Drahtesel und Tram sind seine Favoriten

Rauf aufs Radl: Bei der Verkehrswende kennt Kabarettist Helmut Schleich keinen Spaß

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Der Kabarettist Helmut Schleich ist in München am liebsten mit dem Radl unterwegs.

Das Thema Verkehrswende steht in München ganz oben auf der Agenda. Der erfolgreiche Kabarettist Helmut Schleich ist passionierter Radfahrer und fordert mehr Anstrengung für ein besseres Radwegenetz.

  • Im Sommer 2020 fällt der Startschuss zu Münchens Fahrrad-Offensive.
  • Zahlreiche Maßnahmen werden ergriffen - die Kosten übersteigen die Milliardengrenze.
  • Der Kabarettist Helmut Schleich setzt als passionierter Radfahrer auf den Ausbau des Radwegenetzes

Wie verändert sich der Radverkehr in München? Der Stadtrat entscheidet am Mittwoch über erste Maßnahmen. Kabarettist Helmut Schleich ist passionierter Radfahrer, im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er, was München in Sachen Verkehrswende noch tun muss.

Herr Schleich, wie bewegen Sie sich in München fort?

In der Tat ist es so, dass ich in erster Linie mit dem Fahrrad unterwegs bin. Die MVG ist mir zu teuer, zu voll und zu anstrengend. Ich fahre mit einem ganz normalen älteren Fahrrad durch die Stadt. Das mache ich schon seit meinen Jugendzeiten so.

Was genau ist das Problem der MVG?

Ich glaube, dass man in München zu linear und zu wenig vernetzt denkt. Man setzt zu einseitig auf die U-Bahn, also auf ein Verkehrsmittel, das irrsinnig teuer und sehr schwer zu bauen ist. Würde man vernetzter denken, dann würde man verstärkt auf die Tram an der Oberfläche setzen. Die liegt bei Weitem hinter ihren Leistungsmöglichkeiten. Wenn man in die Schweiz schaut, was in Zürich oder Basel die Tram im Verkehr leistet. Wirklich große Züge, die 300 Leute aufnehmen und im Unterschied zur U-Bahn eng getaktet fahren können. In München fährt man neuerdings mit Mini-Zügen, zweigliedrig, da wundert sich der Fachmann und der Laie staunt kopfschüttelnd. Ein weiterer Vorteil der Tram ist, dass sie durch den Gleiskörper den Verkehrsraum automatisch neu definiert. Ich denke, München muss die Tram deutlich stärken und nicht mit dem Buntstift Bilder von U-Bahn-Linien auf den Stadtplan zeichnen, von denen wir ja wissen, dass die erst in vielen Jahren fertig sein werden. Bis dahin ist uns das Verkehrsproblem über den Kopf gewachsen.

„Es hat sich auch beim Fahrrad eine gewisse soziale Differenzierung etabliert“

München plant Radschnellwege. Gut so?

Ich bin sehr dafür, dass man das Radwegenetz ausbaut. Es gibt da ja immer noch Abstrusitäten, dass Radwege im Nichts enden. Ein Radschnellweg ist schwierig. Es hat sich ja auch beim Fahrrad eine gewisse soziale Differenzierung etabliert: Je teurer und stärker ein Fahrrad ist, desto mehr Rechte, schnell zu fahren und sich Vorrang zu verschaffen, glaubt der Radfahrer zu haben. Das ist wie auf einer Autobahn. Ich bekomme das auf der Clemensstraße mit, wo die Autofahrer begriffen haben, wie es gemeint ist. Aber E-Scooter oder Lastenradler meinen, sie hätten Vorrang. Wenn du da mit einem Fahrrad alter Bauart unterwegs bist, bist du Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse.

Beim Besuch der Redaktion unserer Zeitung diskutierte Helmut Schleich über den Verkehr der Zukunft.

Was halten Sie generell von E-Scootern?

Das ist eine Geschäftsidee, die bringt uns für die innerstädtische Mobilität nicht viel. Es ist auch ökologisch nicht sonderlich vernünftig. Das ist sicher nicht das, was München braucht.

Im Stadtrat soll auch beschlossen werden, dass entlang des gesamten Altstadtrings breite Radwege geschaffen werden.

Das finde ich sehr gut. Gerade auch, dass man Radwege als Teil des Straßenraums definiert. Da ist viel zu lange nicht passiert. Nahezu überall ist es noch so, dass Radwege Teil des Gehweges sind oder dass ein ohnehin schon schmaler Gehweg für einen Radweg auch noch geteilt wurde.

Was würden Sie denn tun, wenn Sie Oberbürgermeister wären, was wäre die erste Amtshandlung?

Ich würde als erstes Dieter Reiter fragen, ob er die Geschäfte für mich führt.

Interview: Sascha Karowski und Klaus Vick

1,5 Milliarden Euro für breites Radwegenetz

Die Umsetzung der beiden Bürgerbegehren „Radentscheid“ und „Altstadt-Radlring“ wird die Stadt wohl eine Menge Geld kosten. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025. Insgesamt sollen im Stadtgebiet in diesem Zeitraum Radwege auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern ausgebaut werden. Am Mittwoch im Stadtrat werden die ersten Maßnahmen beschlossen. Der Startschuss für den Altstadt-Radlring fällt im Sommer 2020 in der Blumenstraße im Abschnitt zwischen Sendlinger-Tor-Platz und der Papa-Schmid-Straße nahe der Hauptfeuerwache. Sukzessive sollen dann in den weiteren Jahren 2,30 bis 2,80 Meter breite Radwege am gesamten Altstadtring entstehen.

Wird München bald zur Radl-Hauptstadt? 450 neue Fahrrad-Kilometer in der Landeshauptstadt: Die Münchner Verwaltung reagiert auf Forderungen des Bürgerbegehrens und rechnet bis 2025 mit Kosten von über einer Milliarden Euro.

Die Verkehrssituation auf der Fraunhoferstraße ist nach wie vor ein Streitthema. Die Anwohner beschweren sich auf der Bürgerversammlung. Die neuen Radstreifen kommen indessen gut an.

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