Hier baut die Luxus-Gemeinde ein Luxus-Bürgerhaus

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Der Grundstein für ein 26 Millionen Euro teures Bürgerhaus ist gelegt.

Unterföhring - Klotzen, nicht kleckern. Das war schon immer die Devise in Unterföhring.

Die Luxusgemeinde kann es sich leisten, die Gewerbesteuern fließen in Strömen. Die Unterföhringer zahlen keine Kindergartengebühren, haben einen eigens finanzierten S-Bahntunnel – und bald auch ein Kultur- und Bürgerhaus der Luxusklasse für 26 Millionen Euro.

9000 Einwohner hat Unterföhring gerade einmal, aber bald ein Mehrzweckhaus, das fast an den Münchner Gasteig erinnert. Mittwoch beim Spatenstich gab’s Details: Das Haus wird einen Saal mit 700 Sitzen haben, einen Orchestergraben und eine große Bühne. Über drei Stockwerke erstreckt sich die Gemeindebücherei mit Lesecafé. Es wird Räume für die Musikschule, Vereine und eine Kegelbahn geben.

Die Alufassade schimmert rot, innen entspricht das Gebäude höchsten technischen Standards: mit Wärmerückgewinnung, dreifach verglasten Panoramafenstern und einer 450 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage. Geheizt wird mit Erdwärme. „Wir werden mindestens Niedrigenergiestandard haben“, sagt Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger.

Luxus, der die Bürger kaum vom Hocker hauen wird. „Meine Bürger sind sehr dankbar, dass sie es hier so gut haben“, so Bürgermeister Franz Schwarz (SPD). „Aber die Erwartungshaltung ist auch hoch.“

Während die Metropole München sich rühmt, ihre Schulden innerhalb zweier Jahre von 3,3 Milliarden Euro auf 2,7 Milliarden Euro verringert zu haben, ist Unterföhring schuldenfrei und hat sogar 250 Millionen Euro auf der hohen Kante. In den vergangenen Jahren sind die Gewerbesteuereinnahmen laut Bürgermeister Schwarz kontinuierlich gestiegen, Medienkrise und Versicherungsfusionen zum Trotz. „Es gibt ständig Umschichtungen. Aber heute haben wir knapp 16 000 Arbeitsplätze auf 9000 Einwohner, 2007 hatten wir Steuereinnahmen von 104 Millionen Euro.“ So gut steht nicht einmal die Millionärsstadt Starnberg da.

Eine Luxusgemeinde wie Unterföhring löst denn auch Probleme, mit denen andere Kommunen sich jahrelang abmühen, einfach selbst: Weil die Flughafen-S-Bahnstrecke direkt durch den Ort führte und mit ihrer hohen Frequentierung sehr laut war, setzte die Gemeinde kurzerhand einen Tunnel für 65 Millionen Euro per Bürgerbegehren durch und baute 2006 einen hochmodernen Bahnhof dazu. Gezahlt natürlich alles aus eigener Tasche.

Die Familien hier profitieren schon länger: Erst wurden die Kindergartengebühren abgeschafft, seit 2006 zahlen die Unterföhringer nicht mal mehr für Kita und Hort. Einzigartig in Deutschland! Und es geht weiter: Bis zu 25 Millionen fließen nun in Geothermie.

Nach der Grundsteinlegung für das neue Bürgerhaus gab es Mittwoch für die Gemeinderäte noch ein Mittagessen, bei dem sie sich für die anschließende Sondersitzung stärken konnten: Beim Bürgerhaus stehen Kostensteigerungen von 1,4 Millionen Euro auf der Tagesordnung. Für Unterföhring wohl ein eher kleines Problem.

Quelle: tz

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