Mammutprojekt Elefantenhaus

Hellabrunn: Streit um Denkmalschutz

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Beinahe 100 Jahre alt ist die Kuppel im Elefantenhaus. Der Tierpark will sie durch eine moderne Konstruktion aus Stahl und Glas ersetzen, obwohl die Denkmal­behörden eine Rekonstruktion des marode gewordenen Bauwerks wünschen

München - Bald ist es zwei Jahre her, dass die Elefanten in Hellabrunn ihr Domizil räumen mussten. Sie werden auch nicht so bald wieder einziehen. Die Sanierung wird länger dauern als geplant.

Ursprünglich wollte der Tierpark das Gebäude an Weihnachten 2014 wieder eröffnen. Tierparkchef Andreas Knieriem sagt der tz jetzt aber: „Daraus wird sicherlich nichts mehr.“ Hintergrund: Es gibt Streit in Sachen Denkmalschutz. Der Tierpark will in den historischen Bau eine moderne Decke einbauen, die Denkmal­ämter sträuben sich. Der eigentliche Umbau hat noch gar nicht begonnen, bisher gab es nur Voruntersuchungen.

Der Aufsichtsrat des Tierparks votierte am Dienstag für den Einbau einer modernen Kuppel. „Mit mehr Glas, damit es heller wird“, so Bürgermeisterin und Aufsichtsratschefin Christine Strobl (SPD) zur tz. „Bei solch einem historischen Gebäude wurden natürlich auch die Denkmalschutzbehörden frühzeitig durch den Tierpark eingeschaltet“, heißt es in einer Pressemitteilung, die der Tierpark gestern Abend verschickte. Dabei riskiert der Tierpark, dass das Elefantenhaus von der Denkmalliste gestrichen wird. Denn die Denkmalbehörden hatten eine Rekonstruktion nach altem Muster gewünscht.

Baumeister Emanuel von Seidl, dem München auch das Gärtnerplatztheater verdankt, hatte für das indisch anmutende Elefantenhaus eine damals völlig neue Konstruktion verwendet, die aus zwei Stahlringen mit Querspanten besteht, in die Betonelemente eingehängt sind. Die Kuppel diente der Jahrhunderthalle in Breslau als Vorbild. Das feuchte Klima und die ammoniakhaltige Luft im Elefantenhaus haben dem Bau aber zugesetzt – deshalb muss die Renovierung sein. Wenn man dabei originalgetreu vorgeht, was wäre dann? Strobl: „Das würde rund eine halbe Million Euro mehr kosten und neun Monate länger dauern. Dabei sind wir schon vier bis fünf Monate in Verzug.“ Bisher sind 14,75 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bewohner sind seit Juli 2011 in Ausweichquartieren untergebracht. Die Elefantendamen und Jungbulle Ludwig leben in einem Holzprovisorium in Hellabrunn, Altbulle Gajendra in der Ferne.

Gajendra schmust schon in Hamburg

Es ist praktisch ein langer Urlaub. Der Münchner Elefantenbulle Gajendra (20) lebt momentan im Hamburger Zoo Hagenbeck. Dort bleibt er so lang, bis die Renovierung des Elefantenhauses in München fertig ist. Am Donnerstag zeigten die Hanseaten Gajendra erstmals der Öffentlichkeit. Was es da zu beobachten gab? Vor allem, dass sich Gajendra (l.) schon gut eingelebt hat. Hagenbeck-Sprecherin ­Eveline Düstersiek: „Er ist locker und entspannt. Am Schmusegitter hat er schon Kontakt mit den Damen aufgenommen.“ Wobei es durchaus noch ein bisserl intensiver werden soll: Hagenbeck hofft auf Elefanten-Babys …

Johannes Welte

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