Vorschlag von Herrmann

Zweiter S-Bahn-Tunnel auch für Regionalzüge?

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Nach den Plänen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann könnte durch den geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel auch Regionalzüge fahren.

München - Täglich ärgern sich Passagiere über überfüllte Züge, und die Einwohnerzahl der Stadt steigt stetig. Innenminister Herrmann hat sich einmal mehr für den neuen Tunnel unter der Stadt ausgeprochen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält an einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke für München fest. Durch den zusätzlichen Tunnel sollen dann auch Regionalzüge fahren, etwa aus Garmisch-Partenkirchen oder Rosenheim, sagte Herrmann dem "Münchner Merkur" (Samstag). Anfang April ist das Thema zuletzt im Landtag diskutiert worden. CSU und SPD sprachen sich für den Tunnel aus, die Grünen forderten, das Großprojekt zu beerdigen.

Etwa 2,5 Milliarden Euro sind für das Projekt veranschlagt - sofern es im Jahr 2015 begonnen und 2023 abgeschlossen wird, wie Herrmann sagte. Für Mitte des Jahres rechnet der Minister mit dem zweiten Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes, zum Jahresende mit dem dritten und letzten.

Dass das Projekt gar nicht erst zustande kommt, glaubt Herrmann nicht. Jedoch stellte er in dem Interview klar, dass es in München keine Pleite-Projekte wie den Berliner Flughafen oder die Hamburger Philharmonie geben werde. "Wir wollen die zweite Stammstrecke, aber nicht zu jedem Preis." Deshalb werde auch die Kostenentwicklung sehr streng beobachtet. Eine letzte Ausstiegsmöglichkeit aus dem Bauprojekt gebe es nach der Ausschreibungsphase.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer hat vor einem "Finanzgrab" gewarnt. "Ich will die Stammstrecke. Sie ist notwendig", betonte der CSU-Politiker bereits Anfang April in der "Süddeutschen Zeitung. "Aber wir können sie nicht um jeden Preis bauen."

Eine Alternative zur zweiten Stammstrecke gibt es laut Herrmann nicht. Den Grünen hatte er bei der Landtagsdebatte zum Thema vorgeworfen, keinen besseren Vorschlag präsentieren zu können. Grünen-Abgeordneter Markus Ganserer sagte: "Tragen Sie die Planung für die zweite Röhre endgültig zu Grabe." Die Freien Wähler hatten weitere Kostensteigerungen prophezeit.

Die Münchner Stammstrecke ist eine Ost-West-Verbindung der S-Bahn zwischen Ostbahnhof und Bahnhof Pasing. Alle S-Bahn-Linien nutzen zumindest teilweise diesen Streckenabschnitt. Angesichts des Bevölkerungszuwachses in München fordert auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Nach einer im Februar vorgestellten IHK-Studie dürften bis zum Jahr 2030 gut 1,5 Millionen Menschen in der Landeshauptstadt leben. Die zweite Stammstrecke der S-Bahn sei erforderlich, "um den drohenden Verkehrsinfarkt abzuwenden", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen damals.

dpa

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