In zehn Jahren stiegen die MVV-Preise bis zu 50 Prozent

Herr König, wieso langen Sie so zu?

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Vor zehn Jahren kostete es knapp 75 Prozent weniger, wenn das Fahrrad mit in die Bahn kam.

Warum schraubt der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) seine Preise jedes Jahr mit unschöner Regelmäßigkeit in die Höhe? Seit 1998 ergibt sich bei den gefragtesten Fahrkarten (siehe Tabelle) unterm Strich sogar ein Anstieg um glatte 50 Prozent!

Im gleichen Zeitraum ist der allgemeine Verbraucherindex nur um 16,5 Prozent in die Höhe gegangen. Im Vergleich zum Vorjahr schlägt der MVV heuer im Schnitt 3,8 Prozent drauf.

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Herbert König, Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und damit Herr über U-, Trambahnen und Busse im MVV, begründet die Erhöhung 2008 vor allem mit den höheren Kosten für Energie und Diesel, für mehr Sicherheitspersonal und die Ausweitung von Leistungsangeboten. 2008 sind Investitionen im Wert von drei Millionen Euro vorgesehen (s. u.). Etwa den gleichen Mehrbedarf wie die MVG habe die Deutsche Bahn für den S-Bahnverkehr angemeldet, so König.

Immerhin hat der Verbund seinen Kunden heuer eine Schonfrist bis 1. Juli eingeräumt und greift ihnen nicht schon wie üblich am 1. April tiefer in die Tasche. Grund dafür sei laut König nicht die Kommunalwahl gewesen, sondern ein etwa zweiprozentiger Zuwachs an Fahrgästen auf über 500 Millionen. Um diese Massen künftig besser zu verteilen, wird die IsarCard 9 Uhr nur um einen bzw. zwei Euro teurer, eine vergleichsweise moderate Steigerung.

Und König rechnet weiter vor: U-Bahnen, Busse und Trambahn fahren jährlich gut 300 Millionen Euro ein, davon müssten allerdings die Betriebskosten gedeckt werden. Die Muttergesellschaft Stadtwerke und private MVG-Partner investierten jedes Jahr um die 100 Millionen in den Nahverkehr. Fahrzeuge, Gleisanlagen, Rolltreppen und Bahnhöfe müssten in Schuss gehalten und hier und da auch erneuert werden. Bei den Stadtwerken falle so ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe an, berichtet der MVG-Chef. Ein U-Bahnzug koste beispielsweise neun Millionen, sein Unterhalt später nochmals ein Mehrfaches dieses Betrages.

Den MVV-Kunden dürften trotz dieser Erklärungen die eigenen Finanzen jedoch näher liegen: Schüler und Azubis zum Beispiel, die Monatskarten im Ausbildungstarif I kaufen, zahlen 2008 das Zweifache des Betrages, den Altersgenossen vor zehn Jahren hingelegt haben. Diese überproportionale Erhöhung liegt laut MVV-Sprecherin Beate Brennauer daran, dass sich der Freistaat seit fünf Jahren mehr und mehr aus der Bezuschussung dieser Tickets zurückziehe. Seit 2003 haben die Tariferhöhungen bei dieser Gruppe deshalb besonders heftig zu Buche geschlagen. Als letzte Untergruppe trifft es heuer noch den Ausbildungstarif 1 mit acht Zonen mit 13,1 Prozent Preisteigerung. Diese Karten würden allerdings kaum nachgefragt, so Brennauer.

Das tröstet Eltern mit schmalem Haushaltsbudget eher wenig: Die Streifenkarte für Kinder wurde heuer wegrationalisiert; 1998 zahlten Sechs- bis 14-Jährige nicht mal die Hälfte des Erwachsenenpreises, ab 1. Juli das Gleiche! Ebenfalls erheblich teurer wurde in diesem Zeitraum die Fahrradmitnahme mit einem Plus von 74,8 Prozent. 2008 wird’s allerdings nicht teurer. Beate Brennauer preist das 2,80-Euro-Ticket sogar als Tageskarte fürs Radl. Früher habe man für jede Fahrt stempeln müssen.

Sauerei: MVV wieder teurer!

Was sagen die Münchner zur Preiserhöhung des MVV?

Taktverbesserungen und neue Busse

In den letzten zehn Jahren wurde das Leistungsangebot um über 10 Prozent erweitert, so MVG-Chef Herbert König. Mit dem nächsten Fahrplan kommen weitere Verbesserungen: Taktverbesserungen bei Bussen auf hoch frequentierten Strecken, einige neu eingesetzte Fahrzeuge. Das Fahrgastplus erfordert auch Maßnahmen in den U-Bahnen. Versucht werden soll u. a. eine andere Sitzanordnung bei älteren Zügen, Taktverdichtungen auch außerhalb der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitze und Verstärkerlinien auf manchen Verbindungen.

MVV-Preise im Vergleich19982008Steigerung in Prozent

Streifenkarte 10 Streifen14,00 DM (7,16 €)11,00 €53,6%

1 Streifen1,40 DM (0,72 €)1,10 €52,8%

Stadtfahrt mit Streifenkarte2,80 DM (1,43 €)2,20 €53,8%

Stadtfahrt mit Einzelkarte3,50 DM (1,79 €)2,30 €28,5%

Kurzstrecke mit Streifenkarte1,40 DM (0,72 €)1,10 €52,8%

Stadtfahrt Kind mit Streifenkarte1,10 DM (0,56 €)1,10 €96,4%

Fahrradmitnahme-Pauschale2,80 DM (1,43 €)2,50 €74,8%

Tageskarte Innenraum8,50 DM (4,35 €)5,00 €14,9%

München–Starnberg mit Streifenkarte5,60 DM (2,86 €)4,40 €53,8%

München–Flughafen mit Streifenkarte11,20 DM (5,73 €)8,80 €53,6%

Grüne Karte/IsarCard9Uhr Innenraum62,00 DM (31,70 €)45,00 €42,0%

Grüne Karte/IsarCard9Uhr Gesamtnetz84,00 DM (42,95 €)61,00 €42,0%

Seniorenkarte/IsarCard60 Innenraum49,00 DM (25,05 €)37,00 €47,7%

Seniorenkarte/IsarCard60 Gesamtnetz73,00 DM (37,32 €)53,00 €42,0%

Monatskarte 3 Innenzonen / 3 Ringe von Giesing nach Pasing68,40 DM (34,97 €)50,40 €44,1%

Monatskarte 5 Innen- und 2 Außenzonen / 6 Ringe von Olching zum Petuelring126,90 DM (64,88 €)79,10 €21,9%

Ausbildungstarif I Monatskarte 2 Zonen/2 Ringe28,50 DM (14,57 €)30,10 €106,6%

Netzkarte Jahr Innenraum/ IsarCard 4 Ringe (Abo jährliche Zahlung)1330,00 DM (680,02 €)570,00 €-16,2%

Quelle: tz

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