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Heizungsausfall in München-Ramersdorf: Hunderte Mieter kalt erwischt

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Warme Kleidung und eine dicke Wolldecke: So sitzt Rolf Thorn in seiner Wohnung, in der es nur 19 Grad warm ist.
Warme Kleidung und eine dicke Wolldecke: So sitzt Rolf Thorn in seiner Wohnung, in der es nur 19 Grad warm ist © Oliver Bodmer

Ungemütliche 19 Grad im Wohnzimmer: Damit müssen Mieter in Ramersdorf momentan leben. Vermieter Gewofag will die Heizung erneuern. Doch es gibt Lieferengpässe. Eine Notheizung funktioniert nur dürftig.

Der Körper ist trotz warmer Kleidung steif vor Kälte. Rolf Thorn (74) wickelt sich in seine blaue Wolldecke. Er zittert bei 19 Grad im Wohnzimmer – weil die Heizung in seiner Wohnung in der Wollanistraße in Ramersdorf nicht läuft. Dabei wollte die vermietende Wohnungsbaugesellschaft Gewofag die alte Heizung längst durch eine neue ersetzen und einschalten. Aber Lieferengpässe haben das verzögert – im schlimmsten Fall kann Thorn erst wieder Ende November heizen.

Hunderte Mieter unter anderem in diesem Wohnblock sind betroffen.
Hunderte Mieter unter anderem in diesem Wohnblock sind betroffen. © Oliver Bodmer

In München-Ramersdorf sind 1200 Wohnungen der Gewofag betroffen

Laut Gewofag sind etwa 1200 Wohnungen zwischen der Anzinger, Rosenheimer, Wollani- und Möschenfelderstraße betroffen. Rolf Thorn ist wütend und fühlt sich im Stich gelassen. Bisher laufen nur drei der neun neuen Heizanlagen in der Siedlung. Wann Thorn wieder heizen kann, weiß keiner – nicht einmal die Gewofag.

Denn nach dem Einbau müssen Mitarbeiter der Stadtwerke die neue Heizung noch prüfen – und noch ist unklar, wann die Techniker dafür Zeit haben. Rolf Thorn hat bereits Stunden in der Warteschleife des Gewofag-Servicetelefons auf Hilfe gewartet – aber keine Infos bekommen. „Wenn überhaupt jemand mit mir gesprochen hat, habe ich nur patzige Antworten bekommen“, sagt er.

Kälte der letzten Wochen hat hunderte Münchner Wohnungen ausgekühlt

Im Mai hatte die Gewofag ihn und andere Mieter rund um die Kölblstraße über den Heizungstausch informiert. Die Dampfnetzanlagen der Siedlung sollten aus technischen Gründen auf Fernwärme umgestellt werden. Geplant war eine Lieferung der neuen Anlage für Juli bis August, so eine Sprecherin der Gewofag. Ziel sei es gewesen, dass Mieter pünktlich zum Beginn der Heizperiode einheizen können, sagt die Sprecherin weiter. Diese beginnt meist im Oktober. Nicht so in den rund 1200 betroffenen Wohnungen. Die Kälte der letzten Wochen hat Rolf Thorns Wohnung ausgekühlt.

Die mobile Heizzentrale sorgt lediglich für lauwarme Heizkörper.
Die mobile Heizzentrale sorgt lediglich für lauwarme Heizkörper. © Oliver Bodmer

Als Zwischenlösung hat die Gewofag vor rund einer Woche eine mobile externe Heizung vor seinem Haus aufgestellt. Damit wärmt die Heizung wieder – zumindest ein bisschen. „Sie läuft auf höchster Stufe, wird aber nur lauwarm,“ erzählt Thorn. Das heißt: Erst waren es 16 Grad in seiner Wohnung, jetzt sind es 19. Thorn trägt deswegen weiterhin seinen warmen grauen Pulli und den roten Schal.

Gewofag will Mieter in München mit Erstattungen finanziell entlasten

Er glaubt, die externe Heizung muss zu viele Haushalte wärmen. Anders kann er sich nicht erklären, warum es nicht richtig warm wird. Zusätzlich hat die Gewofag Mietern einen Heizlüfter angeboten.

Auf Nachfrage heißt es dazu von der Gewofag: Die Kosten der Heizlüfter sollen bis zu 50 Prozent erstattet werden. Zudem sollen Mieter, deren Wohnraumtemperatur auf unter 18 Grad gesunken ist, eine Minderung von 20 Prozent auf die Brutto-Monatskaltmiete erhalten. Rolf Thorn glaubt das erst, wenn er es auf der Abrechnung sieht. Zu oft musste er in der Vergangenheit Nebenkosten nachzahlen, obwohl er wenig heizt, erzählt er.

Er vertraut der Gewofag nicht und will deshalb keinen Heizlüfter nutzen. Immerhin: Auf Nachfrage unserer Zeitung will die Gewofag nun die Temperatur der mobilen externen Heizung prüfen und anheben. So soll es in Rolf Thorns Wohnung endlich warm werden.

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