Herr OB Ude, warum gibt es in München kein Semesterticket?

OB Christian Ude erklärt die Bedeutung des Begriffs Semesterticket und wie es finanziert werden könnte.
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OB Christian Ude erklärt die Bedeutung des Begriffs Semesterticket und wie es finanziert werden könnte.

OB Christian Ude beantwortet Fragen der tz-Leser.

Frage: In vielen deutschen Städten geht es doch auch, dass die Studenten ein vergünstigtes Semesterticket bekommen. Warum geht das hier nicht, obwohl die Kosten für Studenten besonders hoch sind?

Antwort OB Christian Ude: Das ist eine gute Frage, die mir aus studentischen Kreisen oft gestellt wird. Aber leider wissen die meisten nicht, was ein „Semesterticket“ ist. Viele meinen, hier handle es sich einfach um eine soziale Vergünstigung, das ist aber so nicht richtig. Das Semesterticket stellt vielmehr eine Umlage der Kosten der ÖPNV-Benutzung auf alle Studenten dar. Ein Beispiel: In einer Universitätsstadt fahren 30 Prozent der Studenten mit dem Bus in die Uni oder zu sonstigen Terminen. Wenn ein Semesterticket eingeführt wird, müssen sämtliche Studenten dieses Ticket erwerben, die Kosten der 30 Prozent werden also auf 100 Prozent umgelegt. Das bedeutet eine geringe Kostenbelastung für die 70 Prozent der Studenten, die den Bus nicht benutzen, und eine erfreuliche Entlastung der ÖPNV-Fahrgäste, die fortan sehr viel weniger zahlen müssen.

In München, mit seinem vorbildlichen U-Bahnnetz, seinen Bussen und Trambahnen schaut aber schon die Ausgangslage ganz anders aus: Es fahren bereits drei Viertel der Studentenschaft mit dem ÖPNV; legt man diese Kosten auch auf das restliche Viertel der Nicht-Benutzer um, entsteht für diesen Personenkreis eine so hohe Belastung, dass das Bundesverfassungsgericht dies mit Recht als unzumutbar bezeichnet. Dieses Problem ist seit Jahren bekannt, eine geniale Lösung ist noch niemandem eingefallen.

Eine Umlage der Kosten auf die berufstätigen Fahrgäste kommt nicht in Betracht. Natürlich könnte man ein Semester-ticket auch durch Zuschüsse des Landes ermöglichen, denn das Bundesland ist ja für Hochschulen zuständig. So geschieht es in Nordrhein-Westfalen. Dort subventioniert das Land das Semesterticket mit 21 Millionen Euro im Jahr. Bayern ist weder wesentlich kleiner noch wesentlich ärmer als NRW, es ist also nicht einzusehen, warum so ein Zuschuss nicht auch bei uns möglich sein sollte.

In finanzielle Bedrängnis kamen Bayerns Studenten vor allem durch die Einführung der Studiengebühren. Sie belasten jeden Studenten mit bis zu 1000 Euro im Jahr. Wenn die Universitäten jetzt sagen, dass die Erreichbarkeit der Institute zu den wichtigen Studienbedingungen zählt, könnten sie ja einen Teil ihrer Einnahmen aus den Studiengebühren für das Semesterticket zur Verfügung stellen. Die Studiengebühren sollten ja die Studienbedingungen verbessern und nicht verschlechtern.Der MVV ist bereit, erneut mit den Vertretern der Studentenschaft zu klären, ob es ein unter hiesigen Bedingungen funktionierendes Modell gibt. Ohne Hilfe von Staat und Hochschulen wird es aber sehr schwierig bleiben.

Hier fehlt das Schild Schönfeldstraße

... weist kein Schild auf die Schönfeldstraße hin?

Frage:

Warum ist die Schönfeldstraße an der Abzweigung von der Ludwigstraße nicht mit einem Straßenschild gekennzeichnet? Hier sind doch so wichtige Einrichtungen wie das Josephinum und das Restaurant Halali angesiedelt.Eduard und Edith Schropp

Antwort:Sie haben ja so recht! Ihr Hinweis wäre sogar berechtigt, wenn in der Schönfeldstraße keine so wichtige Klinik wie das Josephinum untergebracht wäre. Des Rätsels Lösung: Das Straßenschild wurde geklaut! Dies stellte das Baureferat bei einer Ortsbesichtigung aufgrund Ihres Hinweises fest. Das neue Schild wurde schon bestellt, es wird sofort nach Lieferung im Januar montiert. Versprochen! Vielen Dank für Ihren Hinweis.PS: Bürger, schont eure Straßenschilder!

... durfte ich im Fundamt die Schlüssel nicht sehen?

Frage:

Vor Kurzem war ich in der verzweifelten Lage, meinen Schlüsselbund nicht mehr zu finden. Also fuhr ich an einem normalen Wochentag am Nachmittag quer durch die Stadt zum Fundbüro nach Sendling. Dort stand ich aber vor einer verschlossenen Tür. Öffnungszeiten sind zwar angegeben, aber wer denkt schon an so was. Warum ist nicht mal der lange Gang, wo Hunderte von Schlüsseln hängen, jederzeit zugänglich?Alfred Langer, per e-mail

Antwort: Auch wenn es Sie überrascht: Behörden haben nun einmal Öffnungszeiten, private Geschäfte übrigens auch. Warum Schlüsselsuchende bevorzugt behandelt werden sollen, wäre allen anderen Bürgerinnen und Bürgern kaum zu vermitteln, die beispielsweise ihr Portemonnaie oder ihre Handtasche verloren haben.

Wenn der „Schlüssel-Gang“ durchgängig geöffnet wäre, müsste genauso wie im regulären Parteiverkehr mindestens ein Sachbearbeiter für Aufsicht, Auskünfte und Aushändigung zur Verfügung stehen. Die Stadt könnte es doch gar nicht verantworten, Dieben und Einbrechern den kostenlosen Erwerb von Schlüsseln aller Art und eventuell näherer Hinweise auf die fraglichen Wohnungen zu ermöglichen. Die Haftungsfolgen wären unabsehbar! Auch das Fundamt braucht während der Arbeitszeit Stunden für störungsfreie Sach- und Lagerarbeiten sowie für Besprechungen außerhalb des Parteiverkehrs.

Quelle: tz

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