Herr OB Ude, warum sperrt die Stadt die Autofahrer aus?

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In München gibt‘s immer mehr Parklizenzzonen – viele Bürger fühlen sich gegängelt

München - OB Christian Ude beantwortet für die tz Leserfragen. Thema heute: Parklizenzzonen.

Frage: Warum wird unsere Weltstadt mit Herz in sogenannte Parklizenzzonen unterteilt, die Bewohner eingrenzen und Besucher ausgrenzen und das auch noch für viel Geld und Strafzettel über 15 Euro? Warum werden nicht gleich Schlagbäume aufgestellt, die man nur mit teuren Codekarten öffnen kann? Habe mir 1963 diese schöne Stadt zum Leben und Wohnen erkoren, aber von Jahr zu Jahr fühle ich mich hier mehr gegängelt.

Marlis Moll, Bogenhausen

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

Strecke

Antwort:

Wenn Sie München lieben, wissen Sie sicher, was den Reiz dieser Stadt ausmacht: Die Altstadt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mit großen Verkehrsschneisen und Parkhäusern zugepflastert, wie es die damals moderne Vision von der „autogerechten Stadt“ vorsah, sondern in ihren historischen Grundrissen und Dimensionen wieder aufgebaut. Und die angrenzenden Wohnquartiere entsprechen der historischen Bauweise, bei der nur wenige Stellplätze vor dem Haus vorgesehen waren und nicht für jede Wohneinheit ein bis zwei Stellplätze, wie sie heute erforderlich wären.

Mit der Automobilisierung wurde die Parknot immer schlimmer. Niemand kann nachträglich so viele unterirdische Garagen bauen und finanzieren, dass für alle Anwohner, Gewerbebetreiber und deren Besucher und Kunden genügend Parkraum zur Verfügung steht.

Als die Parkplatzsuche im eigenen Viertel immer schwieriger wurde, haben die Anwohner gefordert, bei der Parkplatzsuche bevorzugt zu werden, damit sie wieder mit dem Auto nach Hause fahren können. Pendler hingegen, die acht Stunden lang einen Parkplatz beanspruchen, sollten veranlasst werden, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Das Parkraummanagement mit seinen Parklizenzgebieten wurde übrigens gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer, dem Einzelhandelsverband und der Technischen Universität München konzipiert und mittlerweile von fast allen deutschen Großstädten eingeführt.

Zu den Nutznießern gehören nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, die endlich eine Chance haben, in der Nähe der eigenen Wohnung das Auto abzustellen, sondern auch die Kunden von Geschäften und Gaststätten, für die es leichter geworden ist, für kurze Zeit einen gebührenpflichtigen Parkplatz zu finden (früher war der Platz zwar gebührenfrei, aber genau aus diesem Grund häufig ganztägig von einem Pendler besetzt).

Weil sich die Parklizenzgebiete trotz der Einschränkungen für Auswärtige glänzend bewähren, fordern immer mehr Bürgerinnen und Bürger, weitere Lizenzgebiete einzuführen. Dies wird schrittweise realisiert. Der Stadtrat hat aber keineswegs beschlossen, dass rund um die Innenstadt bzw. den Mittleren Ring „Schlagbäume“ zu errichten sind und die gesamte Stadt vollständig mit Parkscheinautomaten zu überziehen ist. Vielmehr soll und wird das Parkraummanagement ausdrücklich nur bedarfsgerecht und in enger Abstimmung mit der unmittelbar betroffenen Anwohnerschaft ausgedehnt. Bedarfsgerecht bedeutet, dass im jeweiligen Gebiet tatsächlich ein erheblicher Parkraummangel besteht, dem im Interesse der Anwohnerschaft abgeholfen werden muss. Es wird außerdem darauf geachtet, dass die einzelnen Gebiete gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreicht werden können.

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