Schadenersatz auch ohne Kopfschutz

Helm-Urteil: So halten es die Radler in München

+
Anja Meyer (25)

München - Der Bundesgerichtshof hat einer verunglückten Radfahrerin recht gegeben, die keinen Helm getragen hatte. In Deutschland gibt es somit keine offizielle Helm-Pflicht. Doch wie halten es die Münchner? Wir haben uns umgehört.

Radlfahrer, die ohne Helm unterwegs sind, müssen nicht länger fürchten, von Gerichten eine Mitschuld bei Unfällen zugeschrieben zu bekommen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat der Radlerin Sabine Lühr-Tranck aus Schleswig-Holstein recht gegeben, die 2011 auf dem Weg zur Arbeit schwer am Kopf verletzt worden war. Eine Autofahrerin hatte nach dem Einparken unachtsam die Tür geöffnet und so die Radlerin zum Stürzen gebracht.

Die Klägerin Sabine Lühr-Tranck.

Das Oberlandesgericht Schleswig hatte der verunglückten Physiotherapeutin 2013 eine 20-prozentige Mitschuld an dem Unfall angelastet, weil sie keinen Schutzhelm getragen hatte. Deshalb sollte auch ihr Schadenersatz um 20 Prozent gekürzt werden. Dagegen klagte Lühr-Trenck vor dem BGH – mit Erfolg. „Für Radfahrer ist das Tragen eines Helms nicht vorgeschrieben“, begründete der Vorsitzende Richter Gregor Galke sein Urteil. Auch nach dem „allgemeinen Verkehrsbewusstsein“ sei das Tragen eines Helmes nicht erforderlich, um sich vor Schäden zu schützen. Denn einer Umfrage zufolge hätten 2011 nur elf Prozent der Radfahrer einen Helm getragen, wenn sie innerorts unterwegs waren.

Zuvor hatte auch der Anwalt der Klägerin argumentiert, dass man nicht von Radlfahrern etwas verlangen könne, dass der Gesetzgeber nicht vorschreibe.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßte das Urteil als „guten Tag für die Radfahrer in Deutschland“. Denn Radfahren sei „kein Risikosport, sondern gesunde Bewegung im Alltag“.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist gegen eine Helm-Pflicht, wirbt aber dafür, sich freiwillig zu schützen.

Helm oder oben ohne: So halten es die Radlfahrer

Anja Meyer (25)

Es stört doch nicht: „Ich trage einen Helm, weil meine Freundin zwei Fahrradunfälle gehabt hat. Es stört doch niemanden, wenn er einen Helm aufzieht. Das geht ganz schnell und es schützt vor Verletzungen.“ Anja Meyer (25)

Hans-Peter Beschorner (75)

Ist nicht Pflicht: „Ich trage keinen Helm, weil es noch nicht Pflicht ist. Die Verletzungs­gefahr ist ja nicht so groß. Wäre Radlern ohne Helm bei Unfällen eine Mitschuld zugesprochen worden, würde ich einen tragen.“ Hans-Peter Beschorner (75)

Anna-Maria Ziel (62)

Habe keine Lust: „Ich habe keine Lust, für die zwei, drei Minuten zur Arbeit einen Helm anzuziehen. Ich fahre auch nicht so schnell. Ich sehe nicht ein, wieso ich ohne Helm bei Unfällen eine Mitschuld haben sollte.“ Anna-Maria Ziel (62)

Klaus Mutzbauer (24)

Kaufe mir einen Helm: „Ich trage keinen Helm, weil ich noch nicht dazu gekommen bin, einen zu kaufen. Leider sind Helme auch relativ teuer. Einen Helm zu tragen, finde ich aber sinnvoll, und ich wäre auch für eine Helmpflicht.“ Klaus Mutzbauer (24)

Abraz Streifeneder (15)

Ich hatte Unfälle: „Ich trage einen Helm, weil ich es sicherer finde. Ich hatte schon ein paar Unfälle mit Helm, die glimpflich ausgegangen sind. Ich finde, jeder ist selbst schuld, wenn er keinen Kopfschutz trägt.“ Arbaz Streifeneder (15)

Hans Gaab

Das gibt zu denken: „In unserer Verwandtschaft ist eine junge Frau ohne Helm tödlich verunglückt. Sie ist mit dem Kopf auf den Gehsteig gefallen. Das gibt einem zu denken. Seitdem tragen wir in der Familie alle Helm.“ Hans Gaab (69)

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen

Kommentare