Die tz trifft den Schlagerstar

Heino: "Der Hass ist vorbei - ich bin die Nummer 1"

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Junge, was für ein Auftritt: tz-Reporter Andreas Thieme und Heino in der Oly-Halle

München - Heino ist ein Phänomen. Und dieses Phänomen hat jetzt auch München erreicht. Die tz traf den Schlagerstar in der Olympiahalle zum Interview.

Entschuldigung, Rammstein, aber es ist wirklich so gewesen: Als Heino mit seinem Totenkopf-Tourwagen um 11.53 Uhr auf dem Parkplatz an der Olympiahalle vorfährt, da schieben sich plötzlich die trüben Wolken zur Seite und hervor tritt, wie schön: Sonne.

Heino tritt mit dunkler Rahmenbrille und Lederjacke aus dem Mercedes. „Junge, wie du wieder aussiehst“, heißt es in dem Ärzte-Hit, den er auch gecovert hat. Die Sonne sieht Heino nicht, vor ihm stehen jetzt dutzende Fotografen und Kamerateams. Es ist ein Blitzlichtgewitter, doch es stört ihn nicht. Heino, inwzischen 74 Jahre alt, steht minutenlang geduldig da, lächelt, frotzelt, grüßt. Der Mann ruht in sich. Sein aktuelles Album Mit freundlichen Grüßen ist die Nummer 1 der Charts. Und er sagt: „Solange der liebe Gott mir meine Stimme schenkt, werde ich singen.“

Heino ist ein Phänomen. Mit 50 Millionen verkauften Tonträgern zählt er zu Deutschlands erfolgreichsten Musikern. „Die Toten Hosen müssten noch 200 Jahre spielen, um auf diese Summe zu kommen“, sagt er bei der Programmmvorstellung für den Münchner Sommernachtstraum – am 27. Juli wird Heino im Olympiastadion singen. Live, vor 50 000 Zuschauern.

„Kein Problem, ich habe Kondition. Ich bin schon mal im Stadion aufgetreten mit einigen Kollegen. Am Ende haben die Leute gerufen: ‚Außer Heino könnt ihr alle gehen.‘ Das war schön. Aber traurig für die Kollegen.“

Was soll man sagen gegen diesen Mann? Selbst mit Lederjacke und Totenkopfring sieht freundlich aus. Die Musik ist jetzt rockig, seine Cover-Versionen streitbar. „Aber wenn ich Lieder nachsinge, muss ich nicht bei den Interpreten anfragen“, sagt er. „Ich bin belächelt und beschimpft worden von den Rockern. Es sind viele böse Worte gefallen. Aber der Hass ist vorbei. Jetzt bin ich die Nummer 1.“

Heinos Haut ist mit Falten übersät, die Wangen gealtert. Das Lächeln sanft, beinahe milde. Die Stimme, tja, das ist halt Heino: weich, charmant, abgerundet.

Man mag ihm fast glauben, wenn er am Eingang der Oly-Halle erzählt: „Fans von Rammstein und den Ärzten kommen zu mir und sagen: ‚Heino, deine Musik gefällt mir besser als das Original.“ Der nette und freundliche Heino ist eben auch ein fabelhafter Märchenonkel: „Vor einer Woche war ich mit meinem Manager in einem Restaurant“, erzählt der Schlagerbarde. „Da kam ein Ehepaar, sehr seriös. Die Dame hat sich von ihm losgerissen und auf meinen Schoß gesetzt. Sie sagte: ‚Du singst so schön, Heino, schenk mir ein Liedchen!“

Ein Mitglied von Rammstein habe ihn neulich angerufen und gesagt: „Heino, dein Album ist toll.“ Und, ach ja: Einst sagte Mick Jagger nach einem Konzert in der Garderobe zu Heino: ‚Warum rufen die denn immer nach dir und nicht nach mir?‘ Erzählt Heino – und lächelt schelmisch hinter seiner schwarzen Brille. Wie schade: Die Augen verraten ihn nicht. Und so bleiben die schönen Geschichten. Von der guten alten Zeit. Schöner deutscher Musik. Und den jungen Menschen, die ihm jetzt winken – wie neulich auf der Autobahn.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Aber es gibt auch den anderen Heino, den Musiker. „Ich freue mich über den Erfolg. Ich habe nicht voraussehen können, dass dieser Versuch so einschlägt.“ Andererseits: „Viele der Originallieder meines neuen Albums haben maximal eine Oktave, also zwölf Töne. Mein Hit Enzian hatte drei – das ist viel anspruchsvoller. Aber ich mag die frischen Melodien, es sind durchweg tolle Texte.“ Und: „Es ist ja nicht schwer, etwas Rockiges zu singen. Es sind Viervierteltakte, ich habe sie ein bisschen mit Schlagzeug oder Bass unterlegt.“

In der Olympiahalle redet Heino 90 Minuten ohne Pause. Er freue sich: München, der Sommer, das wird toll. Genauso wie der Plan mit seinem neuen Album. „Ich wollte es wissen: Entweder geht es in die Hose oder es macht Bumms. Und es hat Bumms gemacht."

Andreas Thieme

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