Herbies "Circus wünsch' Dir was"

Herbert Grönemeyer im Circus Krone: tz-Kritik

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Herbert Grönemeyer verzückte 3.000 Fans im Circus Krone.

München - Herbert Grönemeyer hat am Montagabend ein Konzert im Circus Krone gegeben. Der Barde gab dabei Lieder zum Besten, "die wir sonst nicht mehr spielen". Die Konzert-Kritik:

Kein Alkohol, kein Mensch, kein Männer, keine Currywurst. Herbert Grönemeyer (56) im Circus Krone – und keiner seiner allergrößten Stadionhits. Was soll das? (gab’s natürlich auch nicht). Ganz einfach: Es sollte eine gigantische Zeitreise zum Jubiläum „Blick zurück – 30 Jahre – Halbzeit“ werden. Die Jubiläums-Club-Tournee macht nur auf kleinen Bühnen halt. Und Grönemeyer erscheint dort größer, ein bisschen fülliger, jedoch fitter denn je.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Die Fans hatten vor den Konzerten das Wort: 50 Lieder standen auf der Homepage zur Wahl. Alte und neue Juwele jenseits der Klassiker. Liebhaberstücke der echtesten unter den vielen echten Herbie-Fans, die es aber nicht mehr auf die Setlist der Konzert-Touren schaffen. Ein Best-of von gestern bis weit über Mensch hinaus – ohne die alten Gassenhauer. Und ohne die Sentimental-werke Stück vom Himmel, Der Weg und Demo (letzter Tag), Grönemeyers musikalischer Aufarbeitung der tragischen Todesfälle von Frau Anna (45) und Bruder Wilhelm (44) binnen weniger Tage 1998.

Der Liedermacher hat sich selbst immer wieder hochgezogen, Licht und Schatten durchlitten und durchlebt. Jetzt steht er da mit seinen 56 Jahren, aufgeräumter als je zuvor, mit sich im Reinen. Keine melodramatischen Seelenspiegel, auch die früher gern benutzten politischen Botschaften braucht er nicht mehr.

Es ist die pure Lust an der Musik, das Auf-der- Bühne-Stehen, die aus seinen kleinen Augen spricht. Diese Freude lässt ihn seinen eigenwilligen Stil tanzen bei Fisch im Netz, bei Luxus, bei Verführe mich und dem Konsum-Appetitmacher Kaufen. Natürlich versteht man immer noch nicht jedes Wort dieser Ruhrpott-Ikone, der jetzt je die Hälfte des Jahres in London und Berlin verbringt. Egal, denn: „Zusammen mit dir können die Tomaten ruhig fliegen“, grölt er in Total egal.

Tomaten und Buh-Rufe gab es noch nie für einen der letzten deutschen Bühnenhelden mit 13 Millionen verkauften Alben. Aber schwierig war die Anfangszeit dennoch, bis zum Durchbruch mit seiner 4630 Bochum-Scheibe. „Zwei Leute beim ersten Konzert waren es“, erinnert sich Grönemeyer. „Und hier in München mussten damals im Alabama auch zehn Biertische eng zusammengestellt werden, damit es voll aussah.“

Das war im Krone, diesem Circus der 3000 Glückseligen, ganz anders. Sie lieben ihr Idol für seine Musik und sie lauschten seinen Anekdoten: Dass die Mama das anrüchige Moccaaugen- Stück nicht mochte. Dass es Anrufe von aufgebrachten Psychologinnen gab für Kinder an die Macht. Und dann flogen sie auch schon auf die Bühne, die Teddys und die Armeen aus Gummibärchen. Grönemeyer, dieser herrliche Kindskopf, schmiss singend zwei von ihnen in die Luft und fing sie mit dem Mund auf.

Es waren die einzigen Showeffekte auf der Bühne, die lediglich von fünf nostalgischen Stehlampen geschmückt wurde. Und natürlich von sechs großartigen Musikern, die seit Ewigkeiten an Grönemeyers Seite stehen. Sie sind in den großen Arenen schlichtweg zu weit weg, um ihren Spaß und die Hingabe für Arbeit zu sehen – allen voran von Saxophon-Veredeler Frank Kirchner.

Imposant ist sie, die Jubiläums-Tour von Grönemeyer, voller Kraft, Energie und so richtig laut. In Wien musste vor ein paar Tagen ein parallel stattfindendes Konzert im angrenzenden Mozart-Saal abgebrochen werden wegen des akustischen Herbie-Donners nebenan. Ärger mit der Nachbarschaft gab es im Krone nicht. Die Elefanten sind derzeit mit dem Circus auf Tour in Passau.

Stefan Dorner

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