Herz-Legende Reichart: OP-Comeback mit 68!

+
Der weltberühmte Herzchirurg Prof. Bruno Reichart war 21 Jahre Chef in Großhadern. Jetzt gibt er – mit fast 69 – ein Comeback am Skalpell.

München - Eigentlich wurde der weltberühmte Herz-Chirurg Professor Dr. Bruno Reichart Anfang des Jahres in den Ruhestand entlassen. Doch der hat keine Lust auf die Rente. Mit knapp 69 Jahren steht die Legende jetzt wieder im OP.

Für viele Arbeitnehmer ist die Rente mit 67 ein Schreckgespenst – sie träumen von Freizeit, Reisen und anderen schönen Dingen, für die sie ein Arbeitsleben lang zu wenig Zeit hatten. Aber es gibt eine lebende Legende in München, die denkt überhaupt nicht daran, ihren wohlverdienten Ruhestand zu genießen: Professor Dr. Bruno Reichart. Mit knapp 69 Jahren steht der weltberühmte Herz-Chirurg wieder im OP.

Allerdings operiert Reichart jetzt nicht mehr in der Unik-Kinik Großhadern – dort leitete er 21 Jahre lang die Herzchirurgie. Die Koryphäe verstärkt jetzt das Ärzte-Team der Chirurgischen Klinik Dr. Rinecker am Isarkanal.

In Großhadern musste Reichart im Frühjahr zwangsweise den grünen Kittel an den Nagel hängen, weil er die Altersgrenze von 68 Jahren erreicht hatte. Da macht die Ludwig-Maximilians-Universität als Krankenhausträger auch für Legenden keine Ausnahme. Also heuerte Reichart bei der Privatklinik an. „Ich berate die Klinikleitung und helfe auch im OP mit“, bestätigte Reichart der tz. Für den Toparzt ein ideales Training: „Ich operiere dort, um in der Übung zu bleiben. Das erfordert ja auch manuelle Geschicklichkeit.“

Als Affront gegen seinen alten Arbeitgeber will er seinen neuen Job aber keinesfalls verstanden wissen: „Mein Herz hängt an Großhadern. Dort betreibe ich nach wie vor meine Forschungen.“

Seit Jahren forciert der Wissenschaftler ein ehrgeiziges Projekt: schwer kranken Menschen Schweineherzen einzupflanzen. Diese Vision schenkt vielen Patienten neue Hoffnung. Und die Chancen, dass das Verfahren in einigen Jahren tatsächlich möglich sein wird, stehen nicht schlecht: „Wir kommen schön voran“, sagte Reichart in einem Interview. Dass er selbst schwierigste Probleme lösen kann, hat Reichart oft bewiesen. So wagte er 1983 als erster Chirurg überhaupt eine Herz-Lungen-Transplantation. 1984 wiederholte er diesen Eingriff zwei Mal – mit Erfolg.

Keine Frage, der Mann fühlt sich zu jung für die Rente. Wie die meisten Herzchirurgen hat Reichart eine Rossnatur. Während seiner Zeit als Kinikchef stand er täglich um 5.30 Uhr auf, war ab 7 Uhr morgens in der Klinik. Auch mit 68 fühlt er sich topfit – zur Freude seiner weniger fitten Patienten.

Die Karriere des weltberühmten Chirurgen

Er ist ein bayerischer Kosmopolit mit österreichischen Wurzeln: Bruno Reichart kam in Wien zur Welt, wuchs in Ingolstadt auf. In Erlangen und München studierte er Medizin, erhielt dann in der Landeshauptstadt auch die Fachausbildung zum Herzchirurgen. Reichart hatte einen berühmten Lehrmeister: Rudolf Zenker, der 1969 die erste Herz-Transplantation in Deutschland wagte. Nach Auslandsstationen, unter anderem in den USA und Südafrika, kehrte Reichart als Chefarzt an die Isar zurück. Seine Ära prägte die Herzchirurgie in Großhadern maßgeblich. Inzwischen bekamen dort über 1100 Patienten ein neues Herz eingepflanzt.

Andreas Beez

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern

Kommentare