Frau mischt Schlafmittel in Joghurt

Fieser Giftanschlag auf adeliges Ehepaar 

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Ein Polizeibeamter führt die Giftmischerin Magdalena P. zur Anklagebank.

München - Sie beklaute ihre adeligen Nachbarn und ging mit der gestohlenen EC-Karte auf Shoppingtour. Als der Schwindel aufzufliegen drohte, mischte sie dem Rentner-Ehepaar einen Giftcocktail.

Die Teufelin trug gerne Prada. Ihren Hang zu teuren Luxusklamotten finanzierte Magdalena B. (29) mit Straftaten: Sie stahl die EC-Karte eines befreundeten Ehepaares in Solln, plünderte deren Konto. Als der Betrug aufzufliegen drohte, verübte das Kindermädchen aus Polen ein teuflisches Verbrechen: Sie mischte eine hohe Dosis Schlaf- und Beruhigungsmittel in den Joghurt der Eheleute! Jetzt muss sie sich wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht verantworten.

Edle Wohngegend: In diesem Haus in Solln lebt das adelige Ehepaar, das im März 2012 Opfer eines Giftanschlags wurde.

Bernd von T. (73) und seine Frau Maria (70, Namen geändert) hatten der zierlichen Frau vertraut. Magda, wie sie sich selber nennt, bewohnte ein kleines Appartement Wand an Wand zu der Wohnung der adeligen Eheleute. „Sie hat unsere Katze gefüttert, wenn wir im Urlaub waren“, berichtet Maria von T.. Auch den Briefkasten leerte die gelernte Hotelfachfrau, die ihren bescheidenen Lebensunterhalt als Kindermädchen verdiente. Das Vertrauen des Ehepaars in Magda wurde immer größer. Bernd von T.: „Zwei bis drei Wochen vor dem Vorfall haben wir ihr den Wohnungsschlüssel gegeben.“ Das nutzte Magda schamlos aus: Ihre Opfer waren gerade auf Urlaub, als von der Bank eine neue EC-Karte eintraf. Sie ging in die Wohnung, durchwühlte den Schreibtisch, dort fand sie die Geheimnummer. Am 29. Februar hob die Diebin in der Fußgängerzone 1000 Euro ab und ging schnurstracks in die Maximilianstraße, wo sie eine Handtasche von Tod‘s für 935 Euro erwarb. 15 weitere Abhebungen mit einem Gesamtschaden von 7275 Euro folgten. Magdalena B. kaufte damit Schuhe von Prada, teure Kleider und Accessoires.

Zerstoßene Tabletten in Joghurt gerührt

„Ich wollte selbstbewusst durch München gehen“, sagte sie auf die Frage des Vorsitzenden Norbert Riedmann. Als die Eheleute von ihrem Skiurlaub heimkehrten und die Abhebungen bemerkten, erstatteten sie Anzeige. Staatsanwalt Benjamin Lenhart: „Als die Angeklagte endgültig befürchtete, ihre Taten würden entdeckt werden, entschloss sie sich, die Eheleute durch heimliche Beibringung von Medikamenten zu töten.“

Magda B. wusste, dass die Eheleute ihren Joghurt selbst ansetzten. Als Maria und Bernd von T. am Abend des 28. März ins Theater gingen, nutzte sie die Gelegenheit: Sie schlich in die Wohnung, rührte zerstoßene Tabletten ins Frühstück!

„Wir haben unseren Joghurt eilig gegessen, weil wir zur Gymnastik fahren wollten“, so Bernd von T. An die Autofahrt zur Turngruppe kann er sich noch erinnern. „Dann weiß ich nichts mehr. Aufgewacht bin ich in der Intensivstation im Klinikum rechts der Isar.“ Selbst nach dieser teuflischen Tat hat Bernd von T. der jungen Frau vertraut. Bis die Polizei sie als Täterin ermittelte. „Ich möchte mich entschuldigen“, sagt sie zu ihrem Opfer vor Gericht. Bernd von T.: „Ich nehme das zur Kenntnis.“

Die Angeklagte rang sich nach langem Leugnen („Ich wollte sie nicht töten“) zu einem Geständnis durch. Der Prozess geht am 18. Februar weiter.

Eberhard Unfried

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