Innenminister droht / Ausländerbehörde wartet Urteil ab

Herrmann will die Schläger abschieben

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Heute erfahren sie ihre Strafe: die beiden U-Bahn-Schläger von München

Heute wird im Prozess gegen die U-Bahn-Schläger vom Arabellapark das Urteil verkündet.

Innenminister Joachim Herrmann erklärte bereits vorab: „Für mich ist ganz klar, dass die brutalen Schläger ausgewiesen und nach Verbüßung der Haftstrafe auch abgeschoben werden müssen“, sagte der CSU-Politiker gestern. Herrmann weiter: „Es würde niemand verstehen, wenn Ausländer, die eine derartige Brutalität an den Tag legen, weiter in Deutschland bleiben könnten, zumal ein Täter auch seine deutschfeindliche Haltung deutlich zum Ausdruck gebracht hat.“

Hohe Haftstrafen für U-Bahn-Schläger

Hohe Haftstrafen für U-Bahn-Schläger © dpa
Das Gericht verurteilte wegen versuchten Mordes: Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera im U-Bahnhof Arabellapark dokumentieren die ganze Brutalität ihrer Tat. © dpa
Serkan A. und Spyridon L. haben am 20. Dezember 2007 den Rentner Bruno N. fast zu Tode geprügelt. © dpa
Opfer Bruno N. leidet noch heute unter der Attacke. © Leiprecht
Zur tz sagte der 76-Jährige: "Ich kämpfe jeden Tag um mein Leben" © Leiprecht
Serkan A. (l.) und Spyridon L. (r.) mussten sich für die Attacke vor Gericht verantworten. © dpa
Spyridon L. zeigte Reue, erzählte vor Gericht, dass er an diesem Tag acht Bier getrunken habe. „Ich war dicht,“ sagte er. „Herr Richter, wenn ich getrunken habe, werde ich total aggressiv.“ © Unfried
Auch Serkan A. bereute die Tat: „Die ganze Angelegenheit tut mir sehr leid“, ließ er über seinen Anwalt erklären. © Unfried
Staatsanwalt Laurent Lafleur forderte hohe Haftstrafen für beide Täter wegen versuchten Mordes. “Es ist klar, dass ein 76-jähriger älterer Herr bei solchen Schlägen sterben kann“, sagte Lafleur. © Unfried
Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Kreuzer vertrat Spyridon L. © Unfried
Gerichtsmedizinerin Dr. Sybille Lüderwald begutachtete die U-Bahn-Schläger Serkan A. und Spyridon L. sowie Tatoofer Bruno N. © Unfried
Richter Reinhold Baier (Vorsitzender Jugendkammer München I) führte den Prozess. © Unfried
Der Prozess sorgte von Anfang an für großes Medien- und Publikumsinteresse. © dpa

Der Türke Serkan A. (21) ist in München geboren, der Grieche Spyridon L. (18) war als Kind mit seinen Eltern eingewandert. Die Ausländerbehörde der Stadt München erklärte, nach einem rechtskräftigen Urteil werde sie ihr weiteres Vorgehen prüfen und mit der Regierung von Oberbayern abstimmen. Maßgebliche Behörde bei Abschiebungen ist letzten Endes aber das Innenministerium. Auch EU-Bürger wie Spyridon können aus Deutschland abgeschoben werden, wenn sie zu Haftstrafen von mehr als fünf Jahren verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen versuchten Mordes für Spyridon L. 9 Jahre Haft, für den zur Tatzeit 20-jährigen Serkan A. zwölf Jahre.

Unabhängig von diesem aktuellen Fall diskutierten gestern im Justizpalast Richter, Kriminologen und Opferschützer über das Thema „Jugendgewalt“. Für Josef Wilfling, Leiter der Mordkommission bei der Münchner Polizei, steht fest: „Ab 18 Jahren sind Gewalttäter wie Erwachsene zu behandeln.“ Wilfling fordert ein Alkoholverbot für Jugendliche und den rechtzeitigen Schuss vor den Bug: „Verwarnungen, Sozialstunden, dann härtere Strafen. Erst zweimal Gelb, dann Rot!“ Bewährungsstrafen würden zu oft als Freispruch empfunden, sagte Wilfling und schlug den Bogen zu den U-Bahn-Schlägern: „Die sind nach der Vernehmung aufgestanden und dachten: Wir gehen heim.“

fla

Schauspieler Udo Wachtveitl war selber schon Opfer von Jugendkriminalität.

Auch Wachtveitl war Opfer

Wie sollen Jugendliche bestraft werden? Auch Schauspieler Udo Wachtveitl diskutierte mit:

Wegsperren oder vorsorgen – was sagen Sie?

Jugendliche Gewalttäter sollen bestraft werden – mit Blick auf die Opfer: Sie sollen Gerechtigkeit empfinden. Es ist unerträglich, wenn ein Täter hämisch lächelnd mit einem milden Urteil aus der Verhandlung geht. Andererseits ist klar: Ein Schuss vor den Bug hilft oft.

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Sie waren auch schon Opfer eines jungen Täters…

Ich wurde einmal mit einem Messer angegriffen. Ich habe den Jugendlichen geschüttelt, ihm durch Reden den Wind aus den Segeln genommen. Ich glaube aber nicht, dass es heute mehr Jugendgewalt gibt. Sie steht nur mehr im Fokus.

Soll unser Jugendstrafrecht verschärft werden?

Ich glaube, dass es ganz gut funktioniert. Will man es verschärfen, sollte man immer fragen: Was bedeutet das für die Jugendlichen? Höhere Strafen schrecken Gewalttäter nicht unbedingt ab.

Quelle: tz

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