Hier geht's knochenhart zur Sache

Einsatzübung für Ernstfall: Die tz bei der Polizei

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tz-Reporter Eberhard Unfried (M.) hat gegen den „Trunkenbold“, gespielt von Trainer Christian Merkel, keine Chance.

München - Münchens Polizeibeamte müssen viermal im Jahr in den Keller des Präsidiums in der Ettstraße. Dort trainieren sie kritische Situationen beim Einsatz. Wir waren dabei.

Das Wichtigste, so Vizepräsident Robert Kopp: „Die Beamten müssen miteinander reden lernen, um jede Situation bewältigen zu können.“ Trainiert wird freilich auch der Einsatz körperlicher Gewalt und für den Notfall auch der Dienstwaffe. Es wird wirklich geschossen, allerdings nur mit Farbmunition. Kopp: „Das Training ist Stress pur.“

Als Reporter will ich wissen, wie so etwas ablaufen kann. Meine Aufgabe klingt einfach: Ich soll einen Trunkenbold aus einem fremden Garten komplimentieren. Freundlich, versteht sich.

Vorsichtig tippe ich Polizeitrainer Christian Merkel, der den betrunkenen Eindringling spielt, auf die Schulter. Der reagiert gereizt: „Hey, verpiss dich!“ Da er beim Du ist, spreche ich ihn auch so an: „Komm’, geh raus, der Garten gehört dir nicht!“ Er kommt mir bedrohlich nahe: „Du gehst, ich nicht!“ Ich ziehe ihn am Arm: „Geh halt...“ Mein Herz pocht, Schweißperlen rinnen mir von der Stirn. Der Typ schaut aus, als wolle er mir sofort einen Kopfstoß verpassen. Puh! Ein Glück, dass in diesem Spiel echte Beamte die Situation bereinigen.

Was habe ich falsch gemacht? Ziemlich alles, erfahre ich. „In dieser Situation war Ihr Verhalten nicht ideal“, sagt Franz Hindl, Chef jener Dienststelle, die für das Einsatztraining zuständig ist.

Der tz-Reporter mit Schutzhelm gegen Farbmunition.

Fehler 1: Ich habe den Mann angefasst. Hindl: „Man will selbst nicht angefasst werden.“ Fehler 2: Das Du. Kopp: „Wir sprechen alle mit Sie an.“ Fehler 3: Zu lange habe ich meine Hände hängen lassen, anstatt sie zur eventuellen Verteidigung vors Gesicht zu nehmen. Das lernen Polizeibeamten von Anfang an, betont Hindl.

Und dann folgt noch Fehler 4, der fatalste von allen: Ich habe meinen Gegner viel zu nahe an mich herankommen lassen. Trainer Christian Merkel zum Abschluss: „Sie sind immer kleiner geworden, je mehr ich mich aufgebaut habe. Sie müssen mehr auf Ihre Eigensicherung achten.“

Mir wird nach diesem Training klar: Der Job eines Polizisten kann knochenhart sein. Ein Glück, dass ich als Reporter in kritischen Situationen auf Distanz gehen kann.

… und hier trainieren die Profis

Einsatz mit Schusswaffe: Der Angreifer hat eine Frau mit einem Hammer niedergeschlagen und geht damit auf einen ­Polizisten los. Eine Notwehrsituation: Der ­Beamte schießt. Beim Training werden mit ­speziellen Pistolen Farbkugeln verschossen.

Gezielter Strahl mit Pfefferspray: Ein Wüterich geht mit einem Besen auf Polizeibeamte los. Ein gezielter Strahl mit dem Pfefferspray (beim Training Seifenlauge) soll ihn stoppen. Nach der Fesselung müssen ihm die Beamten sofort die Augen ausspülen.

Häusliche Gewalt: HäuslicheGewalt – leider kennen die Polizisten solche Situationen nur zu gut. Ein Mann verprügelt seine Frau, sie schreit um Hilfe. Kaum haben Polizisten den Schläger überwältigt, eilt sie ihm zu Hilfe. Die Beamten halten die Frau auf Distanz.

Eberhard Unfried

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