Konzert in München

Helene Fischer auf dem Königsplatz: tz-Kritik

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Helene Fischer gibt bei ihren Shows alles

München - Schlager-Königin Helene Fischer hat am Freitagabend in München 16.000 Fans auf dem ausverkauften Königsplatz verzaubert. Die tz-Kritik des Konzerts:

Irgendwann, so nach eineinhalb Stunden, ist Helene Fischer verschwunden. Nur noch auf der Videoleinwand ist die 28-Jährige zu sehen, als sie und ihr Musiker am Klavier „In the Arms of an Angel“ zum Besten geben. Der von Ludwig I. architektonisch bombastisch ausgestattete Münchner Königsplatz ist nun fest in Händen von Helene I., der Menschen-Fischerin des deutschen Showgeschäfts. Am deutlichsten wird dies, als sie nach ihrem kurzen Ausflug auf die kleine Zweit-Bühne mitten im Publikum zurückgeht durch das Meer aus 16 000 Fans.

Sieben Jahre dauert die Karriere von Helene Fischer erst. Doch es gibt kaum einen Superlativ, den sie nicht erreicht hat. Offiziell firmiert sie immer noch unter dem Genre Schlager. Doch was die Sängerin bietet, ist ein Pop-Show-Spektakel mit (meist) deutschen Liedern. Es ist kein Konzert, das Fischer gibt. Es ist eine Inszenierung mit grandioser Choreographie; mit durchtrainierten Tänzern, mit denen sie spielt und die mit ihr spielen; mit Lichteffekten und natürlich mit mehrmals wechselnden Outfits. Extravaganz – allerdings mit einer wohltuenden Natürlichkeit der Hauptdarstellerin.

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Fischer, im blütenweißen Hoseneinteiler, schwebt wie dereinst Robbie Williams zum Auftakt auf die Bühne und singt wie der britische Großmeister des Pop: „Let Me Entertain You!“ Lasst euch unterhalten, oder wie sie sagt: „Lasst uns zwei, drei Stunden Spaß haben!“ Und sie kann sich bei der Fülle von Hits, die sie mittlerweile angesammelt hat, auch leisten, dass sie sich die größten nicht für den Schluss oder die Zugaben aufheben muss. „Phänomen“ oder „Morgen früh küss ich dich wach“ heißen die. Schlager-Schnulzen, mit denen sie sich viele, viele Fans ersungen hat – denen sie jetzt auch Chansons und viel Englisches bietet. Doch Fischer vergisst ihre Wurzeln nicht, schmettert auch ein 15 Minuten langes Schlager-Medley aus „Griechischer Wein“, „Ein Bett in Kornfeld“, „Biene Maja“ und „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. Der Königsplatz tobt. Und weil Fischer weiß, was gut für die Stimmung ist, covert sie auch ungeniert „Tage wie dieser“ – und offenbart ganz unabsichtlich, wie nah die Punk-Rocker von den Toten Hosen mit ihren Texten mittlerweile dran sind am Musikgeschmack des deutschen Mainstream-Publikums. Hosen-Fans sind zwar nicht zu sehen in der Menge. Aber ansonsten macht das Fischer-Virus vor keiner Bevölkerungsgruppe halt: Es kommen 18-jährige Burschen mit Designerbrillen, die Oma mit 80, Fanclubs aus Niederbayern. Gestandene Männer, die Helmut oder Alfons heißen. Und die alten Volksmusik-Helden Marianne und Michael. Sie alle feiern, singen und tanzen, bis es stockdunkel ist. Bis sich Königin Helene I. mit einem bombastischen Feuerwerk am Nachthimmel verabschiedet hat. Das Volk verlässt glücklich den Königsplatz.

Jetzt vielleicht noch was trinken? Warum nicht? Es ist Sommer in der Stadt, es ist Wochenende. Und wie singt Fischer so treffend: „Die Hölle morgen früh ist mir egal!“

Stefan Dorner

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