Hier kommt ein Sexverbrecher frei

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Thomas B. (vorne) am Dienstag mit seinem Rechtsanwalt

München - Sex-Verbrecher Thomas B. hat am Dienstag das Münchner Justizzentrum als freier Mann verlassen. Während seiner mehr als zehnjährigen Haftstrafe hat er die Therapie verweigert. Wie gefährlich ist er?

Eine nachträgliche Sicherungsverwahrung wird es bei ihm nicht geben – das ist das Ergebnis einer Gerichtsverhandlung. Aber wie gefährlich ist der 39-Jährige? Das weiß niemand – denn Thomas B. (Name geändert) verweigerte während der Haft jede Untersuchung und jede Therapie.

Der gelernte Programmierer war im Oktober 2000 verhaftet worden, weil er seine Freundin schwer verletzt hatte. Ihr ganzer Körper war voller blauer Flecken. Er hatte die Frau wie eine Sklavin gehalten, hatte sie sadistisch gequält und vergewaltigt. Wenn sie vor Schmerzen schrie, machte er sich darüber lustig.

In der JVA Straubing war der Sex-Sadist vor allem dadurch aufgefallen, dass er ständig Ärger machte. In einem Schreiben ans Justizministerium drohte er sogar mal mit einer Geiselnahme. Eine Sexualtherapie verweigerte er. Diese war allerdings vom Strafgericht auch nicht verlangt worden.

Wegen seiner Gefährlichkeit sollte Thomas B. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ursprünglich für immer weggesperrt werden. Doch am Dienstag zog Staatsanwalt Fratantonio seinen eigenen Antrag auf Sicherungsverwahrung zurück. Die Ausgangslage war aussichtslos. Hintergrund: Zuletzt hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass für die nachträgliche Sicherungsverwahrung extrem strenge Maßstäbe angelegt werden müssen.

Dennoch sei der Prozess am Dienstag aus Sicht der Staatsanwaltschaft notwendig gewesen – „aus Gründen der Rechtsklarheit“. Sven Tamoschus, der Verteidiger von Thomas B., kritisierte indessen die „Wahnsinnskosten für dieses Verfahren“.

Eberhard Unfried

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