Studie zeigt

Münchens Autofahrer atmen auch im Fahrzeug giftige Luft

Nicht nur die Anwohner viel befahrener Straßen sind hohen Stickoxidbelastungen ausgesetzt. Auch in den Fahrzeugen gibt es giftige Dämpfe, wie eine Studie nun zeigt.

München - Auch die Autofahrer selbst atmen bei ihren Fahrten im Autoinnenraum enorme Mengen an Schadstoff ein, wie eine Untersuchung des Heidelberger Instituts für Umweltphysik (IUP) ergeben hat. Bei Fahrten durch den Münchner Stadtverkehr stellten die Forscher Denis Pöhler und Richard Brenner am vergangenen Dienstag und Mittwoch fest, dass die Stickoxidkonzentration im Auto bis zu fünfmal höher war als der erlaubte Jahresmittelgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Über die Lüftung oder ein offenes Fenster gelangen die Stickoxide natürlich auch in den Autoinnenraum. Pöhler und Brenner konnten nun erstmals messen, wie hoch die Schadstoffbelastung in Pkws ist – mit einem selbst entwickelten Messgerät. Ergebnis: Die Insassen eines Wagens sind den giftigen Abgasen fast so konzentriert ausgesetzt, als würden sie sich unmittelbar hinter ein Dieselfahrzeug mit laufendem Motor stellen.

Gefährlich hohe Werte auf den Hauptverkehrsadern

Die Testfahrt der Forscher führte mehrmals zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten 44 Kilometer über Münchner Nebenstraßen, Hauptverkehrsadern, den Mittleren Ring sowie die Autobahnen A8 und A995. Im Schnitt lag die Stickstoffoxidbelastung bei 89 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – obwohl es an beiden Tagen kalt, nass und windig war, was zu einem schnelleren Abtransport beziehungsweise Abbau der Schadstoffe führt.

In den Stoßzeiten am Morgen und am Abend fanden die Wissenschaftler sogar 122 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter vor. Auf dem Mittleren Ring ergab sich ein Durchschnittswert von 123 Mikrogramm, in den Tunnels waren Autofahrer sogar fast 200 Mikrogramm pro Kubikmeter ausgesetzt. Im Heckenstaller-Tunnel maßen die Forscher am frühen Nachmittag bei relativ wenig Verkehr im Innenraum 250 Mikrogramm Stickoxid – morgens waren die Werte fast doppelt so hoch.

Besonders problematisch: Dieselfahrzeuge

Was die Forscher noch erkannten: Wann immer ein Diesel-Auto vor dem Messfahrzeug unterwegs war, waren die Ausschläge besonders drastisch. Denn während die Stickoxidemissionen bei Benzinern wegen des Katalysators kaum mehr messbar sind, werden die Abgase aus Diesel-Fahrzeugen fast ungefiltert abgeleitet.

Grenzwerte, die eine zulässige Belastung für Autofahrer festlegen, gibt es nicht. Der Jahresgrenzwert gilt nur für Umweltmessstationen, die im Außenbereich ab einer Höhe von drei Metern messen. An den beiden Messtagen der Forscher lag die Stickoxidkonzentration an der Messstation am Stachus bei 76, an der Landshuter Allee im Schnitt bei 42 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Messungen der Umweltphysiker aus Heidelberg hat die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse kommen nun kurz vor dem Diesel-Gipfel, zu dem die Bundesregierung die Autohersteller am Mittwoch geladen hat. „Es trifft nicht nur Anwohner, Fußgänger und Fahrradfahrer, sondern mindestens genauso stark die Autofahrer selber“, sagt Oliver Krischer, Vize der Bundestagsfraktion. „Gerade Taxi- und Busfahrer sind von der schlechten Luft betroffen, weil sie permanent in den Innenstädten unterwegs sind.“

Bündnis fordert Politik zum Handeln auf

Anlässlich des Auto-Gipfels hat das „Bündnis für saubere Luft in München“ einen offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geschrieben. „Schluss mit dem Kartell der Tatenlosigkeit und des Vertuschens“, fordert das Aktionsbündnis darin. Die Autoindustrie müsse gezwungen werden, aus der Technologie der Verbrennungsmotoren auszusteigen und zukunftsfähige Antriebssysteme zu entwickeln. Auch die Deutsche Umwelthilfe macht mit einem „Acht-Punkte-Sofortprogramm“ Druck. 

Caroline Wörmann

Rubriklistenbild: © dpa

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