis, ging die Kämmerei doch von einem so genannten „negativen Cashflow“ von rund 400 Millionen aus.

Der Haushalt ist dennoch kein Grund für Kaviar in der Kämmerei – denn die Stadt hat sich 2016 an Reserven bedient, die freiwilligen Rücklagen wurden um 108 Millionen Euro reduziert. Und das Ersparte ist endlich. Ferner scheint es angesichts des Wachstums der Stadt und der damit verbundenen Investitionen nur noch eine Frage der Zeit, bis neue Kredite aufgenommen werden müssen.

Das wäre umso ärgerlicher, da gerade der Schuldenstand in der Stadt nahezu vorbildlich ist: 2005 waren die Verbindlichkeiten auf über drei Milliarden Euro angewachsen. Nun steht die Verwaltung „nur“ noch mit 765 Millionen in der Kreide. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von unter 500 Euro. „Es gibt in ganz Deutschland keine Großstadt, die so etwas vorweisen kann“, sagt Wolowicz. Zumindest bei diesem Punkt wäre noch fast alles in Butter!

Das kostet die Stadt die Kultur

Kultur für alle! Die Stadt finanziert die meisten Einrichtungen in München mit Zuschüssen. Anders wäre es gar nicht möglich, das Angebot in der Landeshauptstadt für alle Bevölkerungsschichten aufrecht zu erhalten. Und die Tourismus-Massen in unsere Stadt zu locken. Müssten Deutsches Theater oder Philharmonie kostendeckend arbeiten, würden die Eintrittspreise durch die Decke schießen. Beispiel Münchner Philharmoniker: Ohne die Hilfe des Rathauses müsste jeder Besucher gut 100 Euro mehr für eine Karte ausgeben. Die Kämmerei hat jetzt Zuschuss-Zahlen aus dem Jahr 2015 veröffentlicht. Für 2016 liegen der Verwaltung noch keine Ergebnisse vor, da die Einrichtungen ihre Bilanzen erst zur Jahresmitte vorlegen. Was die Stadt sich die Kultur kosten lässt – ein paar Beispiele:

Stadtmuseum

Jeden Besucher bezuschusst die Landeshauptstadt mit 86,62 Euro. Insgesamt flossen 2015 somit 14,9 Millionen Euro an das Museum. Das kann die Kosten nur zu 6,4 Prozent selbst decken.

Deutsches Theater

Der Zuschuss der Stadt lag 2015 bei 300 000 Euro, das Theater arbeitet mithin nahezu kostenneutral. Auf jeden der 296.470 Besucher entfiel demnach ein Zuschuss von 1,14 Euro.

Kammerspiele

Etwa 13.000 Besucher weniger haben die Kammerspiele verzeichnet (117.561). Die Stadt bezuschusst die Einrichtung mit 33,6 Millionen Euro, der Deckungsgrad liegt bei 15,3 Prozent. Auf jeden Besucher des Theaters entfallen demnach weit über 100 Euro.

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