Herzklappen-Operation zum 102. Geburtstag

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Ein Herz und eine Seele: Maria Fritzsche und ihre Ärzte (v. li.): Dr. Walter Eichinger (Klinikum Bogenhausen), Dr. Michael Scheininger und Dr. Robert Lauer (Reithofpark Bad Feilnbach), Prof. Harald Mudra (Klinkum Neuperlach)

München - Maria Fritzsche feierte im Dezember ihren 102. Geburtstag. Das hat die Rosenheimerin auch den Ärzten im Klinikum Neuperlach zu verdanken. Die Kardiologen dort halfen der Dame mit einer Herzklappen-Operation.

Das Alter? „Ach! Das war mir immer egal“, sagt Maria Fritzsche. Wenn andere mit 40 ihre Fältchen zählten, musste sie nur lachen. Die Lust am Leben hat sie bis ins hohe Alter begleitet. Doch als sie Anfang Dezember nach München ins Klinikum Neuperlach kam, war ihr Lachen verschwunden. Die Seniorin war erschöpft, atmete schwer. Nur eine neue Herzklappe konnte ihr helfen.

Doch mussten ihr die Ärzte eines versprechen: Dass sie zehn Tage später wieder zu Hause sein würde – um einen Geburtstag zu feiern, der allein schon ein Geschenk ist. Maria Fritzsche ist jetzt 102, vor vier Wochen war die Party. „Haben wir unsere Abmachung nicht brav gehalten?“ Professor Harald Mudra legt seiner Patientin die Hand auf die schmale Schulter. „Haben Sie, muss ich zugeben“, sagt Maria Fritzsche und strahlt wieder. In grauem Pulli und mit Perlenkette begrüßt die Rosenheimerin ihren Kardiologen, der seine Patientin in der Reha-Klinik Reithofpark in Bad Feilnbach besucht, gemeinsam mit dem Herzchirurgen Dr. Walter Eichinger.

Eine Klappenprothese mit fast 102 Jahren: Das ist sicher eine kleine Sensation. OPs an Hochbetagten sind inzwischen aber Alltag. Etwa die Hälfte der Patienten, die in deutschen Kliniken operiert werden, ist heute über 70. Viele Menschen sind bis ins hohe Alter fit. Freilich gibt es eine Verführung: Alles, was machbar ist, auch zu machen. „Man muss gut abwägen, welche Chancen der Patient längerfristig hat – und wie sein Leben nach der OP aussieht“, sagt Eichinger. Eine Altersgrenze für OPs gebe es aber nicht. Entscheidend ist das „biologische Alter“. Und das kann bei zwei 80-Jährigen durchaus um ein Jahrzehnt auseinander liegen.

tz-Stichwort: Katheter-OP

Bei Maria Fritzsche ergab die Computertomografie, dass für die OP die Katheter-Methode besonders geeignet war. Für den Katheter ist nur ein winziger Schnitt in der Leistenarterie nötig. Von hier aus schieben die Ärzte den dünnen Schlauch langsam bis zum Herzen. Ein Röntgengerät zeigt ihnen exakt, wo der Katheter gerade sitzt. In ihm steckt zusammengefaltet die neue Herzklappe. Am Ort der alten wird diese aus dem Katheter geschoben, entfaltet sich – und übernimmt sofort deren Aufgabe. Die alte Klappe wird von dem Metallgerüst der Prothese weggedrückt. Im Inneren des Geflechts sitzen drei Klappensegel. Sie funktionieren wie ein Ventil und verhindern, dass das Blut von der Aorta ins Herz zurückströmt.

Lässt die Gesundheit es zu, können moderne Methoden aber auch Hochbetagten noch aktive Jahre schenken. Etwa durch eine Herzklappen-Prothese. Um eine solche einzusetzen, war vor wenigen Jahren zwingend eine schwere Operation nötig. Bei einer neuen Herzklappe gibt es allerdings eine schonende Methode mit Katheter. „Wir können so Menschen helfen, die sonst kaum eine Chance hätten“, sagt Kardiologe Mudra. Denn eine verengte Herzklappe ist keineswegs harmlos. Kommt es zu Beschwerden, überlebt die Hälfte der Patienten ohne Therapie die nächsten zwei Jahre nicht. „Das sind mehr als bei einem unbehandelten Krebstumor“, so Eichinger, Leiter der Herzchirurgie am Klinikum Bogenhausen. Er hat den Katheter-Eingriff gemeinsam mit seinem Kollegen aus Neuperlach durchgeführt. Der ist an allen Städtischen Kliniken Teamarbeit – zur Sicherheit für die Patienten. Ein paar Tage danach sind die meisten Patienten wieder fit – und haben oft noch gute Jahre vor sich. Auf die darf auch Maria Fritzsche hoffen. Bereits ein Jahr, bevor sie ins Krankenhaus nach München kam, war sie in Rosenheim untersucht worden. „Der Arzt sagte, dass eine Herzklappe verkalkt ist“, erzählt sie. Betroffen war wie bei den meisten älteren Patienten die Aortenklappe. Durch sie strömt sauerstoffreiches Blut vom Herzen in die Hauptschlagader, die es im Körper verteilt. Ist dieses Ventil verkalkt, braucht das Herz immer mehr Kraft, um das Blut durch die Engstelle zu pumpen. In einem Jahr, so vermutete der Arzt damals, würde ein Eingriff nötig sein. Er behielt Recht. Immer öfter wurde der Rentnerin schwindlig, das Atmen fiel ihr schwer. Im Dezember wurden die Beschwerden so schlimm, dass ihr Sohn sie nach München brachte.

Für sie war klar: „Aufschneiden lass ich mich nicht!“ Nur ein Mal war sie in ihrem langen Leben operiert worden. Vor 70 Jahren, an der Gallenblase. Da war sie 32. Aber glücklicherweise gibt es inzwischen ganz schonende OP-Methoden (siehe unten). Und so war nach einer Stunde Vollnarkose alles vorbei. Und wenige Tage später durfte die Seniorin schon nach Hause. Am Geburtstag stand das Telefon nicht still. Selbst der Ministerpräsident schickte Grüße. Erst danach ging es in die Reha. In Bad Feilnbach tankt Maria Fritzsche Kraft. Für Spanien! Dorthin reist Maria Fritzsche jedes Jahr, trifft sich mit ihren Freundinnen zum Plaudern und Kartenspielen. „Die sind alle noch jung. Erst um die 80“, sagt sie und lacht.

Sonja Gibis

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