Das Herz der Stadt als weißer Fleck

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Hier kurz vor dem Alten Rathaus bog das Street View-Auto ab. Der Marienplatz und die restliche Fußgängerzone bleiben auf der Google-Karte ein weißer Fleck.

München - Drei Wochen ist es her, dass Google seine Street View-Bilder aus München ins Netz gestellt hat. Jetzt kann jeder Internet-Nutzer auf dem Planeten sich durch die Münchner Straßen klicken. Aber nicht durch alle.

Ausgerechnet kurz vor Münchens guter Stube ist Schluss: Marienplatz, Kaufinger und Neuhauser Straße sind nicht zu sehen und bleiben ein weißer Fleck auf der Street View-Karte. Im Rathaus, das man nur von hinten sieht, hegt man ohnehin wenig Vertrauen zum Internet-Multi.

Zig Millionen Internet-Nutzer nutzen jeden Tag bei Street View die Möglichkeit, am Rechner nachzusehen, wie es am früheren Wohnort aussieht oder was der nächsten potenzielle Urlaubsort so an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Doch wer sich bei Street View die Münchner Fußgängerzone anschauen will, hat Pech gehabt: Denn kurz davor hat das Google-Mobil bei seinen Foto-Safaris kehrt gemacht. Somit gibt es keine Bilder vom Marienplatz im Netz.

So funktioniert Google Street View

So funktioniert Google Street View

Wieso das so ist, erklärt Google-Sprecherin Lena Wagner so: „Wir haben in Deutschland öffentliche und mit dem Auto befahrbare Straßen für Street View fotografiert. Fußgängerzonen waren davon ausgeschlossen.“ Warum man das nicht gemacht hat? „ Weil Fußgängerzonen keine öffentlichen Straßen sind, die mit Autos befahren werden können.“ Aber auch das Google-Dreirad, das etwa an der Allianz Arena Bilder von der Esplanade aufnahm, kam nicht zum Einsatz. Doch so ganz hat sich Google nicht an seine Maxime gehalten, Fußgängerzonen nicht abzulichten.

Im Rathaus, das nun nur vom Marienhof aus zu sehen ist, wollten die Grünen sensible Münchner Gebäude von Google unkenntlich machen lassen. Doch Google argumentiert, dazu hätten nur die Bewohner und Eigentümer das Recht. Der bayerische Städtetag hält zwar einen Widerspruch für möglich, doch will das Rathaus davon absehen: „Letztlich müssten wir mit einem Widerspruch gegenüber Google alle relevanten und sensiblen Daten öffentlicher Gebäude bekannt geben, wobei nicht ausgeschossen werden kann, dass diese Daten an Unbefugte gelangen bzw. in der amerikanischen Zentrale unter gänzlich anderen Datenschutzbedingungen gespeichert werden,“ heißt es in einem Beschlussvorschlag, über den der Verwaltungs- und Personalausschuss des Stadtrates am Mittwoch entscheiden soll. Ein nicht gerade schmeichelhaftes Papier für den Internet-Riesen.

Der sagt dazu lapidar: „Wir verwenden die Angaben, die uns im Rahmen eines Antrags auf Unkenntlichmachung von Häusern mitgeteilt werden, ausschließlich zur Umsetzung der Anträge. Wie mit der zuständigen Datenschutzbehörde vereinbart, werden wir die Angaben binnen der gesetzlich dafür vorgegebenen Frist löschen,“ so Google-Sprecherin Wagner. Immerhin habe man Frauenhäuser unkenntlich gemacht. Und auch die Münchner Bundeswehr-Kasernen wurden nicht abgebildet.

J. Welte

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