Konzertkritik

Helene Fischer in der Oly-Halle: Glamour pur

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Im Rahmen ihrer Tournee gastierte Helene Fischer gestern Abend in der vollen Olympiahalle.

München - Fischers Hits fischen frische Fans: 10.000 Fans wollten am Mittwochabend in der ausverkauften Olympiahalle Schlager-Fee Helene Fischer sehen - die Andrea Berg ohne Lederfummel und Domina-Attitüde.

Holiday ohne Ice! Schlager-Schatzl Helene Fischer entführte ihre 10 000 Fans in der ausverkauften Olympiahalle in den Hitparaden-Himmel, von dem aus Griechenland noch aus weißen Stränden besteht und nicht aus Euro-Ärger. Helene statt Hellenen, ein Abend als prachtvoll inszeniertes Glitzermusical, mit einer bildhübschen singenden und tanzenden blonden Reiseleitung – Publikum hingerissen!

Schöner als mit der Fischerin kann man dem Alltag kaum entfliehen und den Kummer für drei Stunden vergessen. Trotzdem bleibt der Verdacht: Die süße und talentierte Leni könnte mehr, als nur die kreuzbrave MDR-Schlagermaus zu spielen.

 

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Wobei: Optisch gab’s eh nichts zu meckern. Statt Cirque du soleil war Cirque du Hitparade angesagt, opulent und sündteuer inszeniert. Die herzige Helene zog sich gut achtmal um, wirbelte über eine zweistöckige XXL-Bühne. Eine Schwadron von Tänzern umschwirrte sie, Fischers Bühnen-Rummelplatz hätte zum Fummelplatz getaugt. Aber alles blieb schön züchtig, wie bei Madonna nach einem mahnenden Gespräch mit Schwester Oberin. So blitzsauber waren bisher nur Klementine und die Palmolive-Tilly. Am Ende schwebte Helene am Kran übers Publikum, tolle Optik irgendwo zwischen Pink und Carmen Nebel. Mehr fürs Auge kann man kaum bieten.

Fürs Ohr allerdings schon. Hinter Fischers Musik steckt ja der alte Schlager-Gevatter Jean Frankfurter, der bereits in den 70ern mit Hits wie Butterfly, Michaela oder Anita auffällig wurde. Heute ist er 64, und man hört es seinen Liedern an. Den Schmiss und den Witz der Frühwerke erreicht Frankfurter längst nicht mehr, stattdessen lässt er Fischer singen: „Komm zurück, will ich dir sagen, doch da sind noch tausend Fragen.“ Motto der meisten Stücke voller Altmänner-Fantasien: Ich bin ein kleines Mädchen, hach, so schwach.

Und warum dieses Prachtweib in aufwändigsten Kleidern und sündteuren Louboutin-Latschen auf der Bühne steht und schmachtet „Das reichste Mädchen auf der Welt war ich ganz ohne Geld“, erscheint inhaltlich auch nicht vollständig durchdacht. Letzter Kritikpunkt: Die Coverversionen wirkten wie mit dem Zufallsmodus eines iPod ausgewählt. Von Cohens Hallelujah bis zum Grand-Prix-Siegerlied Euphoria war alles vertreten, was sich singen lässt. Fazit: Mensch Helene, was für Beene – das sah toll aus! An der Musik darf dagegen noch geschraubt werden.

Jörg Heinrich

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