Herr OB Ude, warum ... gibt es kein Trinkgeld mehr für die Müllmänner?

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Für die Müllmänner in München gibt es heuer kein Trinkgeld mehr.

Warum sind Sie so unsozial und streichen den Müllmännern das Weihnachtstrinkgeld?

Diese Frage stellte Hildegard Pfohl aus Sendling dem OB.

Antwort von OB Ude:

Wie hart und schwer der Dienst der Müllwerker ist, weiß ich wohl (er wird aber auch durch mehrere Zulagen gewürdigt). Ich weiß aber auch, wie anstrengend die Arbeit städtischer Erzieherinnen oder Straßenreiniger ist – und denen war die Annahme von Trinkgeldern seit jeher untersagt. Die Ausnahme, die in der Vergangenheit bei der Müllabfuhr gemacht wurde, kann also wirklich nicht mit sozialer Gerechtigkeit begründet werden. Sie hat sich in der Praxis ergeben, sich aber nicht bewährt. So erreichten mich immer mehr Beschwerden von Münchnerinnen und Münchnern, die sich bei den Weihnachts- oder Neujahrsgrüßen an der Haustür regelrecht zu Trinkgeldern „genötigt“ sahen; sicher zu Unrecht, aber das ändert nichts am schlechten Gefühl. Viele haben sich sogar beschwert, dass „die Stadt selbst neben den kostendeckenden Müllgebühren „ein weiteres Mal zusätzlich abkassiert“.

Nicht nur im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, die ebenfalls Enormes für die Bürgerschaft leisten, hat sich eine Ungerechtigkeit ergeben, sondern auch im Abfallwirtschaftsbetrieb selbst: Da gibt es nämlich äußerst „lukrative“ und „unergiebige“ Partien. Der Streit um „lukrative“ Partien am Jahresende störte schon den Betriebsfrieden.

Aber das war noch nicht das Schlimmste: Wenn Trinkgelder einige Hundert, ja mehrere Tausend Euro pro Beschäftigten ergeben, ruft das die Korruptionsbekämpfung auf den Plan: Liegt nicht der Verdacht nahe, dass einträgliche Trinkgelder während des Jahres durch Gefälligkeiten beantwortet werden, die die Stadt um Einnahmen bringen und dann letztlich zu einer Mehrbelastung aller Gebührenzahler führen? Ich will hier niemanden zu Unrecht verdächtigen, aber die Warnungen der Antikorruptionsbeauftragten kann und darf ich nicht vom Tisch wischen.

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Wir reden hier nach der jüngsten Untersuchung von mindestens einer halben Million Euro. Im vergangenen Jahr habe ich das Trinkgeld ausdrücklich zum letzten Mal erlaubt, weil sich viele Beschäftigte in ihrer finanziellen Planung auf diese Zusatzeinnahme verlassen haben. Um so große Beträge geht es also! In diesem Jahr konnten sie sich zwölf Monate lang darauf einrichten, dass es keinen Zusatzverdienst gibt.

Quelle: tz

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