So bleibt Ihr Herz gesund

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MTA Sabine Wuchenauer bereitet am Mittwoch (23.04.2008) in der Universitätsklinik Ulm einen Patienten für eine Herzuntersuchung in einem Computertomographen (CT) vor.

München - Die wichtigsten Fragen rund ums Herz beantwortet die bekannte Münchner Ärztin und Autorin Dr. Marianne Koch in ihrem Neuen Herz-Buch. Die tz hat einige Passagen daraus für Sie zusammengefasst.

Im Laufe eines Lebens schlägt ein Herz einige Milliarden Mal. Kein Wunder, dass es irgendwann einmal schwach wird. Oder plötzlich sogar ganz aufhört zu schlagen, wie es vor Kurzem der ehemalige Fußball-Nationalspieler Dieter Eckstein erlebte. „Ich war 13 Minuten tot“, sagt der 47-Jährige heute über seinen Zusamenbruch am 2. Juli bei einem Benefizspiel in Regensburg. Zwei Feuerwehrleute retteten ihm mit ihrem beherzten Einsatz wohl das Leben. Jetzt versucht er in der Reha in Bad Kissingen, sich auf ein Leben mit Herzschrittmacher einzustellen.

Eine Entdeckungsreise zu einem faszinierenden Ort: „Das Herz-Buch“ von Dr. Marianne Koch (240 Seiten) ist im dtv-Verlag erschienen. Es kostet 14,90 €

Wie dies gelingen und auf welche Art man sonst noch einem ermatteten Herz helfen kann, schildert jetzt die Münchner Ärztin und Autorin Dr. Marianne Koch (79) in ihrem neuen Buch. Und nicht nur dies: In ihrem Das Herz-Buch erklärt sie auch für jedermann verständlich, wie das Wunderwerk Herz, diese extrem effiziente Hochleistungspumpe, funktioniert, wie wir es schützen und gesund erhalten können, damit es erst gar nicht in Gefahr gerät.
Außerdem geht die Ärztin zum Beispiel auf die Frage ein, welche Sportarten dem Herzen guttun, und erläutert die fantastischen (Operations-) Methoden, die Herzspezialisten heute haben. Spannend ist aber auch ihr Kapitel über die Zusammenhänge zwischen Herz und Seele und unsere erstaunlichen Selbstheilungskräfte. Einige der interessantesten Passagen fasst die tz hier für sie zusammen.

Wenn das Herz bricht

Depressionen sind für ein Herz Gift. Aber oft genügen auch schon alltägliche Sorgen oder einzelne dramatische Ereignisse, um Herz und Kreislauf zu gefährden: Experten sprechen auch vom „Broken-Heart-Syndrom“, also dem Syndrom des gebrochenen Herzens. Aber kann ein Herz wirklich brechen? Marianne Koch schreibt in ihrem Buch: „Offensichtlich ja. Bei Gefühlsstürmen, zum Beispiel bei der Trennung von einem geliebten Menschen oder dem Tod eines Kindes, können so schwerwiegende Funktionsstörungen des Herzens auftreten, dass der Kreislauf zusammenbricht und der Tod durch Schock eintritt.“ Glücklicherweise, so Marianne Koch, sei dies aber sehr selten. Meist würden die Betroffenen noch rechtzeitig intensivmedizinisch betreut, bis sich die Seele etwas beruhigt habe und das Herz wieder aus seiner Starre erwacht sei. Meist dauere es dann noch vier bis sechs Wochen, dann sei die bedrohliche Situation überwunden und der Mensch – zumindest körperlich – wieder gesund. Wieso reagiert unser Körper manchmal so heftig? Unser Herz wird nicht nur von Nerven, sondern auch von Hormonen gesteuert. Und ein Übermaß an Hormonen kann unser Herz überfordern.

Vorbeugen

„Jedes Herz ist gefährdet“, sagt Marianne Koch, „das eine früher, das andere später.“ Aber Fakt ist: Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die ursächlich für eine Vielzahl neuer Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Bitter: Das größte Risiko für unser Herz ist das Alter. Während für den einen mit 70 die Abnahme der Lebenskraft programmiert ist, ist der andere mit 90 noch erstaunlich fit. Da kann man nun einmal wenig dran ändern, glauben Sie? „Genau hier“, so empfiehlt Marianne Koch, „sollte unser persönliches Engagement einsetzen. Denn vielleicht lassen sich so ererbte Schwachstellen ausgleichen.“ Ganz wichtig dabei: der Blutdruck. Der ist leider bei jedem zweiten 60-Jährigen in Deutschland zu hoch und damit eine Gefahr fürs Herz! Dagegen helfen: Abnehmen, Sport treiben (weil Fett stark hormonaktiv ist und damit den Bludruck hochtreibt); salzarm essen; Stress abbauen (helfen kann autogenes Training oder Heilgymnastik); Alkohol nur in Maßen (aber ein Glas Wein oder Bier am Abend sind erlaubt); Medikamente. Deren optimale Einstellung kann zwar Wochen dauern. „Aber sie lohnt sich“, ist Marianne Koch überzeugt. Und: „Leider gibt es kein homöopathisches Mittel, das zuverlässig zu hohen Blutdruck normalisiert.“

Die Anzeichen

Die Beine tun Ihnen weh beim Treppensteigen? Dass mit dem Herzen etwas nicht in Ordnung ist, ergibt sich oft aus Beschwerden, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Herzen zu tun haben. Marianne Koch listet in ihrem Buch gleich eine ganze Reihe von Anzeichen für eine mögliche Herzschwäche auf, die man ernst nehmen und dringend mit einem Arzt besprechen sollte: Atemnot bei Belastungen (schon in Ruhe); Atemnot im Liegen – der Patient kann nur mit erhöhtem Oberkörper, also mit zwei oder drei Kissen schlafen; nächtliches Husten oder Luftnot – verursacht von Stauungen in der Lunge; häufiges nächtliches Wasserlassen, weil die Nieren nachts mehr durchblutet werden und deshalb besser arbeiten; bläuliche Lippen – Zeichen für Sauerstoffmangel; Müdigkeit, Schwäche, Leistungsabfall; Wasseransammlungen in den Beinen.

Alarmsignale Infarkt (Achtung Lebensgefahr!) – Männer: Druckgefühl in der Brust (schon in Ruhe), starke Schmerzen, Brennen hinterm Brustbein, Übelkeit, Brechreiz, Angst, kalter Schweiß; Frauen: Atemnot, Übelkeit, Brechreiz, Schmerzen im Oberbauch oder Rücken, Schwäche, kalter Schweiß, Angst.

Leben mit schwachem Herzen

Über zwei Millionen Deutsche haben eine Herzschwäche (med. Herzinsuffizienz) – meist wegen Durchblutungsschwierigkeiten. Aber es gibt keinen Grund, deshalb Angst zu haben. Denn inzwischen, so Marianne Koch, gelingt es oft, auch schwere Fälle so zu behandeln, dass man ein einigermaßen normales Leben führen kann. In diesem Zusammenhang spricht die Ärztin der Pharmaindustrie übrigens ein dickes Lob aus („Da sind nicht nur Geschäftemacher am Werk“). Denn inzwischen gebe es hervorragende Medikamente, die nicht mehr versuchten, das Herz anzutreiben, sondern ihm die Chance geben, sich zu erholen. Völlig out ist inzwischen der Ratschlag „schonen Sie sich“. Denn das „Schonen“, so hat man inzwischen festgestellt, wirke sich negativ auf Muskeln und Arterien aus. Empfohlen wird heute deshalb ein vorsichtiges Belastungsprogramm (mit Pulsmesser). Studien ergaben, dass sich dadurch vor allem die Elastizität der Herzwände wieder deutlich verbessert. Geeignet sind dafür vor allem zügige leichte Dauerbelastungen, also Radfahren (in der Ebene), Wandern (mit und ohne Stock), Skilanglauf oder Spazierengehen. Achtung: Schwimmen unbedingt mit dem Arzt absprechen!

Medikamente und Operationen

Die wichtigsten Medikamente bei Herzschwäche:

ACE-Hemmer – senken den Blutdruck, schützen den Herzmuskel. Nebenwirkungen (NW): Ca. 15 Prozent der Patienten bekommen einen lästigen Reizhusten.

AT1-Blocker (Sartane) – erweitern die Blutgefäße.

Betablocker – legen Filter vor das Herz und bewahren es vor antreibenden Hormonen. NW: Herz kann eventuell zu stark gebremst werden.

Diuretika – entwässern den Körper und entlasten dadurch das Herz. NW: Mineralgehalt im Blut kann dadurch verändert sein.

Blutverdünnende Mittel (Marcumar oder Dabigatran) – verhindern Gerinselbildung im Herz. NW: Blutungsneigung steigt.

- Die wichtigsten Eingriffe:

Bypass-OP – Vorteil: Langzeiterfolg ist im Vergleich zur Stent-Implantation wahrscheinlicher. Nachteil: große OP, erhöhtes Schlaganfallrisiko.

- Katheterbehandlung – Vorteile: schonend für den ganzen Körper. Schnelle Heimkehr, bald wieder normale Belastung. Billiger als eine OP. Nachteile: Häufiger als bei Bypass-OP ist ein erneuter Eingriff nötig.

- Schrittmacher: Die Implantation gilt heute als harmloser Eingriff. Tatsächlich wird dabei nach einem kleinen Hautschnitt der Schrittmacher (ein winziger Computer) hinter dem Brustmuskel befestigt. Von dort führt man Elektroden durch eine Vene bis zum Herzen.

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