Münchner Ärzte kämpfen um schwerkranke Patienten

Herz-Drama um Daniel (3): Was seine Mama im Rettungshubschrauber durchmachte

Diana Dietrich kniet neben ihrem Sohn Daniel. Der Dreijährige hält ein Kuscheltier im Arm.
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Unzertrennlich: Diana Dietrich (37) und ihr Sohn Daniel (3).

Im letzten Moment entrissen die Ärzte den kleinen Daniel dem Tod. Trotzdem bangt er weiter um sein Leben. Der Dreijährige braucht ein neues Herz. Sein Schicksal zeigt, wie wichtig Organspende ist. Dafür werben Daniels Mama und das LMU Klinikum mit einer neuen Aktion - und hofft auf die Unterstützung unserer User.

  • Der schwerkranke Daniel wurde in letzter Sekunde ins Uniklinikum Großhadern geflogen.
  • Seine Mama: „Sein Gesicht war so weiß wie sein Schlafanzug.“
  • Der Dreijährige wartet jetzt seit 875 Tagen auf ein Herz.
  • Neue Aktion für Organspender - Unterstützer gesucht.

An diesem Samstag ist Tag 875. Zweieinhalb schier endlose Jahre für Daniel (3) und seine Mutter Diana Dietrich (37) voller Angst, Sorgen und Entbehrungen – nur erträglich in der großen Hoffnung, dass am Ende alles gut wird. Dass der ersehnte Anruf kommen und jemand sagen wird: „Wir haben ein Herz für Daniel.“

Das Drama begann mit wochenlangem Dauerhusten

Mit mittlerweile drei Jahren weiß Daniel nicht, wie sich Autofahren, Eisdiele, Pony streicheln, ein Ausflug in die Berge oder an den See anfühlen. Am 23. Oktober 2018 morgens um 5 Uhr begann der Kampf um sein Leben. Vorangegangen war ein wochenlanger Dauerhusten. Die Ärztin empfahl: „Viel inhalieren.“ Doch an jenem frühen Oktober-Morgen packte die Eltern die Angst: „Daniel atmete flach. Sein Gesicht und seine Lippen waren so weiß wie sein Schlafanzug.“ In der Klinik in Augsburg wurde Daniel geröntgt. Diana Dietrich: „Ich war eigentlich ganz ruhig. Bis ich den Blick des Arztes sah. Ihr Kind ist todkrank, sagte er. Es war, als bräche die Erde unter mir auf.“ Daniel wurde mit einer dilatativen Kardiomyopathie geboren – einer extrem seltenen Herzerkrankung. Auf dem Flug ins Klinikum Großhadern starrte Diana auf die Hand des Notarztes auf Daniels Brustkorb. „Sie hob und senkte sich. Ich wollte aus dem Hubschrauber springen, falls Daniel sterben sollte. Aber dann sagte ich zu Gott: Du kriegst ihn nicht!“

Daniel hängt seit zweieinhalb Jahren an einem Kunstherz

Kleine Helden: die herzkranken Zwergerl Daniel (3) und Franka (4) - hier mit ihren Mamas Diana Dietrich (links) und Carolin A. (rechts) sowie dem Chef der Herzchirurgie im LMU Klinikum, Prof. Christian Hagl.

Daniel lebt jetzt seit zweieinhalb Jahren mit einem Kunstherz. Zur Zeit hängt er am Antibiotika-Tropf, kämpft mit Keimen und den Schläuchen, die ihm weh tun. Seine Eltern haben ihr Haus in Schwabmünchen zurückgelassen und das Auto verkauft. Sie leben mit anderen betroffenen Eltern im Haus der McDonald-Kinderhilfe am Klinikgelände, um immer in Daniels Nähe zu sein. „Wir haben schon fünf Mal erlebt, dass ein anderes Kind ein Herz bekam. Man freut sich so sehr mit den Eltern und weint, wenn sie dann gehen. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, wie wir sie uns nie hätten vorstellen können.“ Diana hat diese Schicksals-Reise auf Instagram und facebook in Hunderten Fotos und Einträgen dokumentiert. Stichwort: herzbube daniel.

Corona überschattet das wichtige Thema Organspende

Das Schicksal des kleinen Daniel ist kein Einzelfall. Im langen Schatten von Corona rückt ein anderer dramatischer Wettlauf gegen die Zeit immer mehr aus dem Rampenlicht: Allein in Deutschland warten derzeit mehr als 9000 schwerstkranke Patienten auf ein Spenderorgan, darunter viele Kinder. Daniel (3) wartet bereits seit 875 Tagen auf ein Herz – fast sein ganzes Leben lang. Sein Schicksal teilen Marco (6) und Luca (17), Franka (4) hat praktisch im letzten Moment ein Spenderorgan bekommen. Für alle Kinder ist das Krankenhaus ihr Zuhause. Genauer gesagt eine Station im neunten Stock des Uniklinikums Großhadern. Hier werden die Kinder vom Pflegeteam um Stationsleiterin Stephanie Gstöttl-Rylke und von Kinderkardiologen um Abteilungsdirektor Professor Nikolaus Haas liebevoll betreut.

 Ich wollte aus dem Hubschrauber springen, falls Daniel sterben sollte. Aber dann sagte ich zu Gott: Du kriegst ihn nicht!“

Daniels Mama Diana Dietrich über die dramatischen Minuten im Rettungshubschrauber.

LMU-Klinikchef Lerch: „Die kleinen Helden dürfen nicht vergessen werden!“

Die vier berührenden Krankengeschichten zeigen, wie die Not und Verzweiflung der kleinen Patienten und ihrer Familie durch die Pandemie noch verschärft werden. „Wir haben einfach viel zu wenige Spenderorgane“, analysiert der Chef der Herzchirurgie des LMU Klinikums, Professor Christian Hagl. „Gefühlt befasst sich derzeit kaum noch jemand mit Organspende, obwohl beinahe täglich Menschen sterben, die wir als Gesellschaft retten könnten.“ Und der Ärztliche Direktor des LMU Klinikums, Professor Markus Lerch ergänzt: „Uns ist wichtig, dass die kleinen Helden auf unserer Herzstation nicht vergessen werden – in Zeiten, in denen die ganze Welt nur über Corona spricht.“

Moderne Filme sollen Organspende wieder stärker ins Bewusstsein rücken

Um die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, geht das LMU Klinikum auch neue Wege. Es möchte die Imagewerbung für das Thema Organspende modernisieren. Dazu sollen professionelle Spots gedreht werden, die sich an verschiedene Altersgruppen wenden. „Wie kurze Spielfilme, die dann beispielsweise im Kino, in der U-Bahn oder in Schulen gezeigt werden“, berichtet An­dreas Steeger. Der Fotograf des LMU Klinikums hatte gemeinsam mit der leitenden Oberärztin Dr. Laura Lily Rosenthal und Prof. Hagl die Idee zu dem Projekt. Die Drehbücher stammen von dem Murnauer Filmemacher Matt Vane, die Dreharbeiten soll die Rabbitz Film AG München übernehmen.

Unterstützer gesucht - Münchner Bank legt für jeden Spender zusätzlich Geld drauf

Um die Produktionskosten der vier geplanten „Filme fürs Leben“ aufzubringen, hat der Förderverein der Herzchirurgischen Klinik eine Spendenaktion gestartet. Bei seinem sogenannten Crowdfunding wird der gemeinnützige Verein von der Münchner Bank eG unterstützt: Für jeden Spender, der mindestens fünf Euro gibt, legt sie zehn Euro drauf. So sollen zunächst 25 000 Euro für den ersten Film der Serie zusammenkommen. Nähere Infos und Spendenmöglichkeiten gibt‘s hier.

Ideengeber Steeger appelliert an unsere User: „Die Münchner Kindl brauchen Ihr Herz“

Ideengeber für das Filmprojekt: Dr. Laura Lily Rosenthal und Andreas Steeger.

LMU-Klinikchef Lerch: „Wir sollten den herzkranken Kindern und ihren Familien das Gefühl geben, dass sie nicht alleine gelassen werden.“ Auch Projekt-Mitinitiator Steeger hofft auf die Solidarität der Menschen in der Region: „Diese Münchner Kindl und auch alle anderen Patienten brauchen Ihr Herz“, sagt der Fotograf aus Murnau in einem leidenschaftlichen Spenden-Appell. „Viele schaffen mehr. Deshalb brauchen wir jeden einzelnen von Ihnen!“

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