40 Jahre Herzzentrum

Herzdrama: Seehofer erzählt von seiner Rettung

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Der Ministerpräsident mit den Machern vom Herzzentrum (v.l.): Manager Robert Siegert, Prof. Peter Ewert, Pflegechef Burkhard Köppen, Prof. Rüdiger Lange, Prof. Heribert Schunkert

München - Zum 40. Geburtstag des Deutschen Herzzentrums München sparten die Gratulanten nicht an Superlativen. Wie wertvoll Herzmedizin auf höchstem Niveau ist, hat auch Ministerpräsident Seehofer am eigenen Leib erfahren.

Update:  Horst Seehofer musste im Juli 2015 bei den Bayreuther Festspielen auf einen Notarzt gestützt den Saal vorzeitig verlassen. Herzprobleme! Kommt es zu einem überraschenden Amtsverzicht des Ministerpräsidenten?

Es ist eine „Perle der Spitzenmedizin“, eine „Erfolgsserie von außergewöhnlichen Leistungen“, eine „Erfolgsgeschichte der Heilkunst und der Menschlichkeit“ – zum 40. Geburtstag des Deutschen Herzzentrums München an der Lazarettstraße sparten die Gratulanten nicht an Superlativen. Wie wertvoll Herzmedizin auf höchstem Niveau ist, das hat auch Ministerpräsident Horst Seehofer am eigenen Leib erfahren. Gemeinsam mit seinem Freund Theo Waigel schilderte Seehofer beim gestrigen Festakt, wie er als schwerkranker Herzpatient gerettet wurde.

Horst Seehofer (64) spricht von einem „Einschlag“, wenn er sich an seine lebensbedrohliche Herzerkrankung erinnert. Aber dieser Begriff ist wahrscheinlich noch untertrieben – jedenfalls in den Augen seines Freundes Dr. Theo Waigel (75): „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der kränker ausschaut. Es war, als ob eine lebendige Leiche vor mir steht. Ich bin wirklich zutiefst erschrocken.“ Für beide Politiker war diese Begegnung so einschneidend, dass sie auch heute, zwölfeinhalb Jahre später, noch jedes Detail präsent haben. In der tz schildern Seehofer und Waigel das Herz-Drama von Kreuth – und was sie daraus gelernt haben.

Als Seehofer im Januar 2002 zu der CSU-Klausur nach Kreuth fuhr, fühlte er sich saumäßig: „Ich hatte schon seit Wochen Husten, immer wieder grippeähnliche Symptome“, berichtet der Ministerpräsident. „Aber damals, mit 53 Jahren, da dachte ich mir: ,Das bisschen Grippe – was soll’s! Du kannst die Welt aus den Angeln heben.’“

Um Seehofers Selbsteinschätzung als fatalen Irrtum zu diagnostizieren, brauchte Waigel nur ein paar Sekunden: „Ich wusste sofort: Das hier ist kein Spaß mehr, das ist tödlicher Ernst. Diese knallharte Einschätzung konnte ich ihm nicht ersparen.“

Waigel beschwor seinen schwer kranken Freund, aus Kreuth abzureisen und endlich zum Arzt zu gehen. „Das hat mir zu denken geben“, erinnert sich Seehofer. „Ich sagte mir: ,Wenn ein guter Freund und Förderer so eindringlich auf dich einredet, dann solltest du besser nicht einfach darüber hinweggehen.’“

Also fuhr Seehofer tatsächlich heim nach Ingolstadt – und ließ sich kurz darauf selbst ins dortige Klinikum einliefern. Gerade noch rechtzeitig, wie die Ärzte herausfanden: Sie diagnostizierten eine verschleppte Herzmuskelentzündung, sein Herzmuskel hatte nur noch eine Pumpleistung von an die zehn Prozent.

Dank monatelanger Behandlung und Reha kam Seehofer wieder auf die Beine. Die Erfahrungen haben ihn verändert. „Seitdem gehe ich gelassener durch den Tag, lasse mich nicht mehr so treiben und hetzen – auch wenn mir das oft als Arroganz ausgelegt wird. Das stimmt aber nicht: Ich gehe einfach bewusster mit meinem Leben und meiner Gesundheit um.“

Dazu gehört für den Ministerpräsidenten auch, dass er sich Zeit für Bewegung nimmt. „Bei schlechtem Wetter setze ich mich im Keller auf meinen Heimtrainer“, erzählt er der tz. „Aber draußen macht das Radeln natürlich viel mehr Spaß.“ Mit seiner Frau Karin kurbelt er gerne durch den Köschinger Forst. Und für ihr Urlaubsdomizil im Altmühltal wollen sich die Seehofers jetzt E-Bikes zulegen. „Dort ist es doch recht hügelig – und ich schiebe mein Radl nicht so gerne“, sagt Seehofer augenzwinkernd.

Früher ist der bayerische Regierungschef übrigens auch gerne auf Skiern gestanden. „Aber als mir meine Kinder plötzlich davongefahren sind, habe ich’s dann doch lieber sein gelassen.“

Andreas Beez

Über eine Million Patienten

Die Bilanz ist eindrucksvoll: „Seit der Gründung 1974 sind mehr als eine Million Patienten in unserem Herzzentrum behandelt worden“, berichtete der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Rüdiger Lange. Inzwischen gehört das Spezialkrankenhaus an der Lazarettstraße zu den führenden Einrichtungen ihrer Art weltweit. Mit ihren Erfahrungen und Forschungen haben die Mediziner immer wieder zu gewaltigen Fortschritten in der Herzmedizin beigetragen. So konnte etwa die Todesrate bei Infarktpatienten enorm gesenkt werden. „Vor 40 Jahren lag sie bei 40 Prozent, heute nur noch bei vier Prozent“, erläuterte Chefkardiologe Prof. Dr. Heribert Schunkert. „Auch herzkranken Buben und Mädchen können wir heute in den allermeisten Fällen helfen“, betonte der Chef der Kinderkardiologie, Prof. Dr. Peter Ewert.

Den hohen regionalen und überregionalen Stellenwert der Klinik, die vom Freistaat finanziert wird, beschrieb Ministerpräsident Horst Seehofer so: „Die Mitarbeiter haben das Herzzentrum in 40 Jahren harter Arbeit zu einem Mekka für Herzkranke gemacht.“ Damit das auch in Zukunft so bleibt, sicherte der Regierungschef eine wohlwollende Förderung zu. Bereits 2016 soll an der Lazarettstraße unter anderem ein neuer Forschungsbau entstehen.

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